Augsburg - Es war eine Leistung wie in alten Zeiten. Defensiv und offensiv – der FC Augsburg überzeugte beim 4:0-Sieg in Stuttgart restlos. Trainer und Spieler blieben nach dem Kantersieg dennoch bescheiden.

Unsicher wurden die Augsburger in Stuttgarter wohl höchstens rund um die 80. Spielminute. Da ging urplötzlich eine La-Ola-Welle durch die Mercedes-Benz-Arena. Dann folgten "Oh, wie das schön"-Gesänge der Heimfans, die wahrlich einen bitteren Nachmittag erlebten. Den Hohn und Spott, der da auf den VfB niederprasselte, hätte der FC Augsburg aber gut und gerne auf seine Leistung ummünzen können. Denn die war an diesem Tag, und in diesem so wichtigen Kellerduell, einfach bärenstark. Kein Wunder, dass Gäste-Trainer Markus Weinzierl endlich einmal wieder voll des Lobes war. "Der Sieg tut uns natürlich sehr gut", analysierte er in der Pressekonferenz. "Wir haben ein sehr gutes Spiel abgeliefert und hochverdient gewonnen. Wir waren defensiv dominant." Das war nach den letzten Wochen so nicht unbedingt zu erwarten.

Erst zum zweiten Mal steht die Null

Gerade einmal sechs Punkte nach zwölf Spielen hatten die Augsburger vor Stuttgart auf dem Konto, umso erstaunlicher war es, mit welcher Sicherheit die bayerischen Schwaben von Beginn an agierten. "Wir sind über das aggressive Verteidigen immer wieder schnell in die Umschaltbewegung gekommen", sagte Weinzierl und beschrieb damit kurz und knapp, was seine Mannschaft an diesem Tag in Stuttgart so gut gemacht hat. In der Tat funktionierten die Augsburger in allen Belangen besser als in den vergangenen Wochen. Angefangen in der Defensive. Satte 25 Gegentreffer hagelte es in der bisherigen Runde, gegen den VfB stand endlich wieder die Null. Und das erst zum zweiten Mal in dieser Saison.

"Wir haben in der Kette absolut gut funktioniert", lobte Kapitän und Rechtsverteidiger Paul Verhaegh im Gespräch mit bundesliga.de seine Nebenleute. Aber das war noch nicht alles, was die Augsburger besser machten. Vor allem das schnelle Umschaltspiel, das Kontern, funktionierte wieder wie in alten, erfolgreichen Zeiten. Vor allem die pfeilschnellen Alexander Esswein, Caiuby und Ja-Cheol Koo bekamen die Stuttgarter Verteidiger an diesem gebrauchten Tag nie in den Griff. So war es dann auch Esswein, der mit seinem Führungstreffer die Richtung wies.

Plötzlich effizient

Überhaupt die Offensive: 13 Torschüsse feuerten die Augsburger ab auf das VfB-Tor, vier davon fanden ihr Ziel. Eine bemerkenswerte Effizienz, die der FCA so in dieser Spielzeit noch nicht hinbekam. Zuvor landete nur jeder 14. Torschuss im gegnerischen Netz. Und auch bei den Standards klappte es. Der zweite und dritte Treffer fiel nach Eckbällen, die ersten auf diese Weise in dieser Saison. Augsburger gelang vieles und wirkte insgesamt deutlich verbessert, auch wenn die desolaten Stuttgarter ihnen oftmals hilfreich zur Seite standen.

 Nach dem Sieg war die Zufriedenheit natürlich groß bei den Augsburgern, aber auch Realismus herrschte vor. So war allen Beteiligten klar, dass der deutliche Erfolg nur ein Anfang gewesen war. "Wir müssen schauen, dass wir bis Weihnachten den Anschluss in der Tabelle hergestellt haben", so Paul Verhaegh. Denn auch nach dem VfB-Gastspiel liegen seine Augsburger noch auf dem vorletzten Tabellenplatz. Hinzu kommt, dass man weiter mit der Dreifachbelastung zu kämpfen hat, schon am kommenden Donnerstag wartet in der Europa League das schwere Heimspiel gegen Athletic Bilbao.

So war am Samstagabend Bescheidenheit Trumpf in den Katakomben der Stuttgarter Arena. Wie sagte Weinzierl bei der Pressekonferenz: "Ein Nichtabstieg in dieser Saison wäre höher zu bewerten als der fünfte Platz im letzten Jahr." Diese Worte kamen entspannt aus seinem Mund. Das Scheinwerferlicht gehörte da längst seinem Nebensitzer. Alexander Zorniger, Trainer des VfB, hatte am Samstagabend wahrlich größere Probleme.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer