München - Am 22. Spieltag heißt es Vorhang auf für das 96. Nordderby zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen. Keine andere Begegnung gab es in der Bundesliga so häufig wie die zwischen den "Rothosen" und der Mannschaft von der Weser. Vor dem Traditionskick im hohen Norden ist das Knistern bereits zu spüren.

"Jeder weiß, was ein Derby bedeutet", ist sich HSV-Trainer Thorsten Fink sicher. "Jedem muss klar sein, dass man nach einer Niederlage wochenlang gehänselt wird. Das kann man nicht gleich wieder gutmachen." Im Falle eines Sieges könnten die Hamburger nach ihrem Stolperstart in dieser Saison auf vier Punkte an Werder heranrücken.

In den weiteren Samstagsspielen empfängt die angeschlagene "Alte Dame" aus Berlin im ersten Spiel nach Michael Skibbe und ihrem 1000. Bundesligaspiel überhaupt Ligaprimus Borussia Dortmund. Bayer Leverkusen muss sich nach der Champions-League-Niederlage gegen den FC Barcelona mit dem FC Augsburg messen. Der "Club" aus Nürnberg hat den 1. FC Köln zu Gast. Zudem treten die formstarken "Fohlen" von Lucien Favre auswärts beim 1. FC Kaiserslautern an (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Vor dem 96. Bundesligaderby mit Werder möchte HSV-Trainer Thorsten Fink nicht an ein negatives Erlebnis denken. "Wir gehen zum ersten Mal mit positivem Druck ins Spiel", erklärte der 44-Jährige. Grund dafür seien die vergangenen drei Spiele, in denen sich die Mannschaft sehr gut präsentiert habe. Sieben Punkte aus den Partien gegen Hertha BSC, Bayern und zuletzt Köln lassen einen deutlichen Aufwärtstrend erkennen. "Wir haben ein gesundes Selbstvertrauen und berechtigte Chancen, das Spiel zu gewinnen", sagt der Coach. Wichtig sei dabei, die gezeigten Leistungen zu bestätigen: "Nur wenn wir mit dem gleichen Elan, der gleichen Leidenschaft und dem gleichen Kampfgeist agieren, haben wir eine Chance." In der Startaufstellung wird es voraussichtlich nur eine Änderung geben: Tomas Rincon kehrt nach seiner Gelbsperre für Gojko Kacar zurück ins Team. Auf anderen Positionen sieht Fink keinen Anlass, etwas zu ändern. Lediglich Tom Mickel (Handbruch), Gökhan Töre und Marcus Berg (beide Trainingsrückstand) stehen ihm nicht zur Verfügung.

Nur wenige besaßen im Spätsommer des letzten Jahres den Mut, bezüglich des HSV Zuversicht zu verbreiten. Thomas Schaaf war einer derjenigen. "Der HSV besitzt die Qualität, den Weg zu gehen, den sie sich vorstellen", hatte Werders Cheftrainer vor dem Hinrunden-Aufeinandertreffen versichert. Und auch wenn es noch ein paar Wochen dauerte, bis der Bundesliga-Dino nach einem schlechten Saisonbeginn in die Spur fand, scheint der Verlauf der Dinge dem Trainer-Haudegen Recht zu geben. Zum bevorstehenden Nordderby müssen die "Grün-Weißen" bei einem "Mitkonkurrenten um einen internationalen Platz" antreten, wie es Schaaf formuliert. "Die Ergebnisse sind gut. Die Hamburger funktionieren wieder als Mannschaft, in der jeder die Aufgaben auf den einzelnen Positionen richtig gut ausfüllt", hat der dienstälteste Trainer der Bundesliga für den Gegner lobende Worte parat. Trotzdem dürfen sich die Bremer berechtigte Hoffnungen machen. "Wir haben oft genug bewiesen, dass wir dort gut aussehen können", unterstreicht Geschäftsführer Klaus Allofs. Nicht mit an Bord sind bei Werder Sebastian Prödl (Gesichtsoperation), Naldo, Tim Borowski (beide Trainingsrückstand) und Aaron Hunt (Leistenprobleme).



