Hannover - Bereits nach 23 Spieltagen hat Hannover 96 das gesteckte Saisonziel erreicht. Schon jetzt hat der als Abstiegskandidat gehandelte Club mit 41 Punkten sechs Zähler mehr auf dem Konto als in der gesamten Saison 2009/10. Der Abstieg ist kein Thema mehr. Nach dem 3:0 über den 1. FC Kaiserslautern weist der Tabellenvierte erstmals seit dem 7. Spieltag auch wieder ein positives Torverhältnis auf. Zeit, neue Ziele zu formulieren?

"Wir können es schaffen", hatte Trainer Mirko Slomka bereits vor dem Spiel gegen die Pfälzer das Wort mit "E" wie Europapokal freigegeben und einen Sieg gegen Kaiserslautern als sicher vorausgesetzt. An der Leine strotzt man nach 13 Saisonsiegen vor Selbstbewusstsein.

"Wir sollten weiter von Spiel zu Spiel denken. Damit sind wir bisher in der Saison gut gefahren", empfiehlt Jan Schlaudraff in einem Gespräch mit bundesliga.de. "Rechenspiele" lehnt der Angreifer, der mit seinen zwei Treffern wesentlich zum Erfolg über die "Roten Teufel beitrug", ab.

Der ehemalige Nationalstürmer hält die kommenden Partien beim FC St. Pauli und gegen den Tabellennachbarn FC Bayern München für richtungweisend, bevor er sich zum Thema Europapokal äußern möchte.

bundesliga.de: Herr Schlaudraff, wie beurteilen Sie die Partie?

Jan Schlaudraff: Wir sind nicht optimal in die Partie gekommen. Die erste Halbzeit war sehr zerfahren. Da hätten wir uns nicht beschweren dürfen, wenn Kaiserslautern ein Tor erzielt. Unsere Tore fielen zu psychologisch sehr wichtigen Zeitpunkten.

bundesliga.de: Sie haben zwei Treffer erzielt. War das eine Leistung, wie Sie selbst sich sie vorstellen?

Schlaudraff: Das war mein erster "Doppelpack" seit Bochum. Das Spiel war schon ein Highlight der Saison für mich. Aber man kann natürlich immer noch besser spielen.

bundesliga.de: Sie waren schon abgeschrieben. Präsident Martin Kind hatte im September angekündigt, dass Sie nie mehr für Hannover spielen würden. Jetzt gehören Sie zur Startelf. Eine Genugtuung für Sie?

Schlaudraff: Genugtuung würde ich nicht sagen. Ich habe nie aufgegeben und hart gearbeitet. Ich bin stolz, dass ich die Kurve so gekriegt habe. Aber im Vordergrund steht die Mannschaft, und die hat ohne Jan Schlaudraff gut gespielt und spielt jetzt mit Jan Schlaudraff gut. Das freut mich.

bundesliga.de: Zuletzt waren Sie für den verletzten Mohammed Abdellaoue in die Mannschaft gerückt. Gegen Lautern hat Hannover mit Abdellaoue, Didier Ya Konan und Ihnen mit drei Offensivkräften begonnen. Ein Rezept auch gegen stärkere Mannschaften?

Schlaudraff: Das muss der Trainer entscheiden. Uns war klar, dass wir gegen Kaiserslautern mehr Offensivszenen haben würden als gegen so genannte stärkere Gegner. Ich hatte die Anweisung, mehr über außen zu kommen. Das hat ganz gut geklappt, auch wenn jeder, der mich kennt, weiß, dass ich lieber in der Mitte spiele. Aber generell können wir auch mit drei Stürmern spielen. Wichtig für unser Spiel ist, dass die Abwehr sicher steht. Bei unserem schnellen Spiel nach vorn sind wir dann sehr variabel.

bundesliga.de: Sie hatten in Ihrer Karriere häufig mit Verletzungen zu kämpfen. Was sagt Ihr Körper jetzt zu den wöchentlichen Belastungen?

Schlaudraff: Das ist richtig, Verletzungen haben mich immer wieder zurückgeworfen. Es tut richtig gut, mal so lange kontinuierlich trainieren und spielen zu können. Es tut gut, dass ich einige Übungen beim Training auslassen darf, besonders die, die den Rücken belasten, da ich am Rücken sehr anfällig bin.

bundesliga.de: 41 Punkte haben Sie bereits erreicht. Dürfen Sie jetzt über das Ziel Europapokal reden?

Schlaudraff: Ich werde jetzt nicht anfangen, Rechenspiele zu machen. Richtig ist, dass wir schon nach 23 Spieltagen unser Saisonziel erreicht haben und nun frei aufspielen können. Wir sollten weiter von Spiel zu Spiel denken. Damit sind wir bisher in der Saison gut gefahren. Wichtiger ist, dass wir angesichts der Möglichkeit, international spielen zu können, nun nicht verkrampfen. Der Trainer hat nach dem Sieg über Kaiserslautern eine Mannschaftssitzung einberufen. Ich nehme an, dass er dann neue Ziele formulieren wird. Ich persönlich möchte die nächsten beiden Spiele abwarten, bevor ich mich dazu äußere.

bundesliga.de: Da geht es zum FC St. Pauli...

Schlaudraff: Die haben schon für manche Überraschung gesorgt und in der Rückrunde einen Lauf. St. Pauli lebt wie wir von der mannschaftlichen Geschlossenheit. Und am heimischen Millerntor werden sie kämpfen und alles geben. Wir sind gewarnt, immerhin haben wir das Hinspiel verloren.

bundesliga.de: Und dann kommt als nächster Gegner der FC Bayern nach Hannover...

Schlaudraff: Die Bayern sind immer eine Herausforderung. Da muss alles passen, um den Platz als Sieger zu verlassen.

bundesliga.de: Genügt die gegen Kaiserslautern gezeigte Leistung, um gegen den FC Bayern zu bestehen?

Schlaudraff: Wie schon gesagt, waren wir in der ersten Halbzeit nicht immer voll konzentriert. Das darf man sich gegen die Bayern nicht erlauben. Aber wir werden alles versuchen, dass die Punkte in Hannover bleiben.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs