Zusammenfassung

  • Felix Götze erzielt beim zweiten Bundesliga-Einsatz sein erstes Tor.
  • Sein Bruder Mario gehört zu den ersten Gratulanten nach dem Spiel.
  • Götze weiß, dass er trotz des Treffers geduldig bleiben muss.

München - Der Moment, als der Ball kurz vor Schluss die Torlinie überquerte, stürzte Felix Götze in ein "kleines Dilemma". Der überraschende 1:1-Ausgleichstreffer im Auswärtsspiel gegen den FC Bayern München, den er seinem Bruder Mario widmete, war für den Schützen im Trikot des FC Augsburg in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderer.

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Als Jeffrey Gouweleeuw in der 85. Minute den Ball querlegte, blieb Götze gar nicht viel Zeit zum Überlegen. "Ich habe versucht, einfach alle Körperteile hinzuwerfen. Dann ist es die Brust geworden", erklärte der 20-Jährige die durchaus ungewöhnliche Art und Weise, sein erstes Bundesligator zu erzielen. Aber nicht nur deswegen fiel sein Jubel gegen seinen Jugendverein insgesamt etwas verhalten aus.

Ablösefreier Wechsel nach Augsburg

"Beim ersten Tor will man natürlich komplett ausrasten und sich richtig freuen. Zum anderen habe ich dem Verein viel zu verdanken. Ich war vier Jahre hier, jeder hat mich gut behandelt", sagte Götze. Im Sommer war der gelernte Innenverteidiger ablösefrei vom Rekordmeister zum FC Augsburg gewechselt. In seinem erst zweiten Bundesligaeinsatz als Joker erzielte er gleich sein erstes Tor.

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Einen besseren Ort als die Allianz Arena hätte sich Götze dafür kaum aussuchen können. "Es ist unglaublich, welche Geschichten der Fußball schreibt", sagte Manuel Baum. Der Augsbuger Trainer konnte im ersten Moment in der unübersichtlichen Szene gar nicht erkennen, wer das Tor erzielt hat. "Dann habe ich so einen hochroten Kopf in einer Traube gesehen, da wusste ich: der Felix hat's geschossen! Den Kopf hat er bis nach dem Spiel mit sich herumgetragen."

"Ich nehme den roten Kopf gerne, wenn ich dann ein Tor schieße." Felix Götze

Die Erklärung dafür lieferte der Held des Abends selbst. "Das ist leider schon immer so gewesen, dass ich Rot anlaufe, sobald ich körperliche Anstrengungen mache", sagte Götze, der sich früher dafür "ein paar blöde Sprüche" anhören musste, von "Ampel" bis "Tomate" sei alles dabei gewesen. "Aber ich nehme den roten Kopf gerne, wenn ich dann ein Tor schieße."

Der große Moment: Felix Götze befördert den Ball zum 1:1 über die Linie
Der große Moment: Felix Götze befördert den Ball zum 1:1 über die Linie © imago / Krieger

Glückwünsche von Bruder Mario

Die Reaktionen auf sein Premierentor fielen durchweg positiv aus. "Felix ist ein echt guter Typ und ein guter Fußballer", sagte sein früherer Kollege Mats Hummels, der den Treffer aus Bayern-Sicht natürlich mit gemischten Gefühlen sah. "Wenn es nicht gegen uns gewesen wäre, würden wir es ihm sowieso alle gönnen. Aber auch so freuen wir uns für ihn, dass er getroffen hat, auch wenn es unnötig war, dass er heute getroffen hat."

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Vor Glückwünschen konnte sich der Youngster jedenfalls kaum retten. "Da kamen einige Nachrichten", schilderte Götze den ersten Blick auf sein Handy. Kurz nach Spielschluss habe er zwar noch keine Zeit gehabt, alle Mitteilungen zu lesen, aber unter den Gratulanten waren natürlich auch seine älteren Brüder Mario und Fabian. Vor allem der jetzige Dortmunder gebe ihm wertvolle Tipps. Der WM-Held von 2014 schaute auch in der vergangenen Saison immer wieder mal bei Spielen im Grünwalder Stadion vorbei, als Felix Götze dort noch für die zweite Mannschaft der Bayern spielte. "Der erste Anruf geht an ihn. Ich wäre nicht hier ohne ihn - ohne seine Tipps. Das Tor ist für ihn", so Felix über seinen Bruder Mario.

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Schon in der Saison 2016/17 zählte der damals 18-Jährige vier Mal zum Bundesligakader der Bayern, zum Einsatz kam er allerdings nie. Geprägt hat ihn die Zeit in München aber auf jeden Fall. "Sie haben mir viel mit auf den Weg gegeben. Ich wäre nicht der, der ich bin, ohne den FC Bayern", sagte Götze.

Mitspieler haben großes Vertrauen

Bei seinen neuen Mitspielern in Augsburg hinterließ er auf Anhieb einen positiven Eindruck. "Vom ersten Tag an waren wir richtig happy, dass er bei uns ist", lobte ihn Defensivkollege Martin Hinteregger. "Ich war richtig überrascht, dass er schon so weit ist und diese Leistungen im Training und in den Testspielen zeigt. Deswegen haben wir Spieler ein überragendes Gefühl, wenn er eingewechselt wird. Wir haben richtig Vertrauen in Felix. Er wird in den nächsten Wochen und Monaten noch richtig reifen und ein richtig starker Spieler werden."

"Im ersten Trainingslager hat er die Playstation mitgenommen, nur leider keine Spiele." Andre Hahn über Felix Götze

Dass ihm aber abseits des Platzes mitunter nicht alles gelingt, verriet sein Zimmerkollege Andre Hahn: "Im ersten Trainingslager hat er die Playstation mitgenommen, nur leider keine Spiele. Das war sehr amüsant, daher ist die Playstation auch in der Tasche geblieben." Umso abgezockter agiert Götze auf dem Platz. Hahn beschreibt ihn als "unaufgeregt, zweikampfstark, aggressiv".

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Das Tor am Dienstag gegen die Bayern bezeichnete Götze selbst als "i-Tüpfelchen". Auch wenn er sich dadurch in den Vordergrund spielte und von seinen Kollegen viel Lob erhielt, weiß er die Situation gut einzuschätzen. "Ich bin erst 20. Ich muss Geduld haben. Ich werde aber weiter Gas geben und auf meine Chancen warten. Und wenn ich die weiter so nutzen kann, nehme ich das gerne an." Zur Not auch mit einem roten Kopf.

Aus München berichtet Maximilian Lotz