Mönnchengladbach - Borussia Mönchengladbach ist mit zwei Remis in die Saison gestartet und hat damit die internen Erwartungen erfüllt. Zumal zwei andere Wettbewerbe erfolgreich absolviert wurden.

Manch ein neutraler Beobachter war am Sonntagabend ein wenig verwundert über die gute Laune im Gladbacher Lager. 0:0 hatten die Borussen gegen den SC Freiburg gespielt und dabei einen eher glücklichen Punkt errungen, wie Coach Lucien Favre ("Freiburg war klar besser") unumwunden zugab. "Im April haben wir hier besser gespielt, aber dafür haben wir damals 4:2 verloren."

Punkt gegen Angstgegner

Der Pragmatismus des Borussen-Coaches war dabei allerdings wohlbegründet. Zum einen war da die schwache Bilanz der letzten Jahre, die den SC fast schon zu einem Angstgegner hatte werden lassen, wie Tony Jantschke erklärte: "Ich glaube, das hier ist für alle Gladbacher ein Zusatzpunkt“, sagte der Verteidiger. "Schließlich haben wir hier in Freiburg die letzten fünf Jahre immer verloren."

Und zum anderen hatte die Borussia ja gerade einen kraftzehrenden Auftritt in der Europa-League-Qualifikation hinter sich gebracht. Und das nicht einmal 72 Stunden vor dem Anpfiff in Freiburg. Dass Favre nach dem Spiel gegen Sarajevo seine Elf nur auf zwei Positionen umgestellt hatte – für Alvaro Dominguez und Fabian Johnson kamen Oskar Wendt und Ibrahima Traore – stellte er im Übrigen nach dem Spiel selbst infrage. Wenn er noch einmal die Möglichkeit hätte, ließ er durchblicken, würde er auf mehr als zwei Positionen rotieren, um zusätzliche Kräfte zu mobilisieren, gab er zu Protokoll: "Ich versuche, mich immer zu entwickeln."

Europa zehrt an den Kräften

Dass Gladbach unter normalen Umständen spritziger und energischer agiert hätte, war dann auch offensichtlich – selbst für den gegnerischen Trainer Christian Streich ("dieser Drei-Tages-Rhythmus ist sehr anstrengend"), dessen Team sich in der Vorsaison erst fing, als es keine internationalen Spiele mehr zu absolvieren hatte.

Bei nüchterner Betrachtung kann man dann auch durchaus von einem gelungenen Saisonstart der pragmatischen Gladbacher sprechen. Zwei Remis aus den ersten beiden Ligaspielen gegen Stuttgart und Freiburg sind sicher verbesserungsfähig, wenngleich die Dynamik des Heimspiels ein weiteres Argument für die Borussen ist: Wer in der 90. Minute den Ausgleich schießt, zeigt eine intakte Moral.

Pokalwettbewerbe genießen zunächst Priorität

Wichtiger aus Gladbacher Sicht sind jedoch in dieser Phase der Saison zwei andere Wettbewerbe: In der Europa League wurde die Gruppenphase denkbar souverän geschafft, das epochale 7:0 gegen Sarajevo dürfte in die opulente Vereinsgeschichte eingehen. Und im DFB-Pokal gab man sich beim 3:1-Sieg in Homburg ebenfalls keine Blöße. Beide Wettbewerbe – daran hatten Borussias Offizielle schon vor Rundenbeginn keinen Zweifel gelassen – hatten in der Frühphase der Saison oberste Priorität.

In den kommenden Tagen hat Lucien Favre nun also viel Zeit, um mit seiner Elf weiter an den Automatismen zu arbeiten. Gerade das Spiel in die Spitze hakt noch ein wenig, auch läuferisch ist noch Luft nach oben. Doch insgesamt wirkt die Elf gefestigt, die Basis ist gelegt. Dass das auch nötig ist, hat einer erfahren, der erst seit kurzem im Trikot mit der Raute spielt. Keeper Yann Sommer, der in Freiburg zu den Besten seiner Elf gehörte, sagte: "Die Erwartungen sind riesig, der Druck ist entsprechend."

Christoph Ruf