Frankfurt - Es war ein Spiel, in dem alles ein bisschen anders war für den FC Bayern München, aber dann doch eben alles wie immer: Mit 1:0 gewann der Rekordmeister nach einem Tor von Arturo Vidal (20.) bei der widerborstigen Eintracht aus Frankfurt.

Ein bisschen glücklich war dieser Sieg, weil "die Bayern keine Torchance hatten und dennoch ein Tor machten", wie Eintracht-Trainer Niko Kovac bemerkte. Insofern war eben alles wie immer, die Reihe, in der die Bayern auch nach weniger guten Leistungen Spiele gewinnen, ist ja Legende. Aber die Münchener nahmen den Kampf der Frankfurter an und Thomas Müller meinte hinterher: "Es hat Spaß gemacht, unsere Fightermentalität herauszukehren, wir haben uns gepusht und gezeigt, dass wir auch anders können."

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Fußballspielen sei gegen diesen bissigen Gegner und auf diesen schwierigen Bodenverhältnissen nicht möglich gewesen, erklärte Müller, der für den angeschlagenen Robert Lewandowski diesmal als vorderste Spitze aufgeboten war. "Aber", so Müller: "Nach dem 1:0 war ich nicht mehr als vorderster Stürmer gefragt, sondern als erster Verteidiger." Kraftakt statt Gala also: Nicht immer souverän, aber mit letzten Einsatz brachten die Bayern auch dank einiger Paraden ihres Torwart Tom Starke also diese drei Punkte ein - und feiern so schon zwei Spieltage vor dem Ende der Hinrunde die Herbstmeisterschaft. Mit acht Punkten Vorsprung vor RB Leipzig!

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Als Jupp Heynckes das Traineramt von Carlo Ancelotti übernahm, lagen die Münchner noch acht Zähler hinter dem damaligen Tabellenführer Borussia Dortmund. Seither gab es zwölf Siege in 13 Pflichtspielen. Die Herbstmeisterschaft sei nicht von Bedeutung, meinte Heynckes, auch wenn das Tabellenbild und der Punktevorsprung sehr erfreulich seien: "Wir schießen keine Raketen ab", erklärte der 72-Jährige trocken. Er freue sich, dass die Mannschaft an Fahrt aufgenommen habe in den letzten Wochen, aber man könne nicht in jedem Spiel einen Leistung erwarten wie zuletzt in der Champions-League beim prestigeträchtigen 3:1-Erfolg gegen Paris St. Germain. Zwar habe man andere Ambitionen als in der zweiten Halbzeit in Frankfurt, als die Bayern keinen Torschuss mehr abgaben. Aber Spieler wie Müller, oder Franck Ribery kämen aus langen Verletzungspausen, Kingsley Coman und Lewandowski schleppten Blessuren aus dem Paris-Match mit nach Frankfurt - und Torwart Sven Ulreich musste wegen Adduktorenproblemen beim Warmmachen passen, erklärte Heynckes.

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Und so standen nicht nur fünf andere Feldspieler im Vergleich zur Partie gegen Paris in der Startelf in Frankfurt, sondern in Tom Starke auch ein neuer Torwart, der im Sommer eigentlich seine Karriere schon beendet und einen Job als Ausbilder im Bayern-Nachwuchs angetreten hatte. Doch nach der Verletzung von Stammkeeper Manuel Neuer wurde Starke noch einmal für den Profikader reaktiviert. Und weil sich nach Neuer in dieser Woche auch noch Nachwuchstorwart Christian Früchtl und auch Sven Ulreich verletzten, stand der Routinier am Samstag plötzlich wieder in der Bundesliga für die Bayern im Tor - und Jupp Heynckes attestierte seinem Nothelfer eine "sehr starke Leistung".

Heynckes demütig

Auch Heynckes hatte die Bayern-Führung ja wieder reaktiviert. Binnen kurzer Zeit hat der Routinier diese Elf mit seiner menschlich und fachlich herausragenden Arbeit wieder in die Erfolgsspur gebracht und kriselnde Spieler wie Arturo Vidal wieder hungrig gemacht. Den Hauptanteil daran hätten aber die Spieler, sagt Heynckes demütig. Am Mittwoch gegen den 1. FC Köln und zum Abschluss der Vorrundebei VfB Stuttgart wollen die Münchner ihre Erfolgsserie fortsetzen.

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Noch zwei Spiele und dann können die Bayern-Profis kurz unterm Weihnachtsbaum durchatmen. Sie tun das als souveräner Herbstmeister.

Tobias Schächter