Leverkusen - Javier "Chicharito" Hernandez hatte nie einen anderen Wunsch als Profi-Fußball-Spieler zu werden. Auch sein Vater und Großvater waren im Profifußball erfolgreich, so wurde ihm die Liebe zum Fußball quasi in die Wiege gelegt, ab dem Tag seiner Geburt in Guadalajara im Juni 1988. In einer dreiteiligen Serie gibt der Star von Bayer Leverkusen Einblicke in sein Leben. Im ersten Teil spricht der Mexikaner über seine Kindheit, wer ihn beeinflusst hat und seine ersten Schritte im Fußball.

"Fußball war mein Leben, schon als ich noch klein war", erzählt er bundesliga.de in einem exklusiven Interview. "Und so ist es noch heute. Seit dem ich geboren wurde, war für mich klar, dass ich Fußballspieler werde: Ich genoss es ins Stadion zu gehen, meinem Vater beim spielen zuzusehen. Ich hatte das Glück durch meinen Vater die Atmosphäre im Stadion regelmäßig zu erleben."

Der Einfluss der Eltern

"Fast alle meine Erinnerungen aus meiner Kindheit handeln vom Fußballstadion, entweder schaute ich meinem Vater zu oder war mit meiner ganzen Familie dort", fährt Chicharito fort. "Ich habe immer das T-Shirt meines Vater getragen – Fußball und alles was damit zu tun hat, hat schon immer mein Leben bestimmt."

Wie der Vater, so der Sohn. Javier Hernandez Gutierrez war von 1981 bis 1999 aktiv und kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Er spielte für Estudiantes Tecos, Puebla und Monarces Morelia und das mit Erfolg: Er gewann 28 Titel und schoss vier Tore für die mexikanische Nationalmannschaft – unter anderem kam er mit der Nationalmannschaft ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1986 im eigenen Land. Als klassischer Mittelfeldspieler wurde Gutierrez schnell berühmt und bekam den Spitznamen "Chicharo" oder "Erbse" – dank seiner unverwechselbar grünen Augen, die er als Kind hatte.

In einem Land, in dem Spitznamen von großer Bedeutung sind, bekam auch sein Sohn schnell einen: "Chicharito" oder "Kleine Erbse". Das Erbe seines Vaters hat sich heute in seinem Namen festgesetzt, Fußballfans auf der ganzen Welt kennen ihn als Chicharito. Den Einfluss, den sein Großvater auf den mexikanischen Spieler hatte, ist da schon unbekannter.

Große Fußstapfen

"Mein Großvater nahm eine ebenso wichtige Rolle ein wie mein Vater in den frühen Jahren meiner Karriere", erklärt Hernandez. "Er spielte für Chivas Guadalajara und war als der "Campeonisimo" (ultimative Champion) bekannt. Er gewann als Spieler einige Titel und wurde dann Co-Trainer bei Chivas Guadalajara. Auch in dieser Position gewann er viele Titel und war ein wichtiger Akteur in dem Club, in dem ich meine Karriere begann."

"Campeonisimo" ist keine Übertreibung: Tomas Balcazar Gonzalez kann als einer der besten Spieler Mexikos bezeichnet werden. Als Stürmer gewann er von 1948 bis 1958 acht Meistertitel mit Chivas.

Die Angaben über den genauen Geburtstag von Balcazar sind lückenhaft, aber er sagt, dass er 22 Jahre alt war, als er bei der 2:3-Niederlage Mexikos gegen Frankreich bei der Weltmeisterschaft 1954 ein Tor erzielte. Wie es das Schicksal so wollte, war sein Enkel im gleichen Alter, als dieser bei der Weltmeisterschaft in Südafrika in der gleichen Begegnung für Mexiko zum 2:0-Sieg traf. Eine Gemeinsamkeit, die sich auch in der Spielweise auf dem Feld wiedererkennen lässt und die Chicharito nicht von sich weist.

"Auch heute noch sind mein Vater und Großvater meine größten Kritker", sagt Hernandez mit einem Zwinkern. "Das waren sie schon immer und sie lassen mich nie denken, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe, egal wie gut ich wirklich war. Du kannst immer besser werden. Mein Großvater hat mir immer gesagt, dass es das perfekte Spiel nicht gibt, man kann sich immer steigern, egal wie gut du schon bist."

"Ich habe die Vergleiche nie gemocht"

Es sind aber nicht nur sein Vater und Großvater, die eine entscheidende Rolle im Leben des jungen Hernandez gespielt haben. "Die Leute denken immer, es seinen nur die beiden gewesen, die dafür verantwortlich sind, dass ich da bin wo ich bin, weil sie auch Profi-Sportler waren," erklärt er. "Die weibliche Seite meiner Familie hatte aber ebenso Einfluss auf mich: Meine Tanten, meine Großmutter, meine Schwester und meine Mutter. So viele Leute aus meiner Familie haben mir geholfen dahin zu kommen wo ich jetzt bin. Sie waren von Beginn an wichtige Säulen."

Die Unterstützung seines Vaters und Großvaters war besonders wichtig, als Chicharito seine Profi-Karriere bei Chivas, einem der erfolgreichsten mexikanischen Clubs, begann. "Es war schwer, denn die Leute haben mich viel mit den Beiden verglichen", sagt Hernandez über seine Jahre in Guadalajara, der drittgrößten Stadt Mexicos, wo er von 2006 bis 2010 lebte.

"Sie haben immer gesagt 'Er ist der Sohn von Chichar' oder 'Er ist der Enkel von Tomas Balcazar'. Die Leute vergleichen mich. Es war keine leichte Zeit, aber es hat mich stärker gemacht und ich habe eine Menge daraus gelernt. Ich habe Vergleiche noch nie gemocht, weder im Privaten noch im Fußball: Wir sind alle verschieden und haben sowohl gute als weniger gute Eigenschaften."

Von Daniel Thacker und Judith Rönnau

Teil 1: Seine Kindheit, Vorbilder und Karrierestart
Teil 2: Seine Zeit bei Chivas und der Wechsel nach Europa
Teil 3: Seine Ankunft, Integration und Ziele mit Bayer 04