Dortmund - Es war die 88. Minute, als der Klopp-Orkan sich seine Bahn brach. Die Südtribüne stimmte "Jürgen Klopp"-Gesänge an, das ganze Stadion stand spontan auf und brüllte seine Emotion lautstark heraus. Dortmund feierte Teil eins des Trainer-Abschieds, den sich irgendwie immer noch niemand wirklich vorstellen kann.

Eine richtige Spielatmosphäre hatte sich Jürgen Klopp vor der Partie gegen Paderborn gewünscht. "Ich bin nicht auf Abschiedstour", hatte der Trainer betont, der den Verein zum Saisonende nach sieben Jahren verlassen wird. Und Klopps Wort ist in Dortmund nach wie vor Gesetz: Ganz wenige Plakate, keine Sprechchöre - 88 Minuten lang standen Mannschaft und Spiel im Fokus.

Als der Drops aber gelutscht war, als die drei Punkte mit einem sicheren 3:0 für die schwarz-gelben Hausherren eingetütet waren, da gab es dann eben doch kein Halten. Die ganze Dankbarkeit, die ganze Liebe, die ganze Anerkennung, all das musste zumindest einmal raus an diesem Tag und schwang in den "Jürgen Klopp"-Sprechchören mit, die in rekordverdächtiger Lautstärke durch das Stadion schallten.

Alle nur Statisten neben Klopp

Die drei Punkte, eine starke Leistung der Mannschaft in der zweiten Halbzeit - das war schön und mit dem Abpfiff doch nicht wirklich das Thema. Auch die Spieler, die sich zum Dank für die Unterstützung vor der Südtribüne aufgebaut hatten, waren jetzt mehr Statisten. Das Stadion feierte seinen Trainer - "völlig gerechtfertigt", wie Marcel Schmelzer stellvertretend für die Mannschaft hinterher befand. Und Klopp, so schien es, gönnte sich einen kurzen Moment der Emotion, klatschte, winkte hinauf auf die Ränge, um dann doch ganz schnell in den Katakomben zu verschwinden.

Er könne und wolle sich emotional jetzt nicht auf eine Verabschiedung einlassen, hatte der Coach vorher schon klar gestellt: "Ich weiß es ja schon, dass ich es vermissen werde, aber ich fühle es im Moment nicht, weil ich keine Zeit habe, um mir darüber Gedanken zu machen. Das wäre der Situation auch nicht angemessen." Und so bedankte er sich nach dem Erfolg über Paderborn lieber für die Unterstützung in den ersten 88 Minuten: "Es ist schön, wenn die Fans meinen Namen rufen. Aber es war wichtig, dass sie sich vorher auf den Fußball konzentriert haben."

"Typisch Klopp"

Klopp blieb auch in dieser Stunde seiner Linie treu, den Verein in den Fokus zu rücken. Dass ihm das spätestens am letzten Spieltag nicht mehr gelingen wird, weiß auch der 47-Jährige. Bis dahin aber zählt nur der Erfolg auf dem Platz. Oder wie es der Hauptsponsor des BVB in einer großen Anzeige dieser Tage ausdrückte: "Typisch Klopp. Für ein gutes Spiel wechselt er jeden aus - sogar sich selbst."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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