Köln - Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht noch nicht ganz angekommen, aber mehr als ein Viertel der Stadionbesucher in Deutschland sind weiblich. Die Zahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das ist kein Wunder, denn laut einer Repucom Studie von 2015 sind 54 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 16 und 69 Jahren interessiert oder sehr interessiert an Fußball. In totalen Zahlen entspricht das knapp 18 Millionen weiblichen Fußballfans. Trotzdem haben Frauen im Fußball immer noch viel zu häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Die Football Supporters Europe (FSE) arbeiten gerade an einer Ausstellung, die die Geschichte von Frauen in den Fankurven auf positive Weise erzählt, ohne dabei die negativen Seiten zu verschweigen.

>>> Alle Informationen zum Projekt findet Ihr auf fan-tastic-females.org

Die FSE werden dabei von den Fanabteilungen des SV Werder Bremen, dem FC St. Pauli sowie des TSV 1860 München unterstützt. Der Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur (PFiFF) der DFL Deutsche Fußball Liga leistet zudem finanzielle Unterstützung für das ambitionierte Projekt. Unter dem Motto "Fan.Tastic Females - Football Her.Story" werden dem Besucher die Geschichten von weiblichen Fans aus ganz Europa näher gebracht. Dadurch soll die Rolle der Frau in den Stadien hervorgehoben  und gewürdigt werden.

Fußballfan aus Familientradition

Dabei geht es um Fans wie Emma aus Schottland, deren Augen leuchten, wenn sie über ihren Fußballclub spricht. Zwar spielt der Clyde FC nur in der vierten schottischen Liga, aber das stört die 24-Jährige nicht. Sie geht seit Kindesbeinen zum kleinen Glasgower Stadtteilclub. Ihr Opa hat diese Familientradition etabliert. Emma engagiert sich im Club und ist bei allen Spielen dabei. Als Frau ist sie dabei im Stadion immer noch in der Minderheit im Fanblock - gerade bei den Auswärtsfahrten.

Sie erzählt, dass sie keinen richtigen Urlaub mit ihrem Freund macht, sondern sie stattdessen zu Auswärtsspielen der schottischen Männer- und Frauennationalmannschaft fahren. Oft muss ihr Freund sich dann rechtfertigen, warum er seine Freundin zu einem "Männerding" mitgebracht hat. Er kann dann aber wahrheitsgemäß berichten, dass es genau umgekehrt ist und Emma schon viel länger mit den "Brave Hearts" auf Tour geht. Das erste Mal war während der WM 1998 in Frankreich, als die damals fünfjährige Emma mit der ganzen Familie in Bordeaux war, um Schottland zu unterstützen.

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Eva von den "Clapton Ultras" des Clapton FC berichtet beispielsweise, dass sie erst mit 19 Jahren das erste Mal im Stadion war, da ihre Familie einen Stadionbesuch für ein junges Mädchen für zu gefährlich hielt. Sie hat sich bewusst für einen unterklassigen Verein entschieden, weil sie sich dort auf der Tribüne frei entfalten kann. Und weil die Ticketpreise ihr im Profifußball in England viel zu hoch sind.

Funktionärs-Pionierin Karen Espelund wird vorgestellt

Aber nicht nur junge Fans, sondern auch Funktionärinnen kommen bei den "Fantastic Females" zu Wort. So berichtet beispielsweise die Norwegerin Karen Espelund über ihre Erfahrungen im Fußball. Als ehemalige Spielerin in den Siebzigern, als Fan und als erste Frau im UEFA-Exekutivkomitee sowie erste weibliche Generalsekretärin eines Fußballverbands in Europa. Auch Anna Pierre, Vorstandsmitglied von AIKSolna aus Schweden kommt zu Wort.

"Die Videoporträts der Frauen werden das Herzstück der Ausstellung." Daniela Wurbs, ehemalige Geschäftsführerin der Football Supporters Europe

"Die Videoporträts der Frauen werden das Herzstück der Ausstellung", erklärt Daniela Wurbs, die das Projekt als ehemalige Geschäftsführerin der FSE mit auf den Weg gebracht hat. Dazu sind etwa 25 Unterstützer des Projekts durch Europa gereist und haben mit Frauen vor Ort über ihre Erfahrungen gesprochen. Das internationale Netzwerk der FSE hat dabei geholfen, den Kontakt zu geeigneten Gesprächspartnerinnen herzustellen.

Neben den Porträts wird es auch Statistiken zur Historie von Frauen im Fußball geben und es werden Frauen in Verbänden und Clubs vorgestellt. Die Veröffentlichung ist für September 2018 geplant. Zunächst soll die Ausstellung in Deutschland gezeigt werden, bevor die "Fantastic Females" dann auf Wanderschaft gehen. Dann muss sich Emmas Freund in ein paar Jahren vielleicht auch nicht mehr Fragen lassen, warum er seine Freundin mit zum Fußball nimmt. Das sollte dann selbstverständlich sein.

Florian Reinecke

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