Zusammenfassung

  • Fabian Johnson spricht über den Konkurrenzkampf bei Gladbach und in der Bundesliga

  • "Viele Spiele stehen lange Spitz auf Knopf und werden oft erst in den letzten Minuten entschieden"

  • Außerdem lobt er seinen Kollegen Christian Pulisic und freut sich über Borussia-Fans in den USA

Mönchengladbach - Vor fast genau zwei Jahren besiegte Borussia Mönchengladbach den FC Bayern München im heimischen Borussia Park in einem furiosen Spiel mit 3:1. Einer der Torschützen damals: Fabian Johnson. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Johnson über die anstehende Neuauflage des Klassikers und über die Diskrepanz zwischen den Auswärts- und den Heim-Auftritten der "Fohlen", über seine eigenen Leistungen und die Leistungsdichte in der Bundesliga sowie über Christian Pulisic, Weston McKennie und das Image der Bundesliga in den USA.

bundesliga.de: Herr Johnson, vor fast genau zwei Jahren konnte Borussia den FC Bayern zuletzt besiegen, damals in einem furiosen Spiel mit 3:1 (>>> Zum Spielbericht). Vor dieser Partie war Bayern Erster, Borussia Vierter, wie nun auch...

Fabian Johnson: ...klingt für mich nach einem guten Omen.(lacht)

bundesliga.de: Aber lassen sich die beiden Ausgangslangen tatsächlich vergleichen?

Johnson: Nein. Ich denke nicht, dass man das vergleichen kann. Es sind nicht mehr exakt dieselben Mannschaften wie damals, und beide Teams haben einen anderen Trainer. Was sich aber selbstverständlich nicht geändert hat, das ist der Status, den ein Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern immer hat – das ist für jeden ein Riesenspiel! Das merkt man unter anderem auch daran, wie viele Personen aus dem eigenen Familien- und Freundeskreis ihr Kommen jedes Mal ankündigen.

Video: Gladbachs furioser Sieg in Berlin

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bundesliga.de: Damals startete Borussia mit fünf Niederlagen in die Saison, war dann aber wochenlang unbezwingbar. In dieser Saison wird man nicht wirklich schlau aus Ihrem Team, zähen Darbietungen im eigenen Stadion stehen glanzvolle Auftritte in der Fremde gegenüber. Woran liegt das?

Johnson: Das fragen wir uns selbst auch. Natürlich wollen wir zuhause ebenso punkten wie auswärts und setzen auch alles daran. Letztlich ist es aber wichtig, dass wir überhaupt die Punkte einfahren, die notwendig sind, um dort zu stehen, wo wir nun wieder in der Tabelle stehen. Und wenn das so weiterlaufen sollte, glaube ich kaum, dass sich irgendjemand beschweren würde, wenn wir zuhause nicht ganz so gut spielen wie auswärts – oder umgekehrt.

bundesliga.de: Trotz aller Offensivpower – Borussia hat die viertmeisten Tore geschossen – scheint man bisweilen sehr fahrlässig mit den Chancen umzugehen, wie etwa im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen...

Johnson: Das würde ich so nicht sagen. In Berlin (4:2-Sieg für Borussia; Anm. d. Red.) zum Beispiel war gefühlt jeder Schuss ein Treffer, gegen Leverkusen, beim 1:5, war es genau anders herum. Deswegen sollten wir uns nicht gegenseitig verrückt machen, sondern einfach konzentriert weiterarbeiten – und dann unsere Chancen in Zukunft so gut wie eben möglich nutzen.

"Letztlich ist es aber wichtig, dass wir überhaupt die Punkte einfahren, die notwendig sind, um dort zu stehen, wo wir nun wieder in der Tabelle stehen."

bundesliga.de: Borussia weist als Tabellenvierter eine Tordifferenz von null auf. Was sagt das über die Liga in dieser Saison aus?

Johnson: Das zeigt wie extrem ausgeglichenen die Bundesliga ist. Viele Spiele stehen lange Spitz auf Knopf und werden oft erst in den letzten Minuten entschieden. Früher mag es Spiele gegeben haben, von denen man sich schon im Vorfeld recht sicher sein konnte, dass man sie gewinnt. Heute ist das angesichts der Leistungsdichte aller Clubs unmöglich. Umso mehr muss einem klar sein, dass am Saisonende schon ein einzelner Punkt mehr oder weniger darüber entscheiden kann, ob man sein Ziel erreicht – oder auch nicht.

bundesliga.de: Sie haben damals gegen die Bayern wohl eines Ihrer besten Spiele überhaupt im Borussen-Trikot gemacht...

Johnson: Das ist für mich schwer zu beurteilen. Damals habe ich getroffen, und als Offensiv-Spieler wird man nun mal an Toren gemessen. Wenn man vielleicht sogar zweimal trifft, bekommt man von den Medien mindestens die Note 1,5 – egal, wie man vielleicht in den übrigen 88 Minuten gespielt hat. Macht ein Defensivspieler ein klasse Spiel, aber es unterläuft ihm schließlich doch ein einziger Fehler, der zu einem Gegentreffer führt, bekommt er wohl gerade noch die Note 4 oder sogar eine 5.

