London - Was war das für ein Abend für Michael Ballack. Erst wurde er mit stehenden Ovationen für seine Verdienste um den FC Chelsea von 2006 bis 2010 nachträglich offiziell verabschiedet. Dann läutete seine Auswechslung fast postwendend die Niederlage von Bayer Leverkusen an der Stamford Bridge ein.

"Das 0:1 hatte nichts mit meiner Auswechslung zu tun. Wir haben gut gestanden und waren gut im Spiel. Dass das Gegentor postwendend gefallen ist, war ein bisschen bitter", erklärte der 34-Jährige, der auch das 0:2 tatenlos von der Bank aus mit ansehen musste.

Ballack, der zum zweiten Mal hintereinander in der Startformation der Werkself auflief, stand nach dem Schlusspfiff Rede und Antwort.

Frage: Herr Ballack, Sie wurden vor dem Spiel offiziell verabschiedet. Was bedeutet Ihnen das?

Michael Ballack: Es war ein sehr schöner Moment. Das war eine tolle Geste vom Verein. Vor allem, weil mein Wechsel ja über ein Jahr her ist. Das weiß ich sehr zu schätzen und es war deshalb auch sehr emotional.

Frage: Konnten Sie sich denn so kurz danach schon wieder auf das Spiel konzentrieren?

Ballack: Ich habe mich sehr gefreut, dass mir der Trainer das Vertrauen geschenkt hat und habe mich von daher sehr auf das Spiel konzentriert. Deshalb konnte ich den Schalter schnell wieder umlegen.

Frage: Sie hätten in der 58. Minute beinahe das 1:0 für Leverkusen erzielt.

Ballack: Ja, das war eine riesen Chance. Da waren wir am Drücker. Ich habe versucht, mit der Pike irgendwie an Petr Cech vorbeizuschießen. Aber er bleibt lange stehen und macht die Beine nicht auf. Wenn ich den Ball reinmache, läuft es vielleicht anders.

Frage: Nur wenig später wurden Sie ausgewechselt. Waren Sie müde?

Ballack: Ich habe mich eigentlich gut gefühlt und hätte auch gerne länger gespielt. Aber gut. Der Trainer hat so entschieden. Mit Renato Augusto ist ja auch ein Spieler gekommen, der noch einmal Impulse setzen kann.

Frage: Hätten Leverkusen das Gegentor mit Ihnen verhindern können?

Ballack: Das 0:1 hatte nichts mit meiner Auswechslung zu tun. Wir haben gut gestanden und waren gut im Spiel. Dass das Gegentor postwendend gefallen ist, war ein bisschen bitter. Das hat uns nicht gerade in die Karten gespielt.

Frage: Was nimmt die junge Mannschaft mit auf die Heimreise?

Ballack: Eine Menge. Für viele war es ja das erste Spiel in der Champions League. Die Atmosphäre ist eine andere und die Gegner bringen alle individuell eine ganz andere Klasse mit. Da herrschte schon Respekt. Den müssen wir beim nächsten Mal ablegen und uns auf unsere Stärken besinnen.

Frage: Und was bedeutet das 0:2 im Hinblick auf die nächsten Partien in der "Königsklasse"?

Ballack: Mit einer Niederlage in Chelsea muss man immer rechnen. Das ist ja keine Schande. Wir müssen uns jetzt auf die nächsten Spiele konzentrieren. Gegen Genk müssen wir unbedingt gewinnen, um unsere Position in der Gruppe zu finden.

Aus London berichtet Michael Reis