München - Indem der Kapitän die erste Amtshandlung der Partie zur Chefsache erklärte, setzte Philipp Lahm gleich ein Zeichen. Beginnend mit Lahms Anstoß hatte sich der FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen viel vorgenommen. Im Fernduell mit RB Leipzig stand der Tabellenzweite unter Zugzwang und bewies mit dem 2:1-Arbeitssieg neue Tugenden.

Nach dem 4:1-Sieg der Leipziger beim SC Freiburg am Samstag ging der FC Bayern mit sechs Punkten Rückstand in die Partie gegen Bayer (>>> zur Tabelle). Nach zwei sieglosen Spielen in der Bundesliga und der Niederlage in der Champions League beim FK Rostow wollte der Rekordmeister mit aller Macht eine Trendwende herbeiführen. "Wenn man zwei Mal hintereinander verloren hat, muss man als FC Bayern das nächste Spiel gewinnen. Wir standen definitiv unter Druck, auch weil Leipzig gewonnen hat", sagte Lahm.

Taktische Umstellung mit Nebenwirkungen

Nicht nur beim Anstoß ging der Spielführer der Münchner voran. Bedingt durch die taktische Umstellung von Trainer Carlo Ancelotti agierte Lahm im Mittelfeld deutlich offensiver und leitete mit seinem Torschuss, den Bernd Leno nur abklatschen konnte, den Führungstreffer von Thiago ein. Lahms angestammten Part in der Defensive übernahm Joshua Kimmich. "Der Trainer weiß auch, dass ich rechts hinten spielen kann, Philipp kann auch beides spielen, daher sind wir da variabel", sagte Kimmich.

Eine Umstellung, die allerdings auch Nebenwirkungen hatte. Immer wieder kam Leverkusen über Bayerns rechte Seite zu gefährlichen Angriffen, der 1:1-Ausgleich durch Hakan Calhanoglu nur fünf Minuten nach der Führung entsprang einem solchen Vorstoß der Gäste auf dem Flügel. "Man hat gesehen, dass noch nicht alles rund läuft und wir durch harte Arbeit da herausfinden müssen", sagte Lahm.

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Sieg im "Kampfspiel" soll Schub verleihen

Der Gegentreffer war für die Bayern der siebte in den vergangenen sieben Ligaspielen, nur beim 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach hielt Manuel Neuer seinen Kasten sauber. "Uns fehlen im Moment die Leichtigkeit und ein bisschen die Sicherheit", analysierte der Torhüter (>>> Stimmen zum Spiel). Auch die erneute Führung durch Mats Hummels trug zunächst nicht zur Stabilität bei, reichte aber immerhin mit etwas Glück zum ersehnten Erfolg.

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Davon erhoffen sich die Bayern nun einen Schub für die kommenden Wochen. "Es war ein Sieg der Mentalität und nicht unbedingt der Klasse oder taktischen Überlegenheit - es war einfach ein Kampfspiel", sagte Hummels im Interview nach dem Spiel. "Wir wollten den letzten verkorksten Spieltag ein bisschen wieder gutmachen. Das haben wir geschafft. Jetzt müssen wir weitermachen. Es war eben nur ein Spiel, mehr nicht."

Bayern wollen Leipzig zum Jäger machen

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Trainer Ancelotti lobte hinterher ebenfalls die kämpferisch überzeugende Leistung seiner Elf. "Wir sind in einer Situation, in der es wichtiger ist zu gewinnen als gut zu spielen", fügte der Italiener hinzu. Wichtig vor allem mit Blick auf die Tabelle, schließlich verringerten die Bayern mit dem Sieg den Abstand zu Spitzenreiter Leipzig wieder auf drei Punkte. "Ich gratuliere Leipzig zur erstklassigen Saison, aber entscheidend ist, am Ende vorne zu stehen", betonte Ancelotti.

Bereits am Freitag könnten die Bayern die Tabellenführung zurückerobern und von der Rolle des Jägers wieder in die des Gejagten schlüpfen. Voraussetzung dafür ist ein Sieg beim 1. FSV Mainz 05 zum Auftakt des 13. Spieltags am Freitag. "Glücklicherweise haben wir erstmals in dieser Saison eine Woche Zeit, um uns auf das nächste Spiel vorzubereiten", sagte Ancelotti. "Das gibt uns die gute Möglichkeit uns zu verbessern." Und irgendwann soll so auch wieder die Leichtigkeit ins Spiel der Bayern zurückkehren.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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