Hamburg - Die Fußball-Fans in Deutschland diskutieren dieser Tage nicht darüber ob, sondern wie hoch die Nationalmannschaft den Auftakt in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gewinnt. Denn in Hannover (heute, ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) geht es gegen die Färöer, Platz 154 in der FIFA-Weltrangliste. Ein Team, das sich hauptsächlich aus Spielern zusammensetzt, für die Fußball im wahren Leben nur Nebensache ist.

Die einen studieren, die anderen gehen einem Beruf nach. Als Zimmermann, Tankwart oder Lehrer. Alles andere als ein Schützenfest wäre da doch eine Überraschung. Doch die letzten beiden Duelle waren von der deutschen Mannschaft alles andere als eine Glanzleistung. In der Quali zur Europameisterschaft 2004 gab es - ebenfalls in Hannover - im Hinspiel ein knappes 2:1 und im Rückspiel bewahrten Miroslav Klose und Fredi Bobic in der 89. und 90. Minute Deutschland beim 2:0 vor einer Blamage.

Die Färinger gehen wohl auch deshalb selbstbewusst in das Aufeinandertreffen zwischen David und Goliath. "Ich tippe auf ein 1:1", erklärte Frodi Benjaminsen im Interview. Zusammen mit dem Kapitän der Färöer stellt bundesliga.de die Schlüsselspieler des Gastes vor.

Jakup Mikkelsen (IF Fuglafjoröur/Färöer)

42 Jahre alt und noch keine Lust aufs Karriereende: Das ist Jakup Mikkelsen. Zwar gab er nach den Qualifikationsspielen zur WM 2010 seinen Rücktritt bekannt, doch ohne Fußball geht es bei Mikkelsen einfach nicht. Seine Karriere begann er 1991 bei KI Klaksvik. Damals war er für seinen Heimatclub in Doppelfunktion tätig: als Torwart und als Mittelfeldspieler. "Er ist einfach der Wahnsinn", lobt Benjaminsen den Routinier: "Wenn er wollte, könnte er sicherlich immer noch draußen mitspielen. Im Tor hat er aber seine Stärken im Eins-gegen-eins." Mikkelsens Vorzüge sprachen sich damals auch schnell im Nachbarland herum. Sechs Jahre hielt er für Herfolge BK den Kasten sauber und gewann einmal die dänische Meisterschaft.

Hallur Hansson (HB Torshavn/Färöer)

Über sich selbst möchte Benjaminsen keine Worte verlieren. Dafür umso mehr über Hallur Hansson, dem wohl "größten Talent auf den Färöer", so der Kapitän. "Er ist mit seiner Art auf dem Platz ein sehr aufregender Spieler. Natürlich muss er noch viel lernen, aber er macht eine unglaubliche Entwicklung durch. Ihm gehört die Zukunft", urteilt Benjaminsen über seinen designierten Nachfolger. Mit 16 spielte Hansson bei einem Jugendturnier in Aberdeen groß auf. Der FC Aberdeen nahm in daraufhin unter Vertrag. Doch im Herrenbereich konnte er sich nicht durchsetzen und wechselte 2011 zurück in die Heimat zum Rekordmeister HB Torshavn. Mit nun 20 Jahren muss er beweisen, dass er nicht bloß ein Talent ist.

Jonas Tor Naas (Valur Football Club/Island)

Einen Abwehrchef im eigentlichen Sinne besitzen die Färöer nicht. Das erklärte Benjaminsen auf Nachfrage mit einem Schmunzeln. Denn die Abwehr wurde von Coach Lars Olsen extrem verjüngt. So ist Jonas Tor Naas der Routinier in der Defensive der Inselkicker. Und das mit 25 Jahren. "Er ist ein kompletter Verteidiger. Stark in der Defensive, aber auch explosiv im Spiel nach vorne", meint Benjaminsen. Naas ist einer der wenigen Färinger, die ihr Geld im Ausland verdienen. Seit seinem Debüt bei den Senioren pendelte Naas immer zwischen dänischen und färöischen Clubs. 2010 lockte ihn der Valur FC von B36 Torshavn nach Island, wo er seitdem erfolgreich in der Viererkette eingesetzt wird.

Joan Simun Edmundsson (FC Fredericia/Dänemark)

Viele Chancen bekommt ein Land wie die Färöer gegen die großen Fußball-Nationen normalerweise nicht. Aber wenn, dann sind die Außenseiter umso mehr von treffsicheren Stürmern abhängig. Bei den Färingern gehört Joan Simun Edmundsson zur Abteilung Attacke - aber nicht zur Abteilung Knipser. Denn der 1,74 m große Edmundsson ist eher ein Vorbereiter. "Er kann den Ball halten, hat eine sehr gute Technik und ist daher stark in den Dribblings", sagt Benjaminsen über den 21-Jährigen. Früh kehrte der Stürmer seinem Heimatclub B68 Toftir den Rücken in Richtung Newcastle United. Doch das Engagement war nicht von Erfolg gekrönt. Bei Viking FK in Norwegen sollte es besser klappen. Doch vor wenigen Tagen wurde Edmundsson in die zweite dänische Liga zum FC Fredericia ausgeliehen...

Lars Olsen (Trainer):

Den deutschen Fußball-Fans dürfte der Name Lars Olsen noch schmerzlich in Erinnerung sein. 1992 führte der heute 51-Jährige die dänische Nationalmannschaft in Göteborg als Kapitän ins Finale gegen Deutschland. Mit 2:0 gewann "Danish Dynamite" gegen das DFB-Team. Auch deshalb, weil Olsen als Abwehrchef kompromisslos den Angriffen von Klinsmann, Riedle und Co. standhielt. Auf Defensive setzt Olsen, der im November 2011 das Amt des Nationaltrainers auf Färöer hat, nicht. "Seine Grundausrichtung ist schon offensiv. Das konnte man im Testspiel gegen Island und in den Einheiten, die wir mit ihm trainiert haben, schon erkennen", stellt auch Benjaminsen fest.