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"Christian Pulisic hat mit gerade einmal 19 Jahren schon viele Spiele auf sehr hohem Niveau bestritten und ist schon heute ein echter Ausnahme-Fußballer."

bundesliga.de: In dieser Saison kommen Sie bisher aber auf nur fünf Starteinsätze, allerdings bedingt auch durch Reisestrapazen während der WM-Qualifikation mit den USA. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem bisherigen Abschneiden?

Johnson: Es ist bisher nicht so gelaufen, wie gerade auch ich selbst mir das wünschen würde. Ich weiß, dass bei uns auf den Außenpositionen die Konkurrenz besonders groß ist – aber das war sie in den vergangenen Jahren auch schon. Dennoch habe ich es immer geschafft mich durchzusetzen. Und das werde ich nun wieder versuchen.

bundesliga.de: Sie sprechen die starke Konkurrenz auf den Außenbahnen an. Hadert man da schon einmal mit der eigenen Position und sucht vielleicht nach einer Alternative?

Johnson: Nein. Ich weiß, was ich mit Borussia bereits erreicht habe. Und ich denke, dass ich immer wieder gezeigt habe, dass ich in diese Mannschaft gehöre. Deshalb gibt es für mich keinen Grund nachdenklich zu werden oder gar zu hadern.

bundesliga.de: Leider nicht in Erfüllung gegangen ist ihr Traum von Ihrer zweiten WM-Teilnahme mit den USA nach Brasilien 2014. Wie lange schleppen Sie eine solche Enttäuschung mit sich herum?

Johnson: Keine Frage, da ist ein kleiner Traum zerplatzt! Und die Enttäuschung ist groß. Ich weiß ja durch die Erfahrungen von 2014 in Brasilien, wie schön es sein kann, mit seinem Land an einem so großen Turnier teilnehmen zu dürfen, bei dem die ganze Welt zuschaut und jeder mitfiebert. Trotzdem gilt es, so viel Profi zu sein, dass man in der Lage ist, diese Gedanken schnell wieder beiseite zu legen und sich auf das zu konzentrieren, was vor einem liegt.

bundesliga.de: Zwei Ihrer noch sehr jungen US-Teamkameraden sind Dortmunds Christian Pulisic und Schalkes Weston McKennie. Wie sehen Sie deren Entwicklung?

Johnson: Allein diese beiden zeigen, dass der US-Fußball sich um seine Zukunft keine Sorgen machen muss. Christian Pulisic hat mit gerade einmal 19 Jahren schon viele Spiele auf sehr hohem Niveau bestritten und ist schon heute ein echter Ausnahme-Fußballer.

bundesliga.de: Pulisic und McKennie haben Ihren Durchbruch in der Bundesliga geschafft, Bastian Schweinsteiger wechselte im April mit 32 noch einmal in die Major League Soccer. Haben diese Fakten das Interesse der Amerikaner an der Bundesliga weiter belebt?

Johnson: Immer wenn ich in den vergangenen zwei, drei Jahren bei der Nationalmannschaft war, habe ich gespürt, auf welches breite Interesse die Bundesliga in den USA trifft. Man redet dann über die Spieler und Stars der Bundesliga und über besonders wichtige und attraktive Partien. Das war vor einigen Jahren in diesem Ausmaß noch nicht der Fall.

"In den USA habe ich Fans im Borussia-Trikot gesehen. Das hat mich schon ein wenig überrascht, vor allem aber hat es mich natürlich sehr gefreut!"

bundesliga.de: Sind Sie in den USA auch auf Borussen-Fans getroffen?

Johnson: Persönlich habe ich niemanden kennengelernt. Aber bei dem einen oder anderen Länderspiel in den USA habe ich US-Fans im Borussia-Trikot gesehen. Das hat mich schon ein wenig überrascht, vor allem aber hat es mich natürlich sehr gefreut!

bundesliga.de: Anfang Dezember werden Sie 30. Noch vor zehn, fünfzehn Jahren galt ein Feldspieler dann gerade erst auf der Höhe seiner Schaffenskraft, während ein 30-jähriger Profi heute als alt gilt...

Johnson: Ich fühle mich noch sehr gut. (lacht) Aber ich weiß natürlich, was Sie meinen: Als ich vor zehn Jahren Profi wurde, waren vielleicht gerade einmal zwei sehr junge Spieler in der Mannschaft, während sich dieses Verhältnis heute nahezu umgekehrt hat.

bundesliga.de: Ihr Vertrag bei Borussia läuft noch bis 2020. Denken Sie schon über dieses Datum hinaus?

Johnson: Ehrlich gesagt, nein. Ich habe meinen Vertrag erst Anfang des Jahres verlängert. Das hätte ich nicht getan, wenn ich mir jetzt schon Gedanken übers Aufhören machen würde. (lacht) Nein, ich fühle mich nach wie vor richtig gut. Und was die Zukunft für mich bereithält, das wird man sehen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter