München - Neben Borussia Dortmund ist der VfB Stuttgart die Mannschaft der STunde in der Bundesliga. Die Schwaben haben sich in den vergangenen Wochen bis auf Platz 5 hochgearbeitet und bereits sieben Punkte Vorsprung auf Platz 8, der nicht mehr zur Teilnahme an der Europa League berechtigt.

Wie die positive Entwicklung des VfB zu erklären ist und welche Vereine er noch im kommenden Jahr im internationalen Geschäft erwartet, verriet Guido Buchwald, VfB-Ikone und Weltmeister von 1990, im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Das Rennen um die drei Plätze in der Europa League verspricht in dieser Saison spannend zu werden. Hat der VfB Stuttgart momentan die besten Chancen?

Guido Buchwald: Ja, das denke ich schon. Der VfB Stuttgart hat der in den letzten Monaten eine rundherum positive Entwicklung genommen. Bruno Labbadia hat in der Rückrunde die Mannschaft gefunden und in der Winterpause gezielt verstärkt. Mit Vedad Ibisevic hat er nun den Strafraumstürmer, der zuvor noch gefehlt hatte. Angetan bin ich auch von dem Riesentalent Gotoku Sakai in der Abwehr.

bundesliga.de: Wodurch zeichnet sich der VfB aus?

Buchwald: Durch einen guten Teamspirit und das passende System. Die Mannschaft spielt erfolgreich. Es macht richtig Spaß, ihr zuzuschauen. Sie wird derzeit von einer Euphoriewelle getragen und punktet als einziges Team der Europa-League-Kandidaten konstant.

bundesliga.de: Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Schwaben nun schon seit Jahren in der Rückrunde viel besser punkten als in der Hinserie?

Buchwald: Nein, aber es ist schon auffallend und unerklärlich. Meistens zählt der VfB in der Rückrunde zu den Top-3. Vielleicht brauchen sie die Hinrunde, um sich als Team zu finden. Dazu haben sich die bereits angesprochenen Veränderungen im Kader in der Winterpause positiv bemerkbar gemacht.

bundesliga.de: Konnte VfB-Trainer Bruno Labbadia nun sein Image loswerden, dass er nicht über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgreich arbeiten kann?

Buchwald: Bruno Labbadia hat seine Stammelf gefunden. Ich freue mich für ihn, dass er so erfolgreich ist. Denn er steckte lange in einer Schublade. Jetzt zeigt seine Mannschaft über einen längeren Zeitraum guten Fußball. Für jeden Fußballer, egal ob Spieler oder Trainer, ist es schwer, aus ein Image wieder loszuwerden. Selbst Otto Rehhagel galt in seiner ersten Trainerjahren nur als Feuerwehrmann, der kurzfristig aber nicht nachhaltig Erfolg hat. Dann hat er in Bremen über ein Jahrzehnt lang bewiesen, dass er langfristig erfolgreich arbeiten kann.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Martin Harnik, der im Moment trifft, wie er will?

Buchwald: Sehr positiv. Harnik verkörpert diese Entwicklung des VfB. Er hat eine Weile gebraucht, um sich durchzubeißen und ist jetzt ein absoluter Leistungsträger. Der VfB kann sich glücklich schätzen, so einen kompletten Spieler in seinen Reihen zu haben.

bundesliga.de: Wer kann dem VfB noch gefährlich werden?

Buchwald: Die besten Chancen sich hinter dem VfB Stuttgart für die Europa League zu qualifizieren, räume ich Bayer Leverkusen und Hannover 96 ein. Von Leverkusen bin ich etwas enttäuscht. Jeder hatte sie vor der Saison als Titelaspiranten gesehen und erwartet, dass sich die "Werkself" in den Top-3 etabliert. Aber viele Spieler, nicht nur Michael Ballack, haben nicht ihr Leistungsvermögen abgerufen. Warum auch immer. Sie hatten die ganze Saison über Probleme, müssten aber stark genug für Platz 6 sein.

bundesliga.de: Und Hannover 96?

Buchwald: Hannover 96 spielt einen Fußball mit sehr viel Aufwand im läuferischen Bereich mit hohem Tempo. Es ist bewundernswert, wie die Mannschaft von Mirko Slomka in den letzten beiden Jahren gespielt hat. Viele Spieler sind aber die Doppelbelastung nicht gewohnt, deshalb droht den Niedersachsen ein bisschen, die Luft auszugehen.

bundesliga.de: Haben Sie noch Wolfsburg oder Bremen noch auf der Rechnung?

Buchwald: Nein, jetzt nicht mehr. Vor einigen Wochen hatte ich auch Wolfsburg noch auf der Rechnung. Aber nach drei Niederlagen in Folge und dem 1:2 gegen Augsburg zuletzt dürfte es für den VfL sehr schwer werden. Werder Bremen ist in der ganzen Rückrunde arg von Verletzungen gebeutelt und konnte sich als Team nicht mehr finden. Daher denke ich, dass die Mannschaften am Ende in der Reihenfolge einlaufen werden, in der sie jetzt auch sind.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski