Köln - Ein bedeckter Montagmorgen am Düsseldorfer Flughafen. Eine gut zwanzigköpfige Gruppe junger Reisender schlendert durch das Terminal. Viele tragen blau-weiße oder rot-blaue Klamotten. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Schar junger Menschen als Fans des FC Schalke 04 und des Wuppertaler SV. Gemeinsam besteigen die Anhänger einen Flieger nach Istanbul. Zu einem ganz besonderen Auswärtsspiel.

"Istanbul: Demokratie, Fußballkultur und kultureller Transfer" lautet das Motto, dass die Reisegruppe von 17 Jugendlichen und vier Mitarbeitern der Fanprojekte an den Bosporus führt. Die Fahrt ist Teil der Zusammenarbeit der Fanprojekte aus Wuppertal und Gelsenkirchen. Gemeinsam initiieren die Fanprojekte einen Fanaustausch mit den Fanszenen der verschiedenen Istanbuler Clubs und tauschen sich über gesellschaftliche Normen und Werte sowie das Demokratieverständnis der jungen Fans aus. Finanziert wird die Initiative vom "Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur", kurz PFiFF, den der Ligaverband Anfang 2014 ins Leben gerufen hat.

Intensive Vorbereitung auf die Reise

Bereits vor dem Antritt der Reise setzten sich die Teilnehmer intensiv mit den politischen Verhältnissen in der Türkei sowie der Rolle der verschiedenen Fanszenen an den Istanbuler Protesten im Gezi Park auseinander. Zur kompetenten Unterstützung konnte Frau Prof. Dr. Lilo Schmitz von der Fachhochschule Düsseldorf gewonnen werden.

Nach der Ankunft in Istanbul stand zunächst das Erforschen der Stadt im Vordergrund. Eine Stadtführung inklusive historischer Erläuterungen führte die Reisegruppe in die lange und spannende Geschichte der türkischen Metropole ein, bevor die jungen Fans am Dienstagabend mit Anhängern von Besiktas zusammenkamen. Gerade auch im Hinblick auf die Vernetzung mit der türkischen Community in Wuppertal und Gelsenkirchen sind diese Kontakte sehr förderlich. Es werden Vorurteile abgebaut und die Jugendlichen berichten in den eigenen Fanszenen von den Erfahrungen und den Kontakten.

Einblick in eine andere Kultur

Neben dem Treffen mit Besiktas-Fans tauschten sich die Teilnehmer auch mit den Anhängern der beiden anderen großen Istanbuler Clubs, Fenerbahce und Galatasaray, aus. Es wurden viele Kontakte geknüpft, die in Zukunft noch weiter ausgebaut werden sollen. Die Jugendlichen kehrten nach einer Woche mit einem guten Einblick in eine andere Kultur und vielen wertvollen Erfahrungen wieder nach Deutschland zurück.

"Das Feedback war durchweg positiv", freut sich Markus Mau vom Schalker Fanprojekt. Deshalb soll die Tour nach Istanbul nicht die letzte gewesen sein. "Der internationale Austausch ist für die Arbeit der Fanprojekte sehr hilfreich", erklärt Mau. Und das Interesse in der Fanszene ist groß. Gut möglich, dass demnächst wieder eine Reisgruppe von jungen Fans an den Bosporus aufbricht. Nicht zu einem Champions League Spiel, sondern zu einem Gedankenaustausch und zur Erweiterung des eigenen Horizonts. Zu einem weiteren außergewöhnlichen Auswärtsspiel.

Florian Reinecke