München - Den Abend hatte Tom Starke schon verplant. "Es wird wohl noch ein bisschen gegrillt", sagte Starke. Es war der angemessene Ausklang eines besonderen Nachmittags für den dritten Torhüter des FC Bayern München. Sein erster Bundesligaeinsatz seit über drei Jahren wäre schon Anlass genug gewesen. Er selbst setzte sogar noch einen drauf, indem er beim 1:0-Sieg gegen den SV Darmstadt 98 zum Matchwinner avancierte.

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Zwei Spiele in der Regionalliga für die Zweite Mannschaft des FC Bayern hat Starke in dieser Saison vorzuweisen, in der Bundesliga stand er zuletzt am 29. März 2014 beim 3:3 gegen seinen Ex-Klub TSG Hoffenheim zwischen den Pfosten des Rekordmeisters. Nach so langer Zeit wieder in der Allianz Arena aufzulaufen, sei daher ein "besonderes Gefühl" für den Routinier gewesen.

"Ich habe jede Minute genossen"

"Im Training sind keine 75.000 Zuschauer da", zog Starke lächelnd den Vergleich. "Ich habe jede Minute genossen, angefangen beim Warmmachen. Ich bin von den Fans sehr gut empfangen worden. Die 90 Minuten haben einfach nur Spaß gemacht." Fast wäre allerdings vier Minuten vor Schluss Darmstadts Hamit Altintop in die Rolle des Spielverderbers geschlüpft.

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"Im ersten Moment habe ich mich geärgert, denn ich wollte unbedingt zu null spielen. Einen Elfmeter muss da ich nicht unbedingt gegen mich haben", sagte Starke. Mit all seiner Erfahrung meisterte der 1,94 Meter große Torhüter aber auch diese Herausforderung. "Ich habe mich für eine Ecke entschieden, habe lange gewartet und natürlich auch viel Glück gehabt."

Elferkiller Starke: Hundertprozentige Quote

Was die Fähigkeiten als Elferkiller angeht, muss sich der dritte Bayern-Keeper nicht vor Stammtorwart Manuel Neuer verstecken. Stolze 100 Prozent der Strafstöße wehrte Starke im Bayern-Trikot ab: Zwei Mal war er gefordert, beide Male parierte er. Neben dem Duell mit Altintop am Samstag, behielt Starke auch am 13. April 2013 gegen den damaligen Nürnberger Elferschützen Timmy Simons die Oberhand.

© gettyimages / Lennart Preiss

Dass seine Dienste in dieser Saison überhaupt noch mal gebraucht werden würden, hat auch ihn selbst etwas überrascht. "Wenn du als Nummer drei in die Saison gehst, denkst du nicht, dass du viel Spielpraxis bekommst. Daran geglaubt habe ich immer, denn ich habe im Fußball in meinem Alter schon vieles erlebt", sagte Starke. Erst verletzte sich die Bayerns Nummer 1 Neuer in der Champions League gegen Real Madrid, am Freitag erwischte es dann dessen Vertreter Sven Ulreich im Abschlusstraining. Bei einer Parade landete er unglücklich auf dem Ellenbogen und fällt mit einer Bänderverletzung für den Rest der Saison aus.

Ancelotti lobt Starkes Charakter

"Nach der Verletzung von Sven habe ich mir schon gedacht, dass er an mir nicht mehr vorbeikommt", sagte Starke und meinte damit Trainer Carlo Ancelotti. Der Bayern-Coach war nach der überragenden Vorstellung seines Ersatz-Ersatzmanns voll des Lobes. "Er hat nie gespielt, aber er war bereit. Er hat eine überragende und phantastische Leistung gezeigt", sagte der Italiener - und hob explizit Starkes Charakter hervor.

Schon seit einigen Jahren engagiert sich der Stand-by-Profi für den Torhüter-Nachwuchs. Eine Rolle, die er im neuen Nachwuchsleistungszentrum der Bayern auch in Zukunft gerne ausüben würde. Jegliche Gedanken darüber sind aktuell allerdings zweitrangig, denn zuvor ist er mit dem neuen und alten Deutschen Meister noch zwei Mal auf der großen Bühne Bundesliga im Einsatz.

Wie wäre es da mit einer Kampfansage an RB Leipzig vor dem Topspiel am kommenden Samstag? "Ich bin sicherlich keiner, der hier Parolen raushauen muss", entgegnete Starke. "Aber es ist natürlich klar, dass wir in Leipzig etwas holen wollen. Wir wollen die Saison seriös beenden und gut spielen." Auch in dieser Hinsicht kam Starke gegen Darmstadt seiner Vorbildfunktion nach.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

Wahl: Team der Saison