Mönchengladbach - Mit drei Toren innerhalb von einer Viertelstunde hat sich Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern München in einen wahren Rausch gespielt und dem Tabellenführer die erste Saisonniederlage beigebracht. Fabian Johnson sorgte mit seinem Tor zum 3:0 in der 68. Minute für die Vorentscheidung. Im Interview spricht der US-Nationalspieler über seine Torjägerqualitäten, taktische Variationen und die kommende Aufgabe in der Champions League bei Manchester City.

Frage: Glückwunsch zum Sieg gegen die Bayern, Fabian Johnson. Für Sie als ehemaligen "Sechziger" zusätzlich ein besonders emotionales Erlebnis?

Fabian Johnson: Im Trikot von 1860 München in einem Derby wäre es wohl noch schöner gewesen (lacht). Natürlich freuen wir uns riesig über die drei Punkte. Ich denke, wir haben aufgrund einer super Mannschaftsleistung auch verdient gewonnen.

Frage: Sie sind in München groß geworden und viele Ihrer Freunde dürften Bayern-Fans sein. Wie war die Resonanz vor dem Spiel heute?

Johnson: Ganz klar. Alle waren auf meiner Seite.

Frage: Nach Ihren zwei in Hoffenheim haben Sie nun auch gegen die Bayern zugeschlagen. Die Torjägerkarriere kommt ins Laufen.

Johnson: So scheint es. Ich war selber heute wieder ein bisschen überrascht. Ich freue mich natürlich, wenn es so weiter geht und ich dem Team auf diese Weise helfen kann.

Frage: Sie haben heute etwas weiter hinten, zentraler im defensiven Mittelfeld gespielt. Was war die taktische Idee dahinter?

Johnson: Wir wollten heute im Zentrum präsenter sein, weil wir wussten, dass die Bayern viel durch die Mitte zwischen die Reihen spielen würden. Ich denke, wir haben es heute ganz gut hinbekommen, offensiv wie defensiv.

"Wir spielen mutig nach vorne"

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Frage: Die taktische Flexibilität scheint sich dabei zu einer neuen Stärke der Borussia zu entwickeln. 

Johnson: Auf jeden Fall. Auch in Hoffenheim haben wir am Ende schon 3-5-2 gespielt. Das hat dort schon sehr gut hingehauen. Dass es heute wieder so gut funktioniert, ist umso schöner. Wir sind froh, dass wir nun eine weitere Option haben.

Frage: Sie haben das vorentscheidende 3:0 erzielt. Muss man sich bei einem solchen Zwischenstand nicht mal zwicken?

Johnson: Wir haben ja letzte Saison auch schon gegen die Bayern gewonnen und wissen, dass es nicht unmöglich ist. Sie sind auch nicht unschlagbar. Aber da gehört natürlich auch ein hartes Stück Arbeit dazu.

Frage: Wie wichtig war es, in der ersten Halbzeit nicht in Rückstand zu geraten? In einigen Situation hatten Sie auch das Glück auf Ihrer Seite.

Johnson: Die Bayern sind immer gefährlich, ob in der Anfangsphase oder zum Schluss. Sie haben immer ihre Chancen. Da gehört auch immer etwas Glück dazu. Das nötige Quäntchen hatten wir heute.

Frage: Nun wartet die wichtige Aufgabe bei Manchester City. Bei einem Sieg ist Gladbach sicher in der Europa League dabei. Geht man nach dem SIeg gegen die Bayern nun als Favorit in dieses Duell?

Johnson: Das wäre wohl etwas zu hoch gegriffen. Wir haben uns in den letzten Wochen ein gutes Selbstbewusstsein erkämpf und damit werden wir auch nach Manchester fahren. Wir haben dort nichts zu verlieren, genauso wie heute gegen die Bayern. Wir wollen unbedingt  in Europa überwintern.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass Ihr Team nach dem schlechten Saisonstart nun bereits in der Lage ist, nun sogar die Bayern zu schlagen

Johnson: Wir haben einen guten Lauf, wissen, was wir können und haben das entsprechende Selbstvertrauen. Wir spielen mutig nach vorne und verstecken uns nicht. Viele stellen sich gegen Bayern nur hinten rein. Wir haben unser Spiel gespielt. Das zeichnet uns im Moment aus und wird am Ende belohnt. Doch auch dieser Sieg bringt nur drei Punkte. Deshalb müssen wir weiter hart arbeiten und auch gegen Manchester City wieder Vollgas geben.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann