Mönchengladbach - Für die Fans von Borussia Mönchengladbach findet die Bescherung in diesem Jahr schon vier Wochen früher statt. Nach dem 3:0-Derbysieg beim 1. FC Köln, der die Borussia auf Platz 2 hievte, könnte die "Fohlen"-Gemeinde nicht glücklicher sein - wäre da nicht der kleine Zeh von Marco Reus.

Denn ausgerechnet vor dem nächsten Highlight, dem Borussen-Derby am Samstag gegen den BVB, bei dem die Elf vom Niederrhein sogar die Tabellenspitze erklimmen kann, droht der Superstürmer auszufallen. Die Hoffnung auf das Mitwirken des 22-Jährigen ist zwar noch am Leben, doch die Borussia muss sich schon einmal mit dem einem Notfallplan befassen. "Näheres werden wir erst am Donnerstag wissen, wenn der Fuß abgeschwollen ist", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Man werde dann "mit Marco und Mannschaftsarzt Stefan Hertl sprechen, ob ein Einsatz Sinn macht oder das Risiko zu groß ist".

Pech bei den Länderspielen

In der Zwischenzeit schont Reus seinen lädierten Fuß und machte am Dienstag nur Übungen für den Oberkörper. Doch wie sieht der "Plan B" aus, falls es Reus nicht schaffen sollte? Welche Trümpfe hat Borussen-Coach Lucien Favre in der Hinterhand? bundesliga.de hat sich nach Alternativen umgeschaut und wirft einen Blick in die Datenbank.

Dabei sticht sofort ins Auge, dass Reus' Verletzungs- und Kranheitsphasen bislang ausschließlich in die Länderspielpausen fielen. Während er Bundestrainer Joachim Löw in seiner noch jungen Karriere als Nationalspieler schon fünf Mal absagen musste, war der Jungstar im Verein bislang in jedem Spiel dabei: 14 Einsätze und 1239 von 1360 Minuten stehen zu Buche. Reus wurde meist dann ausgewechselt, wenn der Sieg der "Fohlen" schon beschlossene Sache war - wie beim Sieg in Köln, als er trotz des frühen Malheurs mit Zehenbruch bis zur 85. Minute durchspielte.

Bobadilla vor dem Kasten unsicher

Am vergangenen Freitag kam Raul Bobadilla für die letzten Minuten in die Partie - eine Option, die auch im Borussen-Duell zur Debatte steht. Der bullige Argentinier ist bislang der meist gezogene "Joker" der Gladbacher und wurde in der laufenden Saison nur bei zwei Spielen nicht eingesetzt. Da "Boba" jedoch erst drei Mal in der Startelf stand, kommt er lediglich auf insgesamt 370 Minuten Einsatzzeit. Dabei erzielte er einen Treffer und gab eine Torvorlage - beides beim 4:1-Sieg gegen Wolfsburg am 3. Spieltag. Bobadillas größtes Manko: Er braucht zu viele Großchancen für einen Treffer. Vier Mal stand er alleine vor dem gegnerischen Kasten, seine Torquote diesbezüglich liegt demnach bei mageren 25 Prozent.

16 Schüsse brachte Bobadilla in der aktuellen Spielzeit auf den gegnerischen Kasten - genau so viele übrigens wie Igor de Camargo, der jedoch 476 Minuten dafür brauchte. Gegenüber seinem Sturmkollegen hat der wiedergenesene Belgier allerdings den Vorteil, dass er vor dem Tor weniger zögerlich ist. Zwei Treffer stehen für de Camargo zu Buche - und beide (in München und Hamburg) waren entscheidend. Während Bobadilla also im Schnitt 16 Torschüsse für einen Treffer benötigte, brauchte de Camargo nur die Hälfte.

Herrmann als Reus-Double?

Vom Typ her wäre am ehesten Patrick Herrmann ein Reus-Ersatz. Der 20-Jährige ist ähnlich umtriebig wie der Nationalstürmer und mit einem gemessenen Highspeed von 34,1 km/h sogar schneller als Reus. Sollte Herrmann also in die Mitte ziehen, müsste Favre allerdings die Außenbahn neu besetzen. Dafür stehen ihm jedoch nur unerfahrene Spieler wie Yuki Otsu bzw. Lukas Rupp oder Notlösungen wie Linksverteidiger Oscar Wendt (dann müsste Juan Arango nach rechts) zur Verfügung.

Nur Außenseiter-Chancen haben die schnellen Mathew Leckie und Joshua King: der Australier spielte zuletzt nur im Regionalligateam, der Norweger hatte zuletzt Rückenprobleme, die jedoch rechtzeitig abgeklungen sind. Als Geheimtipp stünde noch Elias Kachunga bereit, der im Regionalliga-Team der Borussen die meisten Treffer erzielte (10).

Klar ist jedoch, dass die Borussia bis zuletzt auf einen Einsatz ihres torgefährlichsten Spielers hoffen wird. Mut macht dabei, dass Reus schon in Köln dank Schmerztablette und einer gehörigen Portion Adrenalin im Körper fast durchspielte.

Johannes Fischer