Köln - Der Fanclub führt den Namen "Schalke FanClub UK". Das Fanclub-Logo zeigt die Umrisse Großbritanniens mit dem Schalker-Vereinslogo. Der Zweck des Fanclubs ist, den FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. zu unterstützen.

Die nüchternen Auszüge aus der Satzung lassen nicht vermuten, dass es sich bei dem offiziellen Schalker Fanclub Nr. 1.063 um einen ganz außergewöhnlichen handelt. Um einen Fanclub, dessen meisten Mitglieder aus England - dem Mutterland des Fußballs - stammen. Und dessen Mitglieder dem FC Schalke 04 im Speziellen und der Bundesliga im Allgemeinen verfallen sind.

"So etwas habe ich noch nie erlebt"

Gregg Devine, einer der Fanclub-Gründer, hatte sein Aha-Erlebnis in der Saison 2007/08. Müde und geschlaucht von der langen Anreise aus England hatte der 31-Jährige aus Gillingham keine besonderen Erwartungen an das Freitagabendspiel in der Veltins-Arena zwischen dem FC Schalke und Hertha BSC - was sich schlagartig ändern sollte.

"So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich war wie erstarrt von der Leidenschaft, dem Lärm und den Farben; das kam völlig unerwartet. 60.000 Fans, die singen, hüpfen, Schals und Fahnen schwingen: Das kam mir fast unwirklich vor", schwärmt der Engländer, der diese Erfahrung später auch in anderen Bundesliga-Stadien machen sollte.

"Plastik-Erlebnis für viel Geld"

Die Situation im englischen Fußball erlebt Gregg Devine komplett verschieden. "Ein Spiel in der Premier League zu besuchen ist so, als ginge man ins Theater. Man hat sich zu setzen. Aufstehen und Bier trinken ist verboten. Das ist ein Plastik-Erlebnis für viel Geld, aber kein Fußball."

Selbstverständlichkeiten in Bundesliga-Stadien, dass sich Spieler selbst nach Niederlagen bei ihren Fans für die Unterstützung bedanken und sich sogar das Megaphon vor der Fankurve schnappen, kann sich Gregg Devine "never ever" in der Premier League vorstellen. "Wir haben den Eindruck, dass die Spieler in England alles versuchen, um nicht in Kontakt mit den Fans zu kommen und sie eigentlich fürchten."

England früher das Maß der Dinge

Für deutsche Fans klingt es immer noch fast unglaublich, was Fans wie Gregg Devine über den Wandel der englischen Stadionkultur erzählen. Galten doch früher die englischen Fan-Gesänge, die engen und steilen Stehtribünen und die fanatische Unterstützung als das Maß aller Dinge.

So fehlte in den achtziger und neunziger Jahren in kaum einem deutschen Stadion eine Zaunfahne, in der nicht der Union Jack, die Nationalflagge Großbritanniens, zu sehen gewesen wäre: als Zeichen einer ähnlich bedingungslosen Unterstützung durch die deutschen Fans.

Mehr als 100 Mitglieder

Wenn der "Schalke FanClub UK" heute seine Fahne mit dem blau-weißen Union Jack aufhängt, könnten sich schon 104 Mitglieder dahinter versammeln. So viele Köpfe zählt der erst am 26. Februar 2010 gegründete Fanclub, dessen Mitglieder außer aus Großbritannien auch aus Deutschland und Rumänien stammen.

Wie es sich für moderne Zeiten gehört, spielte das Internet eine entscheidende Rolle bei der Fanclubgründung. Neben Gregg Devine hatte auch sein Landsmann Greg Leoni aus Hull einen Schalke Fanclub auf der Plattform Facebook ins Leben gerufen. Weil Gregg und Greg in etwas dieselben Mitglieder ansprachen, verschmolzen die zwei Internet-Fanclubs zu einem und die Idee eines "echten" Fanclubs wurde gemeinsam ins Auge gefasst.

Fanclub-Treffen vor dem Revierderby

Mit Hilfe der beiden deutschen Schalke-Fans Christian Wißing und Stefan Blieffert gründete sich der "Schalke FanClub UK" offiziell, und die englischen Besucher in Deutschland und Gelsenkirchen erschienen regelmäßiger. Das nächste Fanclub-Treffen, zu dem Gregg Devine mehr als 60 Mitglieder erwartet, wird beim Derby gegen Borussia Dortmund am 4. Bundesliga-Spieltag stattfinden.

Durchschnittlich fahren die englischen Mitglieder drei bis fünf Mal zu den Spielen des FC Schalke, in der aktuellen Saison werden es durch die Champions-League-Teilnahme noch mehr sein. Denn der deutsche Fußball-Virus hat sie weiter fest im Griff. Gregg Devine: "Ein Spiel von Schalke zu sehen, ist ein großes und absolut aufregendes Ereignis. Für mich hat es fast etwas Magisches. Und nicht nur 90 Minuten, sondern den ganzen Tag lang!"

Stefan Kusche