Energie Cottbus steckt nach vier Niederlagen in Serie als Tabellensiebzehnter immer noch mittendrin im Kampf um den Klassenerhalt. Besonders im Fokus stand in den vergangenen beiden Partien Gerhard Tremmel.

Selbstkritisch nahm der Torwart der Lausitzer zuletzt zwei Gegentreffer auf seine Kappe. Im Interview mit bundesliga.de gibt sich die 30-jährige Nummer eins des FCE aber dennoch gelassen: "Für mich ist das kein Problem mehr, ich habe das abgehakt."

Tremmel freut sich trotz des großen Drucks vielmehr auf die kommenden Aufgaben gegen direkte Konkurrenten und erwartet durch die Länderspielpause sogar "einen Schub für uns auf der Zielgeraden".

bundesliga.de: Herr Tremmel, vor der Länderspielpause kassierten Sie mit Energie Cottbus ein 0:2 zuhause gegen Köln. Wie hat diese bittere Niederlage das Team getroffen?

Gerhard Tremmel: Die Situation ist dadurch natürlich nicht einfacher geworden. Mit einem Sieg wären wir zumindest schon auf den Relegationsplatz geklettert. Das wäre eine bessere Ausgangssituation gewesen, keine Frage. Aber es ist noch alles möglich.

bundesliga.de: Mit jeweils zehn Zählern hat Energie zuhause genauso viele Punkte gesammelt wie auswärts. In der Vergangenheit war die Heimstärke einer der Trümpfe im Abstiegskampf. Hat das "Stadion der Freundschaft" an Stärke und Rückhalt verloren?

Tremmel: Wir haben sicherlich in der Hinrunde einige Spiele in der Schlussphase aus der Hand gegeben, zum Beispiel gegen Schalke und Hamburg (0:2 und 1:2, Anm.d.R.). Zum Rückrundenstart haben wir zwei Heimsiege geschafft, jetzt zwei Mal unnötig zuhause verloren. In den verbleibenden fünf Heimspielen müssen wir den Grundstein für den Klassenerhalt legen.

bundesliga.de: Sie haben den hervorragenden Start in die Rückrunde angesprochen. Energie hat spielerisch überzeugt und sieben Punkte in den ersten vier Partien gesammelt. Dann setzte es vier Pleiten in Serie. Wie erklären Sie sich diese Leistungsunterschiede?

Tremmel: Nach unserer Serie hatten wir in Bochum (2:3, Anm.d.R.) alle Möglichkeiten und sind durch den Elfmeter in der Schlussphase etwas um den Erfolg gebracht worden. Und gegen Berlin (1:3, Anm.d.R.) hätten wir mit dem zweiten Tor alles klarmachen können. Das waren zwei Spiele, die uns aufs Gemüt geschlagen sind, das steckt man nicht so einfach weg. In Hamburg haben wir uns zu wenig gewehrt. Köln war 90 Minuten in der eigenen Hälfte und hat gemauert, da ist es für jeden Gegner schwer.

bundesliga.de: Sie haben das erste Gegentor gegen Köln auf Ihre Kappe genommen - wie auch schon das 0:2 in Hamburg. Wie verarbeiten Sie persönlich so einen Rückschlag?

Tremmel: Fehler gehören zum Torwartspiel dazu und sie werden in der Regel halt sofort bestraft. Ich weiß, wie ich diese Dinge zu bewerten habe. Meine Leistung ist deswegen nicht schlechter geworden. Es waren jeweils zwei unglückliche Situationen, die zu Gegentoren geführt haben. Für mich ist das kein Problem mehr, ich habe das abgehakt. Ich bin absolut fokussiert auf die nächsten Wochen, in denen es gilt, alle Kräfte zu bündeln und so wenig Fehler wie möglich zu machen. Wir müssen Erfolge erzwingen.

bundesliga.de: Wie macht sich innerhalb der Mannschaft der unbedingte Wille zum Klassenerhalt bemerkbar?

Tremmel: Wir werden alles daran setzen, in der Liga zu bleiben. Jeder von uns weiß, worum es geht - persönlich wie auch für den Verein. Wir sind es nicht anders gewohnt, Cottbus befindet sich in der Regel immer im Abstiegskampf. Es wird bis zum letzten Spieltag alles möglich sein. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben, weil man auch daran wächst.

bundesliga.de: Ihr Mitspieler Daniel Ziebig hat von der besonderen Spannung beim Kampf im den Klassenerhalt gesprochen, die Cottbus kennt und die nicht selten bis zum letzten Spieltag anhält. Empfinden Sie diese Herausforderung ähnlich?

Tremmel: Grundsätzlich ist es natürlich schöner, wenn man oben steht und eine andere Art von Druck verspürt. Der Abstieg aus der Bundesliga ist die bitterste Sache. Es hängt ja auch viel mehr daran als der Tabellenplatz. Für den gesamten Verein und das Umfeld ist ein Abstieg immer ein Rückschritt, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Der Druck ist also immens. Aber wir haben Energie in den vergangenen Jahren erfolgreich weitergebracht und wollen diesen Weg weitergehen.

bundesliga.de: Jetzt kommt Ihnen dabei erstmal die Länderspielpause dazwischen, einige Ihrer Kollegen sind zu ihren Nationalmannschaften gereist. Oder sehen Sie diese Phase vielleicht sogar als Vorteil?

Tremmel: Ob sich das letztlich positiv oder negativ auswirkt, wird sich erst dann zeigen, wenn alle Spieler wieder an Bord sind. Ich glaube aber, dass die Pause nach der Niederlagenserie zu einem guten Zeitpunkt kommt, um auch noch einmal Klartext zu sprechen. Ich erwarte einen Schub für uns auf der Zielgeraden. Gegen Frankfurt und Bielefeld werden die Weichen gestellt. Wenn wir in den beiden Partien erfolgreich sind, wird es ein heißer Tanz bis zum Ende.

bundesliga.de: Ist das nächste Spiel in Frankfurt schon konkret Thema im Trainingsalltag?

Tremmel: Die richtige Vorbereitung geht erst in der nächsten Woche los, aber ich bin schon absolut fokussiert. Wir wollen dort unbedingt punkten - ob es dann einer oder drei Zähler werden - und arbeiten voll konzentriert auf dieses Ziel hin.

Das Gespräch führte Tim Tonner