Zusammenfassung

  • Die Bayern lassen sich von Sevilla nicht aus der Ruhe bringen
  • Routinier Rafinha geht mit gutem Beispiel voran
  • Für das Halbfinale haben die Spieler keinen Wunschgegner

München - Die Spuren des Kampfes waren deutlich sichtbar. Ein großes Tape zierte die geschwollene Wange von Robert Lewandowski. "Das ist eine kleine Beule, ich hoffe, es ist nichts Schlimmeres", sagte der Toptorjäger des FC Bayern München. Dass er beim 0:0 im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Sevilla leer ausging, konnte er verschmerzen. Dafür waren andere Qualitäten gefragt. Eigenschaften, die die Bayern nach dem Halbfinal-Einzug von mehr träumen lassen.

"Robert hat sehr gut gegen den Ball gespielt und kämpferisch total überzeugt", sagte Trainer Jupp Heynckes. Insgesamt stellte er seinem Team ein positives Leistungszeugnis aus. "Wir haben uns bis auf wenige Augenblicke nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir sind nicht nervös geworden", kommentierte der 72-Jährige das vor allem seitens der Andalusier von Härte geprägte Duell. "Dass man sehr robust und aggressiv in die Zweikämpfe geht, gehört zu solch einem Match auch dazu."

Rafinha: "Noch große Sachen vor uns"

Mit dem 2:1-Hinspielerfolg im Rücken haben die Bayern letztlich souverän auch das Rückspiel gemeistert und damit zum sechsten Mal in den vergangenen sieben Jahren in der Champions League die Runde der besten Vier erreicht. Dem Traum vom sechsten Triumph in diesem Wettbewerb ist der Rekordmeister damit wieder einen Schritt näher gekommen. "Wir haben noch große Sachen vor uns in dieser Saison", kündigte Rafinha an und mahnte zugleich. "Wir müssen ruhig und konzentriert bleiben."

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Nur mit der richtigen Einstellung ist auch noch mehr möglich in dieser Spielzeit. Rafinha selbst ging mit bestem Beispiel voran. Als Vertreter des angeschlagenen David Alaba warf sich der Linksverteidiger in jeden Zweikampf und riskierte kurz vor der Pause Kopf und Kragen, um einen Gegentreffer zu verhindern. "Ich bin ein Arbeiter, ein Kämpfer", sagte der 32-Jährige, der als Defensiv-Backup bereits 32 Pflichtspieleinsätze in dieser Saison vorzuweisen hat. "Wenn der Trainer mich braucht, bin ich immer da. Ich bin immer bereit. Das war bei Jupp, dann bei Pep, später mit Carlo und ist jetzt wieder mit Jupp so", sagte der Brasilianer.

Bereit für jeden Gegner

Für das Halbfinale, das am Freitag ausgelost wird, hat Rafinha keine besonderen Wünsche. "Egal wer kommt, wir sind bereit", betonte er. "Ich denke, auch die anderen wollen nicht gegen uns spielen. Jeder weiß, dass wir stark sind." Neben Titelverteidiger Real Madrid sind auch noch der FC Liverpool mit Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp und das Überraschungsteam AS Rom in der Verlosung. "Es sind noch drei mögliche Gegner, die sich alle absolut auf Topniveau bewegen", sagte Heynckes.

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Die Bayern sind sich allerdings ihrer eigenen Stärken bewusst und müssen sich vor niemandem verstecken. "Wenn man im Halbfinale ist, will man auch ins Finale. Und im Finale ist dann alles möglich", sagte Joshua Kimmich. "Wenn wir das Ding gewinnen wollen, müssen wir zwei von den drei Gegnern schlagen."

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Wie schnell sich das Blatt allerdings drehen kann, haben die anderen drei Viertelfinalspiele gezeigt. Insbesondere das überraschende Aus von Mitfavorit FC Barcelona trotz eines 4:1-Hinspielsiegs hat beim FC Bayern noch mal die Sinne geschärft. "Das war für uns ein Warnschuss. Das wird aber auch für das was noch kommt in der Bundesliga, im Pokal und in der Champions League ein sehr wichtiger Warnschuss gewesen sein", sagte Mats Hummels. Nach dem Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach geht es bereits am Dienstag im Halbfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen weiter. Auch dort sind wieder alle Qualitäten gefragt, um den Traum vom möglichen Triple aufrecht zu halten.

Aus München berichtet Maximilian Lotz