Hannover - Das "Sprachrohr der Liga" blieb stumm. "Ich sage nichts", war alles, was Uli Hoeneß nach dem 1:3 des FC Bayern München in Hannover zu entlocken war.

Mit einem Sieg hatte der deutsche Rekordmeister den Konkurrenten aus Niedersachsen von Platz 3 verdrängen und den Angriff auf den Tabellen-Zweiten Bayer Leverkusen im Kampf um die direkte Qualifikation für die Champions League eröffnen wollen.

Doch wie schon der zu Beginn der Rückrunde, als die Münchner zum Angriff auf Tabellenführer Dortmund bliesen, wurde auch die Attacke auf Hannover und Leverkusen im Keim erstickt.

Kraft gibt Fehler zu: "Den muss ich halten"

Dabei wiederholen sich Woche für Woche die Bilder. Mit 61 Prozent Ballbesitz kontrollierten die Münchner wie immer das Spiel, brachten aber lediglich sechs Torschüsse zu Stande. Und hinten wirkt die Abwehr, die in Hannover zum 14. Mal in einer neuen Formation auflief, alles andere als sattelfest. Nicht zum ersten Mal korrigierte van Gaal seine Aufstellung bereits in der Halbzeitpause.

Als bei den Bayern nach dem 1:2 von Arjen Robben Hoffnung auf eine Wende aufkam, patzte ausgerechnet der in den vergangenen Wochen starke Thomas Kraft, dem beim 1:3 der Ball durch die Hände rutschte.

"Den muss ich halten. Das war ganz klar mein Fehler", gab der Nachwuchskeeper auf Nachfrage von bundesliga.de zu. "Der Ball flatterte, aber das wissen wir von diesem Ball seit Monaten. Das lass' ich nicht als Ausrede gelten", so Kraft weiter.

"Haben katastrophale acht Tage hinter uns"

Trotz der Niederlage war Louis van Gaal mit der Einstellung seines Teams zufrieden. "In der zweiten Halbzeit haben wir mit Löwenherz gespielt. Nach dem 1:2 hatte ich wieder Hoffnung. Es war phantastisch, wie die Spieler bis zur letzten Minute gekämpft haben", lobte der "General" seine Truppe.

Mit dieser Meinung stand der Niederländer aber ziemlich allein da. "Wie wir gespielt haben, war der absolute Tiefpunkt der Saison", lautete das Fazit des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge: "Wir haben katastrophale acht Tage hinter uns. Unsere Ziele geraten in Gefahr, wir haben nur noch Endspiele und müssen sehen, dass wir den Fall schnell stoppen."

"Die Situation ist kritisch"

Den Spielern ist die Verunsicherung nach dem 1:3 gegen Dortmund, dem Pokal-Aus gegen Schalke und der bitteren Niederlage in Hannover anzumerken. "Jetzt wird's schwierig mit dem Erreichen der Champions League", gab Kraft zu. "Wir hatten uns viel vorgenommen", erzählte Philipp Lahm: "Wir hatten viele leichte Ballverluste, die gnadenlos bestraft wurden. So viele Fehler dürfen einer Spitzenmannschaft nicht passieren." "Es ist ganz klar, dass die Champions League in Gefahr ist. Die Situation ist sehr kritisch", so der Kapitän weiter. Selbstbewusstsein klingt anders. Die Fans fragen sich, wo das berühmte "Mia san mia"-Bewusstsein geblieben ist.

"Ich bin sehr enttäuscht", ärgerte sich Robben und hofft auf eine schnelle Wende. "Eine Woche Ruhe wird uns ganz gut tun", setzt der niederländische Nationalspieler auf körperliche und geistige Regeneration in einer Woche ohne Doppelbelastung.
Mehr Zeit bleibt den Bayern auch nicht. Am kommenden Samstag kommt der Hamburger SV in die Allianz Arena.

"Müssen handeln und nicht reden"

Dass die Münchner den Einzug in die Champions League verpassen könnten - für Uli Hoeneß eine Horrorvorstellung. Der Präsident des FC Bayern will mit aller Macht in die "Königsklasse", den Grund hatte Hoeneß schon vor der Saison als klares Ziel ausgegeben: "2012 findet das Champions-League-Finale bei uns in der Allianz Arena statt. Da wollen wir unbedingt dabei sein." Ein Ziel, dem alles andere untergeordnet wird.

Auch wenn Rummenigge "mit den Emotionen nach diesem Spiel" in Hannover die Trainerfrage nicht stellen wollte, deutet doch viel darauf hin, dass das Saisonziel eventuell ohne Übungsleiter van Gaal verwirklicht werden muss. "Wir müssen handeln und nicht reden", sagte Hoeneß dem "ZDF". Klingt nach Abschied von van Gaal, mit dem der Vertrag erst im September bis 2012 verlängert worden war.

Vergangenheit als gutes Omen?

Da beruhigt den Präsidenten auch ein Blick in die Geschichte nicht. Drei Niederlagen in Folge gab es für die erfolgsverwöhnten Bayern zuletzt in der Saison 2000/01. Damals gewannen die Münchner anschließend die Champions League. Auf den Weg über die Titelverteidigung zum Finale in der heimischen Arena will man sich an der Isar aber lieber nicht verlassen.

"Uns helfen nur schnelle Erfolgserlebnisse", weiß Robben. Am besten am Samstag gegen den HSV und im Rückspiel gegen Inter Mailand. Dann wird wohl auch das "Sprachrohr der Liga" seine "Schweigegelübde" ablegen.

Jürgen Blöhs