Köln - Eine Mannschaft, die von sich glaubt, nur gewinnen zu können und nichts zu verlieren zu haben, ist für ihre Gegner besonders gefährlich. Borussia Mönchendladbach ist derzeit so eine Mannschaft. Nach fünf Niederlagen zu Saisonbeginn sind die Fohlen seit dem Trainerwechsel von Lucien Favre zu André Schubert nach acht Siegen und zehn Spielen ohne Niederlage mittlerweile die Mannschaft der Vorrunde in der Bundesliga (zur Tabelle).

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Gladbach hat einen Lauf. Und weil der Sieg gegen die Bayern am Wochenende noch einmal "das Selbstbewusstsein steigerte", wie Fabian Johnson sagt, treten die Gladbacher diesen Dienstag auch nicht mehr als der ganz große Außenseiter zum Vorrundenabschluss in der Champions League bei Englands Meister Manchester City an.

Als Tabellendritter (5 Punkte) könnte zwar selbst mit einer Niederlage in Englands Norden der Einzug in die Europa League verteidigt werden. Aber weil sich die Borussia nicht auf die Hilfe von Juventus Turin im Spiel gegen den Rangletzten FC Sevilla (3 Zähler) verlassen will, wollen die Gladbacher ihre Erfolgsserie auch in Manchester fortsetzten. Fabian Johnson sagt: "Wir wollen unbedingt in Europa überwintern."

Links und rechts, defensiv und offensiv

Johnson ist so etwas wie das Sinnbild des Aufschwungs in Gladbach. Gegen den FC Bayern gelang ihm der vierte Bundesligatreffer im elften Spiel, auch beim 4:2-Sieg gegen Sevilla traf er zuletzt zwei Mal in der Königsklasse. Nach langem Anlauf befindet sich der 1987 in München geborene US-Nationalspieler laut Gladbachs Sportchef Max Eberl auf dem Weg vom "Struktur- zum Führungsspieler".

Nachdem Johnson im Sommer 2014 von der TSG Hoffenheim zu Borussia Mönchengladbach gewechselt war, vermutete der damalige TSG-Trainer Markus Gisdol nach einigen Monaten, der Profi könnte die Verlagerung seines Arbeitsplatzes schon ein "bisschen bereuen". Damals spielte Johnson unter Trainer Lucien Favre nicht regelmäßig für den VfL und Hoffenheim schien auf dem Weg, ein Kandidat für die Europapokalplätze zu sein. Ein Jahr ist das nun her, Lucien Favre ist nicht mehr Trainer in Gladbach und Markus Gisdol nicht mehr Chefcoach in Hoffenheim.

Ausgangslagen ändern sich manchmal schnell im Sport. Fabian Johnson spielt immer noch in Mönchengladbach - und das von Spiel zu Spiel immer besser. Johnson ist mit seiner Vielseitigkeit für jeden Kader eine Verstärkung. Er kann auf beiden Außenbahnen die defensive wie die offensive Position bekleiden, ist schnell, trickreich und beidfüßig. Gegen die Bayern spielte er aus taktischen Gründen statt auf der linken Außenbahn eher etwas zentraler. Auch diese Aufgabe erfüllte er mit seiner Einsatzfreude perfekt.

Kein Mann großer Worte

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Groß geworden ist Fabian Johnson in der Jugend des TSV 1860 München, in Wolfsburg gelang ihm einst der Durchbruch bei einer Spitzenmannschaft nicht. Nun scheint der gereifte 27-Jährige das nach dem Umweg über Hoffenheim in Gladbach zu schaffen. Zuletzt vermieste Johnson beim 3:3 in Hoffenheim mit zwei Treffern den alten Kollegen den Tag. Danach aber ist er trotzdem in die TSG-Kabine gegangen und hat mit alten Kumpels wie Kevin Volland, der einst auch bei den Münchner Löwen ausgebildet wurde, geflachst.

Der Trainerwechsel von Favre zu Andre Schubert hat Johnsons positive Entwicklung befördert. Fabian Johnson ist kein Mann vieler Worte. Warum es jetzt viel besser läuft bei ihm als in der vergangenen Runde? "In der letzten Saison habe ich nicht so oft gespielt", antwortet Johnson nur.

Seit ein paar Monaten ist er nicht mehr aus der ersten Gladbacher Elf wegzudenken. Dass Johnson dabei auch als Torschütze Erfolgserlebnisse feiert, komme auch für ihn etwas überraschend, sagt der technisch begabte Dauerläufer ehrlich. Diesem Fabian Johnson ist mit dieser Borussia auch in Manchester alles zuzutrauen.  

Tobias Schächter