Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Die Mannschaft von Hertha BSC Berlin reiste bereits am Freitag ins Kurz-Trainingslager nach Bad Schönborn im Nordbadischen, um sich auf die wichtige Partie gegen Hoffenheim am Sonntag vorzubereiten.

Hertha-Coach Lucien Favre ist überzeugt vom Sinn der speziellen Trainingsmaßnahme: "Wir können dort in Ruhe viel miteinander sprechen und arbeiten, das kann ein Plus für uns sein."

Während sich im Duell zwischen Aufsteiger SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach ein Verein mit einem Sieg deutlich von den Abstiegsplätzen absetzen kann (ab 15:30 Uhr im Liveticker/Ligaradio) geht es für die Berliner und Trainer Lucien Favre am Sonntag gegen Hoffenheim (ab 17:30 Uhr im Liveticker/Ligaradio) darum, endlich die Wende zu schaffen.

"Optimistisch bleiben, Vertrauen geben"

Der Coach verzichtet trotz der prekären Lage auf markige Sprüche. "Optimistisch bleiben, Vertrauen geben", antwortete Favre auf die Frage, wie er seine Mannschaft aus dem Tief führen wolle.

Möglicherweise bringt ein neuer Torwart neues Glück. Timo Ochs wurde nach dem Pokal-Aus beim Zweitligisten 1860 München (1:4 i.E.) verpflichtet und wird wohl am Sonntag sein Debüt geben. "Ich möchte helfen", sagte der zuletzt vereinslose Keeper, der den verletzten Stammtorhüter Jaroslav Drobny ersetzen würde. Der eigentliche Drobny-Ersatz, der erst 19-Jährige Sascha Burchert, wirkte zuletzt überfordert.

Ochs brennt auf ersten Einsatz

"Ich bin körperlich fit und bereit für mein erstes Spiel gegen Hoffenheim", sagt Ochs. Auf ihn könnte eine Menge Arbeit zukommen, denn die Hoffenheimer haben nach Anlaufschwierigkeiten an Fahrt aufgenommen. Zuletzt gab es in der Liga drei Siege.

Ex-Herthaner Josip Simunic weiß, dass es unabhängig des guten Saisonstarts der Hoffenheimer nicht leicht wird gegen die Blau-Weißen: "Es wird ein sehr schweres Spiel, denn die Berliner haben eine hohe Qualität. Wir müssen ihnen unser Spiel aufzwingen und ihre Unsicherheit ausnutzen."

Simunic "mitleidslos"

Trotz neun Jahren im Hertha-Dress schiebt der Verteidiger mögliche Sentimentalitäten beiseite: "Es ist für mich ein Spiel wie jedes andere. Ich will gewinnen und konzentriere mich zu hundert Prozent auf Hoffenheim. Ich werde mein Bestes geben, damit wir die drei Punkte am Sonntag hier behalten."

Trainer Ralf Rangnick sieht das Spiel gegen verunsicherte Berliner aber keinesfalls als Selbstläufer: "Hertha wird nicht mit breiter Brust auftreten, aber wir wissen um die Gefahr." Bei 1899 kehren Vedad Ibisevic und Christian Eichner wohl zurück in die Startelf. Bei der Hertha fallen Cicero (Muskelfaserriss) und wahrscheinlich auch Artur Wichniarek (Leiste) aus.

Duell der Pokalverlierer

In Freiburg treffen zwei Pokal-Verlierer aufeinander. "Jetzt wird sich zeigen, wer die Niederlage besser verarbeitet hat", meinte SC-Trainer Robin Dutt, der Wiedergutmachung für das peinliche 0:1 beim Zweitligisten FC Augsburg fordert.

Gladbach-Coach Michael Frontzeck verlangte nach zuletzt zwei Last-Minute-Niederlagen gegen Hoffenheim (2:3) und im Pokal gegen den MSV Duisburg (0:1) von seinen Spielern "Kopfarbeit": "Wir haben naiv gespielt und dadurch zwei Spiele in den letzten Minuten verloren. Das ist keine Frage des Körpers, sondern des Geistes."


Die voraussichtlichen Aufstellungen:

SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 15.30 Uhr)
Freiburg: Pouplin - Cha, Krmas, Bastians, Butscher - Banovic, Flum (Schuster) - Abdessadki, Makiadi - Bechmann, Idrissou.
Mönchengladbach: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante, Levels - Meeuwis - Marx, Bradley - Matmour, Bobadilla, Arango.
Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)

1899 Hoffenheim - Hertha BSC Berlin (Sonntag, 17.30 Uhr)
Hoffenheim: Hildebrand - Beck, Simunic, Compper, Eichner - Carlos Eduardo, Luiz Gustavo, Salihovic - Obasi, Ibisevic, Ba.
Berlin: Ochs (Burchert) - Pejcinovic, Friedrich, Bengtsson, Janker - Piszczek, Dardai, Kacar, Nicu - Raffael - Ramos.
Schiedsrichter: Sippel (München)