München - Halbzeit im Spiel Mainz 05 gegen Schalke 04. Die "Knappen" am Boden. Nach dem erschreckenden 0:2 in Helsinki droht das Aus in der Europa League und drei Tage später liegt das Team völlig verdient mit 0:2 bei den Rheinhessen hinten. Selbst die optimistischsten Fans der "Königsblauen" müssen sich damit anfreunden, in der Bundesiga nach drei Spielen mit nur drei Punkten dazustehen - Erinnerungen an den Fehlstart aus dem Vorjahr werden wach.

Aber dann kam Jefferson Farfan.

Die Galavorstellung, die der Peruaner in der zweiten Halbzeit auf den Rasen zauberte, war beeindruckend. Quasi im Alleingang drehte er das Spiel, zog die Kugel immer wieder magisch an und leitete drei Schalker Tore mustergültig ein.

"Die Gegner haben Angst vor ihm!"

Obwohl er nur 45 Minuten lang auf dem Platz stand, schlug er die meisten Flanken aller Spieler (sechs). Dazu strahlte er eine fast makellose Passsicherheit aus: 91 Prozent seiner Zuspiele landeten beim Mitspieler.

Auch die Schalker Führungsetage war hin und weg von Farfans Auftritt - der Club will den Rechtsfuß unbedingt längerfristig binden. "Nach Abpfiff habe ich ihm nicht sofort in der Kabine ein drittes Angebot gemacht. Ich habe das Thema natürlich ganz oben auf dem Zettel, bin dran. Jeff strahlt auf dem Platz immer Gefahr aus, die Gegner haben richtig Angst vor ihm!", meinte ein begeisterter Manager Horst Heldt.

Auch gegen Helsinki und Gladbach stark

Nach dem 4:2 in Mainz wuchsen bei den "Königsblauen" auch für das Europa-League-Rückspiel die Hoffnungen, dass ein Weiterkommen mit Farfan an Bord noch zu packen sei. Und erneut wurden diese nicht enttäuscht. Der Peruaner holte den Elfmeter zum 3:1 heraus und legte noch einen Treffer auf. Und bekannte sich klar zu Schalke: "Es gibt keine Gespräche mit anderen Clubs. Ich bin glücklich auf Schalke und habe hier einen Vertrag", stellte der 26-Jährige klar.

Und auch im letzten Bundesligaspiel gegen Gladbach war es Farfan, der einmal mehr den Unterschied ausmachte, wiederum eine starke Partie lieferte. Eine seiner Hereingaben führte schließlich zum "goldenen" 1:0 durch Raul. Seit jener Halbzeit in Mainz, seitdem Schalkes Nummer 17 zurück ist, läuft es in Gelsenkirchen wieder rund.

Fleißiger Farfan

So wirklich überraschen dürften Farfans Galavorstellugnen auf Schalke aber eigentlich niemanden mehr. Auch seine Daten der letzten Saison sind herausragend, auch wenn S04 in der Liga nicht wirklich überzeugen konnte.

Fünf Farfan-Flanken wurden zu Toren verwertet - ligaweit der drittbeste Wert. Und weil die Schalker Stürmer leider nicht jede Hereingabe einnetzen, muss es der fleißige Farfan immer wieder versuchen. Nur Wolfsburgs Marcel Schäfer flankte in der abgelaufenen Spielzeit öfter als Farfan (104 Mal).

Ein Klassenunterschied

Die letzte Bundesligasaison verlief für S04 nicht gerade einfach, aber einen Titel gab es am Ende doch noch. Natürlich, möchte man fast schon sagen, trug insbesondere Farfan maßgeblich zum Pokalsieg in Berlin bei: Er bereitete die ersten drei Schalker Treffer mustergültig vor.

Schalke mit und ohne Farfan - ein Klassenunterschied. Wo wäre "Königsblau" bloß ohne ihn? Ex-Schalke-Coach Felix Magath und der VfL Wolfsburg, nächster Gegner der "Knappen", dürfte jedenfalls gewarnt sein.

Christoph Gschoßmann