Sie sind aus den Stadien nicht mehr wegzudenken. Die Ultras, die für farbenfrohe Choreographien oder durch Vorsänger organisierte Unterstützung in den Fankurven sorgen. Die noch recht junge Ultra-Bewegung hat die deutsche Fanszene zweifellos bereichert. Sie gibt aber auch Anlass zu Kritik.

Die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH hat dazu im SportCentrum Kamen-Kaiserau ein zweitägiges Seminar ausgerichtet, um sich dem Thema Ultras mit den Fanbeauftragten der Vereine und Vertretern von Fanprojekten zu nähern. Mit dem Ziel, Strategien und Ideen für eine "zeitgemäße Fanarbeit mit einer unbequemen Fankultur" zusammenzustellen.

Neben Vorträgen von Thomas Schneider, Koordinator Fanangelegenheiten der DFL, und Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), gab es Berichte und Kommentare der Journalisten Georg Leppert (Frankfurter Rundschau), Philipp Köster (11Freunde) und Christoph Ruf (Spiegel Online).

Kritischer Blick auf Ultra-Szene

Philipp Köster, Chef-Redakteur des Fußball-Magazins "11Freunde", warf einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Ultraszene, die sich seit Ende der neunziger Jahre in Deutschland etabliert hat.

Eine ursprünglich kreative und erfrischende Szene sei mittlerweile in ihrem eigenen System "mit merkwürdigen Ritualen" erstarrt. "Ein neunzigminütiger Dauersupport gilt den Ultras als Ideal, bei dem sich der Vorsänger nur ungern durch Tore stören lässt", überspitzte Köster.

"Attraktive Jugendkultur"

"Ultra ist eine höchst attraktive und aktive Jugendkultur. Sie stellt Vereine, Verbände und Sicherheitskräfte vor andere und neue Herausforderungen", sagte Thomas Schneider, der in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Marco Rühmann und der KOS das Programm der zweitägigen Tagung entwickelt hatte.

Die auch im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit definierte Aufgabe der "Rückbindung der Fans an die Vereine" stellt große Anforderungen an Fanbetreuung, Fanprojekte und Vereine. Durch eine noch engere Kooperation und Abstimmung könnten hier in der Zukunft weitere Fortschritte erzielt werden:

Volker Goll von der KOS erläuterte: "Die Kommunikation kann an vielen Orten noch verbessert werden. Es ist wichtig, dass die Beziehungen untereinander, also zwischen sozialpädagogischer Fanarbeit, Fans und Verein, transparenter werden und es noch mehr Austausch gibt."

Regelmäßige Arbeitstreffen geplant

Thomas Schneider ergänzte: "Wir wollen die Fanarbeit der Vereine stärker qualifizieren und dazu gehört auch eine bessere gegenseitige Vernetzung. In der Praxis klappt dies an manchen Standorten bereits sehr gut, aber wir wollen noch effektivere Konzepte entwickeln."

Und so stand der zweite Seminartag stand im Zeichen der Betrachtung der Arbeitsbereiche von Fanbetreuung und Fanprojekten. Moderiert durch Frank Dölker von der Fachhochschule Fulda diskutierten die Teilnehmer die Profile ihrer jeweiligen Arbeitsfelder und ihrer (gefühlten und tatsächlichen) Auftraggeber, von Fans, Vereinen, Trägern bis hin zur eigenen Personen samt deren Erwartungen.

In thematischen Workshops ging es abschließend um die konkreten Aspekte einer besseren Zusammenarbeit für die Zukunft. Von regelmäßigen Arbeitstreffen über gemeinsame Veranstaltungen bis zur Unterstützung der Fanprojekte und die Einrichtung hauptamtlicher Fanbeauftragter in den jeweiligen Vereinen tut sich hier ein breites Aktionsfeld auf.

Stefan Kusche