Mainz - "Hart" sei diese Trainingseinheit am Mittwochmorgen gewesen, erzählt Fabian Frei. Der Neuzugang des 1. FSV Mainz 05 aus der Schweiz ist beim neuen Club ganz schön ins Schwitzen gekommen.

Um sich zu vergewissern, dass er nicht der einzige Profi ist, der von den intensiven Spielformen seines Trainers Martin Schmidt ermüdet, erkundigte sich der Schweizer lieber einmal bei den Kollegen in der "Garderobe", ob es ihnen ähnlich geht. Garderobe ist das Schweizer Wort für Umkleidekabine und der Schweizer Fabian Frei erzählt nach der kleinen Umfrage unter Mitspielern erleichtert: "Zum Glück sind alle ein bisschen müde, nicht nur ich."

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Wechsel statt Leaderrolle

Gerade einmal zwei Tage ist Fabian Frei nun beim 1. FSV Mainz 05 nach seinem Wechsel vom Schweizer Serienmeister FC Basel. Es sei sein erster großer Wechsel, sagt der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler, der bislang sieben Mal in der Nationalmannschaft der Eidgenossen eingesetzt worden ist. Frei ist ein Name im Schweizer Fußball, er war Vizekapitän in Basel und galt, nachdem sein Freund Marco Streller seine Karriere beendet hatte, als der natürliche Nachfolger fürs Kapitänsamt.

Frei aber zog den Wechsel in die Bundesliga der absoluten Leaderrolle in Basel vor. Es sei einfach Zeit gewesen für einen "neuen Impuls" in seiner Karriere, sagt Frei. Zuletzt hatte er nachgezählt, dass er schon 16 Mal in Sion angetreten war. "Wenn man mal anfängt zu zählen, dann wird es Zeit für Veränderung", sagt Frei. Von der Liga her sei die Bundesliga natürlich ein Sprung nach oben, erklärt der gebürtige Thurgauer.

Reiz, in ausverkauftem Stadion zu spielen

Die Champions League, an der er mit dem FC Basel regelmäßig teilgenommen hat, werde er aber schon vermissen, gibt Frei zu. Aber der Reiz, jedes Wochenende in einem ausverkauften Stadion zu spielen, sei nach all den Jahren in Basel, die durch zwei Leihjahre in  St. Gallen (2009-2011) unterbrochen waren, am Ende größer gewesen.

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In der "Nati", wie die Schweizer ihre Nationalauswahl nennen, ist er im Moment nicht erste Wahl. Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach und Valon Behrami vom Hamburger SV bilden dort zumeist das zentrale Mittelfeldduo. Es wäre ein schöner Nebeneffekt, wenn durch den Wechsel seine Chancen in der dort steigen würden, sagt Frei, aber das sei  nicht die Intention des Wechsels.

Eidgenossen unter sich

Auch ein schöner Nebeneffekt sei es, dass mit Martin Schmidt ein Landsmann nun sein neuer Trainer sei. "Es ist schön, auch in der Kabine ein bisschen Schwiizerdütsch zu hören", scherzt Frei. In Basel kommunizierte der Portugiesische Trainer Paulo Sousa zuletzt ja Englisch mit dem internationalen Basler Ensemble.

Frei sagt, für ihn gehe es jetzt erst einmal darum, sich in einem neuen Umfeld neu zu beweisen. Beim Serienmeister in der Schweiz war er ein Hauptdarsteller mit großer Anerkennung im Klub und bei den Fans. "Die Leute erwarten etwas von mir, sie kennen mich noch nicht, das ist ein Neuanfang in Mainz", sagt Frei, der aber selbstbewusst anfügt: "Auch in der Bundesliga wird mit einem runden Ball gespielt."

Noch auf Wohnungssuche

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Er wolle so oft wie möglich spielen und so oft wie möglich entscheidende Dinge machen. Ziele will er nicht nennen. Mainz sei immer seine erste Wahl gewesen, nachdem der Klub im Winter mit ihm Kontakt aufgenommen habe. "Die wussten Dinge von mir, die ich nicht wusste", sagt Frei mit einem Augenzwinkern. Bei den Mainzern soll Frei den zu Schalke gewechselten Johannes Geis im defensiven Mittelfeld ("meine beste Position") ersetzten. Wäre Geis nicht zum FC Schalke 04 gewechselt, wäre Frei heute nicht in Mainz. Ja, das stimme, gibt Frei zu. Deshalb habe er gehofft, dass der Wechsel von Geis auch zustande komme.

Der Fabian Frei, so Trainer Martin Schmidt, werde wahrscheinlich einen Tick offensiver spielen als Geis. Und während Geis mit langen Pässen von hinten heraus das Spiel der Mainzer in den vergangenen beiden Jahren gestaltete, wird Frei dies eher mit kurzen Pässen tun. "Mein Spiel ist es, den Ball flach zwischen den Linien nach vorne zu bringen und auch selbst mit nach vorne zu gehen", erklärt Frei, der derzeit noch auf Wohnungssuche ist und dessen Freundin ihm bald nach Mainz folgen wird.

Schnell Fuß fassen

Er könne sich ganz gut an die jeweiligen Trainer anpassen, sagt er. Gegen Schmidt, so habe man ihm erzählt, habe er früher sogar einmal gespielt. Erinnern kann er sich daran aber nicht. An die ersten, harten Trainingstage unter der Anleitung des Walissers wird er sich aber noch lange erinnern. Fabian Frei will langfristig in Mainz als ein Fußballer in Erinnerung bleiben, der schnell in der Bundesliga Fuß fasste. Auch wenn die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld bei Mainz 05 sehr groß ist.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter