Köln - Eigentlich hatte Borussia Dortmund beim ersten Auswärtsspiel der Saison in Augsburg alles in Griff. Die komfortable 3:0-Führung wog den BVB in Sicherheit - bis zur 82. Minute. Der zuvor eingewechselte Raul Bobadilla nutze seine Gelegenheit und machte mit seinem Treffer zum 1:3 das Spiel nochmal spannend. Der Argentinier öffnete das Ventil, der FCA kam nochmal heran - am Ende stand jedoch - wieder einmal eine Niederlage zu Buche.

Dennoch: Der Treffer von Bobadilla und die folgende Schlussoffensive machen den Fuggerstädtern Hoffnung, hatten sie zum Saisonbeginn doch nicht viel zu lachen. Erst setzte es das unglückliche Erstrunden-Aus im DFB-Pokal gegen den 1. FC Magdeburg, dann musste die Weinzierl-Elf zum Ligaauftakt die nächste Pleite hinnehmen. Mit 0:2 ging der FCA in Hoffenheim unter.

Bobadilla trifft, der FCA verliert erneut

Auch wenn die Schwaben nun auch im dritten Pflichtspiel in Folge ohne Punkte da stehen, das Erfolgserlebnis ist durch die fast vollbrachte Aufholjagd gegen Ligaschwergewicht Dortmund da. "Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Sie hat sich wieder ins Spiel gefightet und ist noch einmal zurückgekommen. Auf die letzten 20 Minuten können wir aufbauen", sagte Coach Weinzierl nach der Heimpleite.

Das Tor von Bobadilla hat gezeigt, dass der FCA lebt. Mit aller Entschlossenheit wuchtete der Argentinier seinen Körper in Richtung Ball, machte den berühmten letzten Schritt und erzielte sein erstes Saisontor. "Die Mannschaft hat alles gegeben, leider hat es nicht mehr zum Ausgleich gereicht", resümierte Bobadilla, der nach seinem Muskelfaserriss nur wenig mit dem Team trainieren konnte.

Die Länderspielpause kam nun genau zur rechten Zeit. "Da können wir hart arbeiten", stellt er klar. Beim Testspiel gegen den 1. FC Heidenheim netzte der bullige Offensivmann erneut ein, zeigte seine Qualitäten im Abschluss. Weinzierl ließ ihn dabei über die Flügel kommen, eigentlich eine ungeliebte Position des Stürmers. Die rechte Außenbahn hatte in der letzten Saison Gladbach-Flitzer Andre Hahn übernommen.

Hahn ist Vergangenheit

Ein Vergleich mit dem Ex-Augsburger möchte Bobadilla selbst aber nicht gelten lassen. "Ich bin Raul und nicht André. Wir sind total unterschiedliche Typen", stellte der 27-Jährige gegenüber der "Bild-Zeitung" unmissverständlich klar. Mit der Position selbst hat er aber weniger Probleme, im Gegenteil. Bobadilla fühlt sich außen wohl, und könnte für die kommenden Aufgaben dort eine entscheidende Rolle spielen. "Da kann ich nach innen ziehen, habe so mehr Möglichkeiten", sagte Bobadilla.

Die Lücke, die André Hahn zweifelsohne gerissen hat, kann der Argentinier zweifelsohne füllen. Doch eben auf seine ganz eigene Art und Weise, durch Zweikampfstärke und gutes Stellungsspiel. Für den Ex-Gladbacher ist diese Saison ohnehin so etwas wie ein Neuanfang. Geplagt von Verletzungen absolvierte er in der letzten Saison gerade mal 17 Spiele, davon keines über 90 Minuten. Am Ende standen nur drei Treffer zu Buche.

Bobadilla: "Nicht verrückt machen lassen"

Aus dem Schatten des Jokers möchte Bobadilla nun heraustreten. Gut möglich, dass er nun eine Chance von Beginn an erhält. Auch weil Neuzugang Tim Matavz auf Länderspielreise war und Nikola Djurdjic gegen Dortmund im Abschluss etwas haderte.

Fakt ist: Der FCA muss sich vor allem in der Defensive enorm steigen. Denn die Stürmerfraktion um Bobadilla und Co. trifft, allerdings reichte es bisher noch nie zu einem Sieg. Sechs Gegentore in drei Pflichtspielen, null Zähler und Platz 18 dokumentieren den Augsburger Horrorstart.

Trotz der gähnenden Leere auf dem Punktekonto, mahnt der temperamentvolle Südamerikaner zur Besonnenheit: "Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen. Es kommen noch so viele Spiele." Gegen einen Treffer bei Eintracht Frankfurt hätte er sicher nichts einzuwenden, dann aber wohl gerne noch mit einem Dreier im Gepäck.

Yannik Schmidt