Manchester - Pep Guardiola war sichtlich gut aufgelegt. Der spanische Trainer des FC Bayern München warf die üblichen Abläufe einer Pressekonferenz vor einem Champions-League-Spiel über Bord und parlierte im exklusiven Teamhotel "Marriott Worsley Park und Country Club" mal auf Deutsch, auf Englisch oder auch in seiner Heimatsprache Katalan. Die Dienste des obligatorischen Dolmetschers wurden dabei nur selten genutzt.

"Es ist eine riesige Ehre für mich, hier zu sein. Manchester United ist einer der größten Vereine der letzten Jahre. Mein einziger Auftritt als Spieler liegt weit, weit zurück (1994 mit dem FC Barcelona, Anm. d. Red.), von daher freue ich mich sehr auf das Spiel im Old Trafford", sagte Guardiola mit funkelnden Augen vor dem Duell am Dienstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

"Gier, noch mehr Titel zu holen"

Nur wenige Minuten zuvor hatten an selber Stelle seine Spieler Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer eine ähnliche Gefühlswelt vermittelt. Es wäre für jeden Spieler etwas Besonderes, im "Theater der Träume", wie das Old Trafford auch genannt wird, aufzulaufen, so die beiden Nationalspieler unisono.

Doch den gut 60 Journalisten in der "Worsley Suite" wurden nicht nur Nettigkeiten vermittelt. Nach der gewonnen Turbo-Meisterschaft am 27. Spieltag (Meisterseite 2014), der frühesten in der Geschichte der Bundesliga, machte Schweinsteiger eine Kampfansage.

"Es ist immer schön, wenn man einen Titel gewinnt. Aber bei allen Spielern ist diese Gier, noch mehr zu holen", meinte der Mittelfeldstratege und erklärte auch, wie sich das in der Mannschaft auswirkt: "Selbst im Training beim Elf-gegen-Elf will keiner verlieren. Wir wollen einfach jedes Spiel gewinnen."

Neuer mit Respekt vor ManUnited

Torhüter Neuer hätte den Rasen im Old Trafford im Mai 2011 auch gern als Sieger verlassen. Doch mit Schalke 04 setzte es nach einem 0:2 in Gelsenkirchen ein bitteres 1:4. Aber: Der damalige Manchester-Coach Sir Alex Ferguson gratulierte Neuer damals höchstpersönlich, denn ohne Neuer wäre die Niederlage wohl deutlich höher ausgefallen.

Dieses Mal stehen die Chancen für Neuer deutlich besser, denn die "Red Devils" laufen in der Meisterschaft der Konkurrenz hinterher. Neuer will das aber nicht überbewerten. "Manchester United weiß, wie man sich auf den Punkt konzentriert. Die Auftritte in dieser Saison waren nicht immer überzeugend, aber sie haben sich zurückgekämpft", so Neuer.

Favoritenrolle soll keine Last sein

Schweinsteiger pflichtete ihm bei: "Was kann es für eine bessere Motivation geben, als den Titelverteidiger schlagen zu können. Danach wären sie der Favorit. Sie werden mit den Fans im Rücken alles daran setzen, gegen uns zu gewinnen."

Für Guardiola geht es nun darum, die Last der Favoritenrolle in positive Bahnen zu lenken. Aber das, so der Spanier, wäre kein Problem. "Natürlich will kein Trainer diesen Druck haben. Aber wir müssen uns damit messen. Und das machen wir. Wir können damit umgehen", erklärte Guardiola.

Aus Manchester berichtet Michael Reis