München - Vielleicht ist es die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, die sich beim FC Bayern aktuell ausbreitet. Die Ruhe nach einer extrem kurzen Saisonvorbereitung, bedingt durch die Weltmeisterschaft in Südafrika.

Die Ruhe nach der Verletzung von Arjen Robben, die Ruhe nach den Querelen um Martin Demichelis, der nach seiner Nichtberücksichtigung für die Startelf den Cheftrainer darum gebeten hatte, auch nicht für den 18-köpfigen Kader gegen Wolfsburg nominiert zu werden.

Das alles scheint verflogen, der Rekordmeister ist wieder in seinem Element, absolviert eifrig Sponsorentermine für Brauereien und Automobilhersteller und lockt bei schönem Wetter hunderte Besucher zum Training.

"Schieße normalerweise keine schönen Tore"

Herbeigeführt hatten diese idyllische Ruhe unter anderem auch die WM-Stars Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger, die mit ihren Toren zum 2:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg dafür sorgten, dass den Bayern ein erfreulicher Auftakt in die neue Bundesliga-Saison gelang.

Für Thomas Müller, dem das erste Tor der neuen Spielzeit vergönnt war, hatte der Treffer eine besondere Bedeutung: "Das Tor war wichtig, um die Skepsis zu lösen, um locker und ruhig arbeiten zu können." Dass es obendrein noch ein Tor zum Hingucken war, überraschte den jungen Aufsteiger enorm: "Normalerweise schieße ich keine schönen Tore."

"Die sind der Aufsteiger, wir sind der Meister"

Spätestens am kommenden Freitagabend um 20:30 Uhr wird es aber vorbei sein mit der Ruhe, wenn die Bayern den Versuch starten, den Betzenberg in Kaiserslautern zu erstürmen. Gewarnt ist das Team von Louis van Gaal allemal, gelang den "Roten Teufeln" aus der Pfalz am 1.Spieltag auf Anhieb ein 3:1-Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln: "Das ist eine Aufgabe, die wir seriös angehen werden. Kaiserslautern hat gute Spieler in ihren Reihen, aber Angst müssen wir nicht haben", sagt der 20-jährige Shootingstar des aktuellen "Double"-Gewinners über das Team von Marco Kurz - und rückt mit einem simplen Feststellung die Verhältnisse klar: "Die sind der Aufsteiger, wir sind der Meister."

Auch Bayerns Mittelfeldmotor Bastian Schweinsteiger genießt noch die Ruhe an der Säbener Straße, fiebert aber dem "Sturm" auf den "Betze" bereits entgegen: "Ich habe Lust auf das Spiel, es steckt immer viel Brisanz in den Duellen mit Kaiserslautern. Ihre Fans stehen sehr hinter der Mannschaft. Ich gehe davon aus, dass es hitzig wird." Doch bei aller Rivalität aus vergangenen Tagen stimmt Schweinsteiger der Aufstieg der "Roten Teufel" froh: "Ich freue mich, dass der FCK mit Marco Kurz aufgestiegen ist."

Drei Mahlzeiten dank Flutlichtspiel

Dass die Reise zum Aufsteiger kein Kaffeekränzchen mit leicht verdienten drei Punkten wird, ist Thomas Müller durchaus bewusst, auch wenn er all die feurigen Duelle der beiden Teams bislang nicht am eigenen Leib erfahren konnte: "Ich habe schon gehört, dass die viele FC Bayern-Fanclubs haben", scherzt er, "es wird eine riesige Stimmung im Stadion herrschen, zwischen diesen Teams gab es immer heiße Spiele."

Wie schon am 1. Spieltag wird der Meister unter Flutlicht antreten, ein Umstand, der den 26-jährigen Routinier Schweinsteiger nicht sonderlich interessiert: " Ob Freitag, Samstag oder Mittwoch. Mir ist es egal, wann wir spielen." Ganz anders sieht das Thomas Müller, der am Freitag vermutlich wieder über die rechte Angriffsseite kommen wird: "Ich liebe es, abends zu spielen - wegen der angenehmen Temperaturen und dem Flair. Außerdem kann ich drei Mal am Tag essen."

Vom FC Bayern berichtet Barnabas Szöcs