Köln/Mönchengladbach - Dass am Samstag das Rheinische Derby gegen den 1. FC Köln auf dem Spielplan steht, reicht mit Sicherheit schon aus, um von einem speziellen Tag in Mönchengladbach zu sprechen. Garniert wird das Aufeinandertreffen der Rivalen allerdings noch von einem Dienstjubiläum: Vor auf den Tag genau vier Jahren übernahm Lucien Favre den Trainerposten bei der Borussia.

Nun mögen vier Jahre angesichts der 115-jährigen Geschichte von Borussia Mönchengladbach eher vernachlässigbar wirken, doch dieser Zeitraum hat Favre genügt, um eine neue, eine moderne Borussia zu prägen. Nach Jahren voller Rückschläge und spielerischer Stagnation trägt die Fohlenelf wieder die Handschrift eines starken Trainers.

Favre verwandelt die Borussia

Als Lucien Favre am 14. Februar 2011 den Job am Niederrhein antrat, sah er eine völlig verunsicherte Mannschaft vor sich, die gerade 1:3 gegen den FC St. Pauli verloren hatte und vier Punkte Rückstand auf Relegationsplatz 16 hatte.  14 Niederlagen aus 22 Spielen standen in der Bilanz.

Was folgte, ist eine bemerkenswerte, fast schon unglaubliche Verwandlung, die manch einer in Mönchengladbach sogar als Auferstehung bezeichnet. Favre startete mit einem 2:1-Erfolg gegen FC Schalke 04, sammelte Punkt um Punkt mit der Borussia und erreichte die Relegation. Dort setzt sich die Mannschaft in zwei engen Spielen gegen den VfL Bochum durch (1:0 und 1:1) und hielt die Klasse.

Es waren die vielleicht wichtigsten Wochen der Vereinsgeschichte. Ausgehend von der herrschenden Euphorie über den Klassenerhalt, begann Favre den Umbau der Borussia – mit riesigen Erfolgen. Das Team um den heutigen Dortmunder Marco Reus stürmte im Jahr nach der Rettung mit Konterfußball bis in die Champions-League-Qualifikation. Am Ende dieser Saison winkt nun schon die dritte Europapokal-Teilnahme seit dem Fast-Abstieg.

Effektivität gepaart mit Schönheit

Was Favre bei seiner Arbeit auszeichnet, steht außer Frage und ist schon von zahlreichen seiner Spieler bestätigt worden: Perfektion. Der Schweizer bereitet sich akribisch auf die Gegner vor, gibt seiner Mannschaft exakte Anweisungen und Lösungen an die Hand. Effektivität hat bei ihm höchste Priorität, aber auch die Schönheit des Spiels will Favre nie vernachlässigen. So ist aus der Mönchengladbacher Borussia, die vor vier Jahren am Abgrund stand, wieder ein Club mit besten Perspektiven geworden.

Bei den Fans der Fohlenelf ist Favre längst Kult. Seit Anfang dieser Saison, als die Borussia 18 Pflichtspiele in Folge ohne Niederlage blieb, wird er in einem Atemzug mit dem legendären Hennes Weisweiler genannt, dessen Startrekord Favre knackte.

Favre selbst wird das alles nur am Rande wahrnehmen. Er ist immer nur auf den nächsten Gegner und die Frage, wie er den Fußball seiner Mannschaft optimieren kann, fokussiert.