München - Nach seinem Tor gab Franck Ribéry erst so richtig Gas. Seine jubelnden Mitspieler umkurvte er dabei ebenso spielerisch wie zuvor seine Gegner vom Hamburger SV. Das Ziel seines Vollsprints war die Haupttribüne - schließlich hatte der Offensivstar des FC Bayern München ein Versprechen einzulösen.

"Vor dem Spiel habe ich mit meiner Frau gesprochen und gesagt, dass ich zu meinem Sohn komme, wenn ich ein Tor mache", erklärte der Franzose hinterher. Keine acht Minuten musste Ribéry junior am Samstag warten, bis sein Papa jubelnd auf ihn zu gestürmt kam. Ein Querschläger der HSV-Abwehr landete direkt im Lauf des Flügelflitzers, mit einem geschickten Haken ließ er auch noch HSV-Torwart Christian Mathenia ins Leere hechten, ehe er mühelos zur Führung für die Bayern einschob.

Jubiläumstor Nummer 51.000 für den Sohnemann

Gleichzeitig verewigte sich Ribéry in der Bundesliga-Historie: Er erzielte Tor Nummer 51.000. Diesen Augenblick mit seinem Sohn zu bejubeln, war für ihn das Wichtigste. "In diesen Momenten ist es immer ein spezielles Gefühl, auch für meinen Sohn. Das ist für ihn unvergesslich, ich freue mich auch für ihn", sagte er.

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Überhaupt kostet der 34-Jährige derzeit jede Sekunde auf dem Rasen ganz besonders aus. Nicht nur weil er mit seinem Tor die 6:0-Gala gegen den HSV eröffnete, hallten wiederholt die bekannten "Ribéry, Ribéry"-Sprechchöre durch die Allianz Arena. "Sie rufen in fast jedem Spiel meinen Namen, aber es ist immer ein schöner Moment", sagte Ribéry, der mit seinem unermüdlichen Einsatz den treuen Anhängern etwas zurückgeben wollte. "Sie kennen mich. Wenn ich auf dem Platz stehe, will ich immer etwas für meine Fans machen. Das ist immer schön und macht Spaß."

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"Er hat nie aufgehört, wichtig zu sein"

Bei seinem zweiten Tor des Tages brachte er seine ganze Spielfreude zum Ausdruck. Auf dem linken Flügel schnappte sich der Franzose den Ball und zog los Richtung Strafraum. Vier Hamburger versperrten ihm den Weg, aber Ribéry degradierte sie zu Statisten und lief einfach durch sie hindurch. Mit einem präzisen Schuss ins lange Eck war sein erster Doppelpack in der Bundesliga seit dem 7. Dezember 2013 (7:0-Sieg in Bremen) perfekt. Anschließend baute er sich vor der Südkurve auf, klopfte sich auf die Brust und genoss den Jubel.

"Franck will immer, dass die Mannschaft gut spielt. Er sieht zuerst die Mannschaft und dann sich." Mats Hummels (FC Bayern München)

Aktuell ist Ribéry in bestechender Form. Seine beiden Treffer am Samstag waren seine Saisontore Nummer drei und vier - alle erzielte er in der Rückrunde. Damit hat er schon jetzt im laufenden Kalenderjahr ein Tor mehr markiert, als im Jahr 2017. Besonders nach der Verletzung von Kingsley Coman ist Ribérys ansteigende Formkurve mit Blick auf den Saisonendspurt von großer Bedeutung. Mit seinem Kumpel David Alaba harmoniert er auf dem linken Flügel wie zu besten Zeiten. "Er hat nie aufgehört, wichtig zu sein für uns", sagte der Österreicher. "Er war immer gut in Form."

Robben hat einfach Spaß am Zusammenspiel

Und auch Arjen Robben, der mit einem schönen Schlenzer seinen Teil zum Torfestival beitrug, wollte von einem besonderen Retro-Revival der berühmten Flügelzange Robbery nichts wissen. "Wir machen einfach weiter", erklärte der Niederländer, der sich dennoch über jede gemeinsame Spielminute mit Ribéry freut. "Es war schön. Wir haben beide ein gutes Spiel und Tore gemacht. Das macht Spaß."

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Nach einem unstoppbaren Dribbling lupft Franck Ribéry den Ball an Christian Mathenia vorbei zum 5:0 ins Netz
Nach einem unstoppbaren Dribbling lupft Franck Ribéry den Ball an Christian Mathenia vorbei zum 5:0 ins Netz © imago

Am Samstag waren auch noch in der Schlussphase Ribérys typische Pfiffe zu hören, mit denen er lautstark die Bälle fordert. Nach dem Rückrundenauftakt in Bremen absolvierte er erst zum zweiten Mal in der laufenden Saison eine Ligapartie über die vollen 90 Minuten. Obwohl er durch den Ausfall von Coman auf seiner Position praktisch konkurrenzlos ist, lässt er sich im Training keineswegs hängen. "Er hat einfach gezeigt, was er unter der Woche macht, dass er wirklich sehr hart an sich arbeitet", sagte Alaba. Mats Hummels lobte Ribérys Bedeutung als Teamspieler: "Er will immer, dass die Mannschaft gut spielt. Er sieht zuerst die Mannschaft und dann sich." Und wenn er weiter so erfolgreich spielt, kommt auch seine Familie nicht zu kurz - allen voran sein Sohn.

Aus München berichtet Maximilian Lotz