Sein Trainer Jupp Heynckes attestierte ihm eine "Weltklasseleistung über zwei Drittel der Saison". Keine Frage, die Verpflichtung von Sami Hyypiä erwies sich als ein Volltreffer für Bayer Leverkusen. Der 36 Jahre alte Finne spielte eine bärenstarke Saison und gab der zuvor schwächelnden Abwehr den nötigen Halt.

Für einen Champions-League-Platz reichte es nicht ganz, doch die Qualifikation für die Europa League beschert Bayer Leverkusen nach zweijähriger Abstinenz ein Comeback in den Fußballstadien Europas. Im Gespräch mit bundesliga.de zieht Hyypiä seine persönliche Bilanz.

bundesliga.de: Wie fällt Ihre persönliche Bilanz Ihrer ersten Saison in der Bundesliga aus?

Sami Hyypiä: Es war ein hochinteressantes Jahr, in dem wir über weite Strecken sehr guten Fußball gespielt haben. Ich denke, dass auch ich meinen Teil dazu beigetragen habe. Ich bin mir selbst gegenüber immer sehr kritisch. Man kann immer besser spielen. Ich lasse jetzt die Saison Revue passieren und mache mir Gedanken darüber, was ich im kommenden Jahr besser machen kann.

bundesliga.de: Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Hyypiä: Sicher, teilweise sogar übererfüllt. Die Art, wie wir über Monate hinweg oben mitgespielt haben, hatten uns nicht viele zugetraut.

bundesliga.de: Das Saisonziel Qualifikation für den internationalen Wettbewerb wurde erreicht. Aber es war sicher auch mehr drin. Wie zufrieden sind Sie mit dem Abschneiden von Bayer 04?

Hyypiä: Am Ende konnten wir unser hohes Level nicht halten. Aber das ist normal. Alle Teams hatten schwächere Phasen, sogar die Bayern. Wir sind zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Wir hatten uns das Ziel gesetzt, in der nächsten Saison international zu spielen. Das haben wir geschafft. Also war es eine gute Saison für uns. Aber im Fußball kann man nie mit dem zufrieden sein, was man erreicht hat. Wenn man mehr erreichen kann, muss man alles dafür geben, das zu schaffen. Nächste Saison haben wir ein Jahr mehr an Erfahrung. Wir haben jetzt schon zusammen eine gute Saison gespielt. In der kommenden Spielzeit kennen wir uns alle noch besser und können noch besser spielen. Aber dafür müssen wir ab Juni sehr hart arbeiten.

bundesliga.de: Warum konnte Bayer 04 "nur" eine Dreiviertel-Saison auf höchstem Niveau spielen?

Hyypiä: Weil wir eine sehr junge Mannschaft haben, die außerdem viele Verletzungen zu verkraften hatte. Verletzungen von Spielern, die enorm wichtig sind. Simon Rolfes, Renato Augusto, Michal Kadlec, Gonzalo Castro oder auch Patrick Helmes ersetzt man nicht mir nichts, dir nichts über einen längeren Zeitraum. Da geht höchste Qualität verloren.

bundesliga.de: Welche Lehren kann Bayer aus dieser Saison ziehen?
Hyypiä: Man muss nach Niederlagen schnell Wege finden, Spiele zu gewinnen. Die Reaktion kam bei uns nicht im nächsten Spiel. Wir hatten auch eine unglückliche Phase, in der wir gut gespielt, aber nicht gewonnen haben. Wenn man ein Champion sein will, muss man aber die ganze Saison konstant spielen. Es reicht nicht drei Viertel der Saison gut zu spielen, wenn man im letzten Viertel nicht mehr die Resultate macht. Man kann mal ein schlechtes Spiel machen, muss dann aber im nächsten wieder punkten. Aber wir haben wie gesagt ein sehr junges Team. Jeder wird aus dieser Saison lernen und hat dann ein Jahr mehr Erfahrung.

bundesliga.de: Wie gut hat Ihnen das viele Lob für Ihre Leistung getan, nachdem Ihre Verpflichtung ja anfangs wegen Ihres Alters auch kritisch gesehen wurde?

Hyypiä: Ich mache mich nicht abhängig von der Kritik anderer Leute, ob nun positiv oder negativ. Grundsätzlich ist es aber keine schlechte Motivation, Kritiker zu widerlegen.

bundesliga.de: Sie werden im Oktober 37 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch spielen?

Hyypiä: So lange es mir Spaß macht. Wenn ich mich zum Training quälen muss, dann würde es keinen Sinn mehr machen.

bundesliga.de: Sie haben in einigen Ländern Europas gespielt. Wie stark schätzen Sie die Bundesliga im internationalen Vergleich ein?

Hyypiä: Die Bundesliga ist eine aufregende Liga und sicher die spannendste Liga Europas. Ich habe immer gesagt, dass Bayern München der Favorit auf den Titel ist. Aber selbst sie mussten hart dafür kämpfen, weil die Bundesliga eine sehr ausgeglichene Liga ist. Abgesehen von Bayern München sind hier neun, zehn Mannschaften auf Augenhöhe, das ist einzigartig. Im Ausland schaut man neidisch darauf, dort sind es meistens nur wenige Teams, die oben mitmischen können.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski