Freiburg - Nach dem unglücklichen Remis gegen Hertha BSC Berlin fällt es Spielern und Trainer des Sport-Club Freiburg nicht leicht, den Blick nach vorne zu richten.

Es war das gleiche Ritual wie nach jedem Heimspiel: Die Spieler des SC Freiburg machten sich nach dem 2:2-Unentschieden gegen Hertha BSC Berlin unmittelbar nach Schlusspfiff gemeinsam auf, um sich bei den Zuschauern für die Unterstützung zu bedanken. 

Enttäuschung nach Punktverlust

Doch diesmal dauerte es ein Weile, bis die Fans auf der Nordtribüne zu ihrem Recht kamen. Wie entgeistert schauten die Spieler auf die Anzeigetafel über dem Fanblock, auf der noch einmal die Höhepunkte des Spiels gezeigt wurden. Eine Freiburger Chance nach der anderen gab es dort zu sehen, doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie. 

Dass am Ende einer Partie, in der der Gegner aus dem Spiel heraus so gut wie keine Torchance hatte, nur ein magerer Punkt stand, sorgte also für verständliches Kopfschütteln bei Felix Klaus und Co.: "Wir waren die klar bessere Mannschaft, waren spielerisch überlegen und haben die meisten Zweikämpfe gewonnen", haderte der Torschütze zum zwischenzeitlichen Freiburger 2:1 (79.). "Da ist es unheimlich bitter, wenn man durch so ein Tor noch zwei Punkte verliert."

Ausgleichstreffer in letzter Sekunde

Klaus war nicht der einzige, der nach dem Spiel schlechte Laune hatte. Sechseinhalb Minuten hatte Schiedsrichter Florian Meyer nachspielen lassen, in den Schlusssekunden gelang Berlins Ronny der Ausgleichstreffer, den auch die meisten Berliner Spieler als "glücklich" (Jens Hegeler) bezeichneten. Tatsächlich hatten alle Parameter für die Freiburger gesprochen, die bis dato nur einen mageren Punkt aus den ersten drei Saisonspielen errungen hatten und gegen Hertha stark aufspielten. 

15 mal schossen die Freiburger aufs Tor (Berlin: 7), sie gewannen 59 Prozent der Zweikämpfe und hatten auch abseits des statistisch Messbaren Vorteile: Während die Berliner große Lücken zwischen Mittelfeld und Angriff hatten und so gut wie nie in den Freiburger Strafraum kamen, kombinierte sich der SC immer wieder mit gelungenen Ballstafetten in die Berliner Hälfte.

Fassungslosigkeit bei Streich

"Wir haben auch richtig gut Fußball gespielt", sagte dann auch Marc-Oliver Kempf, der mit einem wuchtigen Kopfball den ersten SC-Treffer erzielt hatte (30.). Doch der Innenverteidiger schob mahnende Worte hinterher: "Auch die Nürnberger haben vergangene Saison lange gut gespielt und sind am Ende abgestiegen."

Dieses Horrorszenario mag am späten Freitagabend auch SC-Trainer Christian Streich vorgeschwebt haben, der nach dem Schlusspfiff völlig fassungslos wirkte und sichtlich nach Worten rang. "Was die letzten sechseinhalb Minuten passiert ist, ist eine eigene Geschichte", sagte er bei der Pressekonferenz. "Ich hoffe, dass ich das, was ich da erlebt habe, nie mehr erleben muss."

Wechselbad der Gefühle

Tatsächlich hatte Streich an diesem Abend ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. 90 Minuten lang hatte sein Team, das ohne seine beiden besten Angreifer, Admir Mehmedi und Dani Schahin hatte auskommen müssen, ein viel besseres Spiel gemacht, als man das bei der Ausgangslage hätte erwarten dürfen.

Doch dann sorgte der Ronny-Treffer auch bei Streich für einen "Schock": Wütend verschwand der 49-Jährige nach Schlusspfiff in den Katakomben, aus denen er erst wieder auftauchte, als sich der erste Ärger gelegt hatte. Der Blick nach vorne - schon am Dienstag tritt der Sport-Club bei der TSG 1899 Hoffenheim an - fiel manchem seiner Spieler jedoch leichter als ihm: "Wenn wir da mit der gleichen Intensität und Spielfreude auftreten wie heute, werden wir da gewinnen", prognostizierte Frantz.

Christoph Ruf