München - So scheinbar aussichtslos die Situation bereits vor dem Spiel war, so sehr hat der FC Bayern München gegen das drohende Aus angekämpft. "Wir haben alles versucht und haben eine Reaktion gezeigt", sagte Bastian Schweinsteiger nach dem 3:2-Sieg gegen den FC Barcelona. Zu wenig für den Finaleinzug in der Champions League und doch mehr als nur ein Trostpflaster.

"Wir sind natürlich enttäuscht, weil wir Chancen hatten, das Ding noch irgendwie zu drehen", ergänzte Bastian Schweinsteiger. Die Hoffnung, das 0:3 aus dem Hinspiel noch umbiegen zu können, war bereits nach 6:45 Minuten in der Allianz Arena greifbar, als Medhi Benatia mit seinem ersten Tor in der Königsklasse gleich zwei Serien beendete: Die über sechsstündige Torlosigkeit der Bayern und die über zehn Stunden ohne Gegentreffer auf Seiten Barcelonas.

"Leider war es schnell vorbei"

Es dauerte allerdings nur vier Minuten, bis die Katalanen die Träume der Bayern jäh zerstörten und in Person von Neymar zwei Mal eiskalt zuschlugen. "Leider war es nach den zwei Gegentoren schnell vorbei", gestand Schweinsteiger. Doch statt sich zur Pause dem Schicksal zu ergeben, kämpften die Münchner einfach weiter.

Und insbesondere Schweinsteiger ging voran. Zu den Toren von Robert Lewandowski und Thomas Müller lieferte der 30-Jährige die Vorlagen. Somit gewannen die Bayern auch das sechste Heimspiel in dieser Champions-League-Saison und wahrten zuhause ihre weiße Weste. Vier Mal stand der Rekordmeister in den letzten fünf Jahren im Halbfinale der Königsklasse, der Grund für das zweite Aus in Folge liegt im Detail. Im Rückspiel gegen Barca verzeichnete die Statistik am Ende 20:5-Torschüsse pro Bayern - vier Versuche Barcelonas gingen aufs Tor, zwei davon waren drin.

"Wir haben zu viele einfache individuelle Fehler gemacht, die auf so hohem Niveau bestraft werden", resümierte Schweinsteiger. Nach dem verpassten DFB-Pokalfinale platzte nun auch der Traum vom zweiten Endspiel in Berlin. Der 25. Meistertitel der Vereinsgeschichte bleibt somit die einzige Trophäe dieser Spielzeit - den Erfolg wollte sich der Vize-Kapitän nicht kleinreden lassen. "Wir haben eine sehr gute Saison gespielt gerade auch wegen den Problemen, die wir mit den vielen verletzten Spielern hatten", betonte er.

Guardiola stolz auf Spieler und Fans

Die Ausfälle der Schlüsselspieler Arjen Robben, Franck Ribery und David Alaba waren letztlich in Summe in den beiden Spielen gegen Barcelona nicht zu kompensieren. "Aber meine Mannschaft hat immer alles gegeben. Ein ganz großes Kompliment an meine Spieler", betonte Trainer Pep Guardiola hinterher.

Der aufopferungsvolle Einsatz wurde auch von den Fans honoriert, die ihr Team pausenlos nach vorne peitschten und selbst nach dem Schlusspfiff mit minutenlangen Standing Ovations für Gänsehaut in der Allianz Arena sorgten. Guardiolas Dank galt daher auch den Anhängern. "Großes Kompliment! Wir sehen uns am 23. Mai gegen Mainz wieder. Dann werden wir zusammen die Meisterschaft feiern."

"Pflicht wie in allen anderen Spielen zu agieren"

Bevor die Bayern allerdings am letzten Spieltag die Meisterschale überreicht bekommen, steht am kommenden Samstag noch die Partie beim SC Freiburg auf dem Programm. Im Gegensatz zu den Münchnern steht dabei für die Freiburger noch einiges aus dem Spiel, schließlich geht es für den SC im Kampf um den Klassenerhalt noch um wichtige Punkte.

Befürchtungen, die Bayern könnten diese herschenken, sind jedoch völlig unbegründet. "Wir haben für alle anderen Bundesliga-Mannschaften die Pflicht so zu agieren, wie in allen anderen Spielen vorher auch", sagte Sebastian Rode. Schließlich wollen die Münchner nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge auch in der Bundesliga mal wieder einen Sieg einfahren. Und Rode ergänzte: "Die anderen Mannschaften können sich auf uns verlassen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz