Hamburg/Göteborg - Die Fans hatten sich zum Saisonabschluss der deutschen Nationalmannschaft auf ein Fußball-Fest im Ullevi-Stadion in Göteborg gefreut. Dass gegen Schweden am Ende ein trostloses 0:0 auf der Anzeigetafel stand, war dabei zumindest für die Gäste eher zweitrangig. Der Einsatz von vier Debütanten hat gezeigt: Bundestrainer Joachim Löw muss sich um die Zukunft des DFB-Teams wohl keine Sorgen machen.

"Alle Akteure, die ihr erstes oder zweites Länderspiel absolviert haben, haben ihre Sache sehr ordentlich gemacht", lobte Löw den Einsatz der Dortmunder und Mainzer Youngster. Einer bekam sogar ein Sonderlob: "Lewis Holtby hat Verantwortung übernommen und immer wieder den Ball gefordert, das war sehr gut."

Löw sieht "engagierte Leistung"

Die zündende Idee gegen die extrem defensiv eingestellten Hausherren fand Holtby aber auch nicht. Bei Minustemperaturen auf einem holprigen Rasen war das sonst so dominante Kurzpassspiel der deutschen Mannschaft nur schwer durchzuführen. Löw ging deshalb auch nicht hart mit seinen Kickern ins Gericht. Im Gegenteil.

"Es war relativ schnell klar, dass es ein Geduldsspiel wird. Die Schweden standen zuhause mit zehn Leuten hinten drin und haben darauf gewartet, dass wir Fehler machen. Wir haben mit unserer neuen jungen Mannschaft ein engagiertes Spiel gezeigt", so Löw.

Dortmunder Abwehrduo überzeugt

Neben Holtby haben dabei auch die Dortmunder Mats Hummels und Marcel Schmelzer überzeugt. Hummels agierte in der Innenverteidigung neben Heiko Westermann in seinem ersten Länderspiel von Beginn an gewohnt ballsicher und zweikampfstark. Und auf der linken Seite der Viererkette zeigte Schmelzer bei seiner Premiere keine Anzeichen von Nervosität.

"Die Freude über mein Debüt in der Startelf war natürlich groß. Zu Null haben wir auch gespielt und damit die Vorgabe erfüllt. Wir wurden gut im Team aufgenommen, es macht Spaß, bei der Nationalmannschaft zu sein", erklärte ein sichtlich erfreuter Hummels nach dem Spiel.

Ein aufregendes Spiel

Noch leicht beeindruckt von den Geschehnissen stand Schmelzer Rede und Antwort. "Erst mal freue ich mich über mein Debüt. Die 90 Minuten waren sehr hilfreich und vor allem etwas ganz Neues für mich. Die äußeren Bedingungen waren nicht optimal. Wir haben es versucht, aber ein Tor haben wir nicht erzielen können", sagte der 22-Jährige.

Schmelzers 18-jähriger BVB-Teamkollege Mario Götze, der in der 78. Minute eingewechselt und damit jüngster Debütant seit Uwe Seeler 1954 wurde, fand ähnliche Worte: "Ich war sehr aufgeregt. Es war eine sehr wichtige Erfahrung für mich. Alle anderen haben es mir aber sehr leicht gemacht und mir Mut zugesprochen."

Schweinsteiger freut sich auf 2011

Mit dem 0:0 steht für Löw und Co. am Ende des WM-Jahres eine Bilanz von 13 Siegen, zwei Remis und zwei Niederlagen zu Buche. Eine ansehnliche Ausbeute. Findet auch Bastian Schweinsteiger.

"Es ist aber nicht nur der Erfolg bei der WM, der zu bewerten ist. Wir haben auch in der EM-Quali alles gewonnen. Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ist einfach schön anzusehen. Wir haben dadurch viele Fans gewonnen. Ich hoffe, dass wir das in kommenden Jahr fortsetzen und uns weiterentwickeln", sagte der Bayern-Star, der das Team für den pausierenden Philipp Lahm als Kapitän aufs Feld führte.

Die deutsche Nationalmannschaft ist trotz des torlosen Remis in Göteborg weiter auf dem richtigen Weg und hat dabei noch viele junge Talente in der Hinterhand. Das lässt auf ein ebenso erfolgreiches Jahr 2011 hoffen.

Michael Reis