Am Dienstag präsentiert sich der FC Bayern erstmals in dieser Saison auf der europäischen Bühne. Für die Partie bei Israels Meister Maccabi Haifa haben die Spieler dank "Robery" geballte Offensivkraft im Gepäck - aber auch Sorgen um die defensive Stabilität.

Lässig war Philipp Lahm nach dem Spiel in Dortmund aus der Kabine geschlendert. Entspannt und zufrieden parlierte er über einen 5:1-Sieg der Münchner, der vor allem ihnen selbst eine wichtige Erkenntnis geliefert hatte: Der FC Bayern ist angekommen in dieser Bundesliga-Saison.

Es "müllert" wieder in München

Erst der Heimsieg gegen Meister Wolfsburg, jetzt der erste Auswärtserfolg der noch jungen Spielzeit. Das gibt Selbstvertrauen - "und das kommt uns zum Auftakt der Champions Legaue natürlich nicht ungelegen", stellte Lahm mit einem feinen Lächeln fest.

Auch Thomas Müller hat vor dem Spiel in Israel eine "breite Brust" bei seinen Mitspielern ausgemacht: "Mit zwei Siegen im Rücken sind wir gut drauf!" Dass er selbst zu diesem Zustand mit seinen ersten beiden Bundesligatoren nicht unerheblich beigetragen hat, spielt der 20-Jährige bescheiden herunter: "Ich versuche einfach zu zeigen, was ich kann. Vor allem hab' ich Spaß am Spiel."

Weltklasse auf der Ersatzbank

Spaß - den bereiten die Bayern auch ohne Miro Klose und Luca Toni zurzeit vor allem mit ihren Offensivkünsten. Dabei ist Müller ein Baustein, ein noch größerer aber hört auf den Namen "Robery". Nach Arjen Robbens "Doppelpack" vor zwei Wochen hatte in Dortmund diesmal der bekennende "Spaßfußballer" Franck Ribery die Glanzlichter gesetzt.

Mit seiner Einwechslung gewann das Angriffsspiel der Münchner deutlich an Kreativität und Format; sein Freistoßtreffer war einmal mehr Weltklasse.

"Alle sitzen in einem Boot"

Dass der kleine Franzose anschließend direkt in van Gaals Arme gesprungen war ("Franck hat gezeigt, dass er seinen Trainer liebt"), war für die Öffentlichkeit ein schönes Bild - und für seine Mitspieler eine willkommene Steilvorlage, die neue Harmonie an der Säbener Straße herauszustellen.

Fast jeder Profi sah in Riberys Aktion "ein Zeichen, dass die Mannschaft Spaß mit van Gaal hat und wir alle in einem Boot sitzen", wie es Müller formulierte. Die Botschaft vor dem Champions-League-Auftakt ist klar: Wir sind ein Team - und wir sind verdammt gut drauf.

Nicht alles Gold, was glänzt

Ärgerlich nur, dass die Partie in Dortmund auch eine erste Halbzeit hatte, in der vieles so gar nicht perfekt lief. "Wir haben schlecht angefangen und in den ersten 15 Minuten keinen Ball getroffen", kritisierte van Gaal, der "Fehler in der Organisation" ausgemacht hatte.

Schwächen im Stellungsspiel und Zweikampfverhalten, Fehlpässen und Ballverlusten der Bayern setzten die Dortmunder 30 Minuten lang Anschauungsunterricht in Sachen Leidenschaft und Laufintensität entgegen. Bastian Schweinsteiger vermisste vor allem ein aggressiveres Abwehrverhalten: "Wir sind nicht richtig draufgegangen!" Erst mit dem offensiven Glanz fand später auch die Defensive zu Sicherheit und Souveränität.

Nicht nur auf die Offensive verlassen

Schon am Dienstag bei Maccabi Haifa kann Bayerns Abwehr zeigen, dass sie ihre Leistung steigern kann und internationalen Ansprüchen genügt. "Dazu müssen wir aber auch im Kollektiv gut arbeiten und gut stehen", fordert Schweinsteiger. Schließlich will sich der FC Bayern nicht immer nur auf ein Offensiv-Feuerwerk von "Robery" verlassen.

Ob Robben und Ribery in Europas "Königsklasse" gemeinsam schon in der Startformation wirbeln, wollte van Gaal übrigens noch nicht offenlegen: "Franck und ich wissen, dass er noch nicht richtig fit ist." Manch einer der nächsten Gegner dürfte sich bei diesen Worten durchaus ein bisschen erschrecken…

Dietmar Nolte