Köln - Frank Buschmann ist einer der bekanntesten Sportreporter Deutschlands. Aufgrund seiner emotionalen Art ist er bei den Fans beliebt. Seit 2010 ist er zudem gemeinsam mit Radio-Legende Manni Breuckmann die Stimme der FIFA-Serie von EA SPORTS. Im Sommer 2013 kommentierte er zudem das große Finalturnier der ersten Saison der Virtuellen Bundesliga.

Bei bundesliga.de verrät der Sportjournalist, was er von der kommenden Saison erwartet, warum er über den Dortmunder Sieg im Supercup erleichtert war und was ihm an der Bundesliga die meiste Freude bereitet.

bundesliga.de: Herr Buschmann, am 9. August beginnt mit der Partie Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach die neue Bundesliga-Saison. Worauf freuen Sie sich in der neuen Spielzeit besonders?

Frank Buschmann: Zunächst einmal bin ich über den Dortmunder Sieg im Supercup enorm erleichtert. Dieses Spiel hat gezeigt, dass auch die Bayern nicht unschlagbar sind. Diese Erkenntnis ist für die kommende Spielzeit sehr wichtig. Trotz aller Befürchtungen einer bayrischen Dominanz könnte es auch an der Spitze eine spannende Saison werden. Generell lebt die Bundesliga aber davon, dass es so viele tolle Clubs gibt. Wie geht es in Mainz weiter? Können Hamburg oder Bremen an alte Erfolge anknüpfen? Wie schlagen sich die Aufsteiger? Bei all dem Hype um München und Dortmund sollten wir die anderen 16 Clubs nicht vergessen.

bundesliga.de: Wer kann, außer den Bayern, in den Titelkampf eingreifen?

Buschmann: Die Antwort ist vielleicht nicht besonders kreativ, aber ich denke schon, dass Bayern und Dortmund den Titel unter sich ausmachen werden. Wer letztlich ganz oben steht, wird nicht in den direkten Duellen, sondern in den 32 weiteren Partien entschieden. In der vergangenen Saison hat der BVB in der Bundesliga nicht gegen die Bayern verloren, lag aber am Ende 25 Punkte hinter den Münchnern. Ob die Dortmunder 2013/14 konstanter auftreten, wird sich zeigen. Ich bin mir sicher, dass wir auch im nächsten Jahr überragenden Fußball von München und Dortmund sehen werden.

bundesliga.de: Welchem Club drücken Sie eigentlich die Daumen?

Buschmann: Ich bin kein klassischer Fan eines einzelnen Vereins, sondern genieße es, wenn ich guten Fußball in einer tollen Atmosphäre verfolgen kann. Die Stimmung auf den Rängen der Bundesliga sucht europaweit Ihresgleichen. Das ist einzigartig und macht den besonderen Reiz aus. Grundsätzlich freue ich mich immer, wenn Überraschungsteams Erfolge feiern. Auch wenn ich kein Schalker bin, fände ich es beispielsweise überragend, wenn der FC Schalke 04 Deutscher Meister werden würde. Das wäre nach über 50 Jahren eine tolle Geschichte. Allerdings auch eine kleine Sensation.

bundesliga.de: Das Sommerloch wurde weitgehend mit Geschichten rund um Bayerns neuen Trainer Pep Guardiola gefüllt. Glauben Sie, dass die Verbindung funktioniert?

Buschmann: Langfristig sicherlich schon. Kurzfristig kann sein Engagement aber auch zu Problemen führen. Der Rummel um seine Person war schon extrem groß. Man wird sehen, wie die Mannschaft das verkraftet. Außerdem tritt er ein sehr schweres Erbe an. Nach dem Triple-Sieg im vergangenen Jahr kann er fast nur verlieren, denn erfolgreicher kann er gar nicht sein. Er wird seine Idee vom Fußball auch in München durchsetzen und Titel gewinnen. Die Konkurrenz darf darauf hoffen, dass es einige Zeit dauert.

bundesliga.de: Welches Team haben Sie als mögliche Überraschungsmannschaft auf dem Zettel?

Buschmann: Trotz des Wechsels von Andre Schürrle zum FC Chelsea wird Leverkusen wieder eine starke Saison spielen und am Ende Platz 3 belegen. Das habe ich schon in der vergangenen Saison getippt. Damals wurde ich dafür belächelt. Extrem spannend finde ich auch, wie Freiburg und Frankfurt mit der Mehrfachbelastung durch den Europapokal zurechtkommen. Eigentlich hatte ich Werder als mögliches Überraschungsteam auf dem Zettel, aber nach der etwas holprigen Vorbereitung warte ich lieber ab. In Stuttgart hat Fredi Bobic einen tollen Job gemacht und den VfB sehr gut aufgestellt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Team von Bruno Labbadia eine der positiven Überraschungen der kommenden Saison wird. Mehr als Platz 4 ist aber nicht drin.

bundesliga.de: Und was trauen Sie den Aufsteigern zu?

Buschmann: Sowohl für Braunschweig als auch für Hertha wird es einzig und allein darum gehen, die Klasse zu halten. Aber das wissen die Verantwortlichen der Clubs sicherlich besser als ich. Ich würde Braunschweig nach so vielen Jahren gönnen, dass sie länger als ein Jahr in der Bundesliga bleiben, aber es wird sehr schwer. Bei Hertha sehe ich die Chancen besser. Es wird zwar keine sorgenfreie Saison, aber letztendlich dürften die Berliner über dem Strich stehen.

bundesliga.de: Neben dem echten Fußball sind Sie auch der virtuellen Variante verbunden. Seit FIFA 11 sind Sie eine der Stimmen der erfolgreichen Sportsituation. Wie unterscheidet sich die Arbeit von dem 'echten' Fußball?

Buschmann: Die Strahlkraft der FIFA-Serie ist schon beeindruckend. Ich werde sehr häufig auf meine Arbeit für EA angesprochen. Für die Spiele kommentieren Manni Breuckmann und ich blind. Wir sehen keine Bilder, sondern schildern verschiedene Spielsituationen in fünf bis zehn Versionen. Deshalb passt der Kommentar nicht immer 100-prozentig zum Spielverlauf. Häufig beschweren sich bei mir Spieler und sagen: 'Du erzählst ja was ganz anderes, als ich auf dem Bildschirm sehe.' Das geht aber nicht anders, denn ich sitze überraschender Weise nicht im PC oder der Playstation und schaue mir die Spiele an. Etwas anderes ist die FIFA-Prognose, bei der Manni und ich den Zusammenschnitt eines FIFA-Spiels kommentieren.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison feierte der FIFA-Spielmodus 'Virtuelle Bundesliga' eine äußerst erfolgreiche Premiere. Das große Finale in München wurde von Ihnen kommentiert. Wie hat Ihnen dieses Turnier gefallen?

Buschmann: Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Sechs bis sieben Stunden habe ich die Spiele der besten FIFA-Spieler Deutschlands kommentiert. Die beherrschen ihr Handwerk. Wobei ich immer zu ihnen gesagt habe: 'Computer spielen ist eine feine Sache, aber ab und zu mal nach draußen zum Kicken zu gehen, ist auch was Tolles.'

Das Gespräch führte Florian Reinecke