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Das Spiel gegen Borussia Dortmund ist in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderes: Mit den Dortmundern kommt nicht irgendeine Mannschaft nach Berlin, sondern der amtierende Deutsche Meister und derzeitige Tabellenführer. Außerdem bestreitet die Hertha das 1000. Bundesligaspiel ihrer Vereinsgeschichte. Zudem feiern Rene Tretschok und Ante Covic nach der Trennung von Michael Skibbe ihre Trainerpremiere bei den Berlinern. Dem Duo blieben nur fünf Trainingseinheiten, um die Mannschaft auf das Spiel vorzubereiten. "Die Jungs haben es uns leicht gemacht. Wir konnten das erarbeiten, was wir uns auch vorgenommen haben", lobt Tretschok die Einstellung seines Teams. Gegen den BVB werden den beiden Interimstrainern des Hauptstadtclubs definitiv Andreas Ottl (Rotsperre), Christian Lell (Muskelverletzung am Oberschenkel), Fabian Lustenberger (Mittelfußprellung) und Maik Frantz (Kreuzbandriss) fehlen.

Für Jürgen Klopp und seine jungen Dortmunder ist das Auswärtsspiel bei Hertha BSC eine Reise ins Ungewisse. Denn nach dem Trainerwechsel bei den Berlinern weiß Jürgen Klopp nicht, "wie sie sich taktisch aufstellen". Der BVB-Coach sagt in böser Vorahnung: "Es ist schon ganz oft passiert, dass eine Mannschaft nach einem Trainerwechsel ganz anders auftritt. Ein Neustart kann Kräfte frei machen." Die Statistik spricht allerdings gegen die Kicker aus der Hauptstadt: Die heimschwächste Mannschaft der Liga trifft nämlich auf das auswärtsstärkste Team, die schlechteste Mannschaft der Rückrunde auf die beste. Außerdem haben Klopp und Co. nach dem 1:2 im Hinspiel noch eine Rechnung zu begleichen: "Wir haben am eigenen Leib erfahren, was die Hertha zu leisten im Stande ist und werden uns kämpferisch nicht überraschen lassen". Nicht im "schwarz-gelben" Kader stehen Shinji Kagawa (Bänderanriss), Mario Götze (Schambein-Entzündung), Julian Koch (Aufbautraining) und Florian Kringe (nicht berücksichtigt).



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Für Bayer 04 Leverkusen zählt im Heimspiel gegen den FC Augsburg nichts anderes als ein Sieg. Andreas Rettig, der Augsburger Manager mit Bayer-Vergangenheit, hatte es in Anspielung auf die Champions-League-Partie der "Werkself" gegen den Titelverteidiger so ausgedrückt: "Leverkusen ist unser Barcelona." Bayer-Trainer Robin Dutt hat keine Probleme mit diesem Vergleich. "Es ist vollkommen klar, dass wir der Favorit sind. Und wir sind auch absolut gewillt, dieser Rolle gerecht zu werden", sagte er auf der Pressekonferenz am Freitag. Dass es eine Herausforderung ist, nach dem Highlight in der "Königsklasse" nun den Schalter auf den Alltag umzulegen, ist Dutt natürlich bewusst. "Wir arbeiten hier mit jungen Leuten, die eine klare Fokussierung auf die Aufgabe brauchen. Genau das werde ich heute tun", betonte er. Gegen Augsburg müssen Tranquillo Barnetta, Rene Adler (beide Trainingsrückstand), Sidney Sam (Muskelbündelriss), Eren Derdiyok (Schnittwunde) und Michael Ballack (Muskelfaserriss) verletzt passen.

Dass Leverkusen den FCA nach dem Champions League-Auftritt gegen den FC Barcelona unterschätzen könnte, glaubt Augsburg-Trainer Jos Luhukay nicht: "Barcelona war für Bayer sicherlich ein Erlebnis und jetzt kommt der 'kleine FCA'. Aber Bayer möchte ja auch in der kommenden Saison international vertreten sein und wird dieses Spiel entsprechend gewinnen wollen." Der Niederländer sieht die "Werkself", die das Hinspiel 4:1 gewonnen hatte, als Favoriten. "Die Rollen sind klar verteilt, denn beide Mannschaften sind von der Qualität her eigentlich gar nicht miteinander zu vergleichen", weiß Luhukay, der dennoch zuversichtlich ist: "Wir wollen dort punkten und mit unseren Tugenden Leidenschaft und Engagement die spielerische Klasse von Leverkusen kompensieren." Luhukay muss in Leverkusen auf Marcel de Jong (Sprunggelenk), Tobias Werner (Mittelhandbruch), Daniel Baier (Gelbsperre), Jan Moravek (Muskelfaserriss), Rafael (Schulterverletzung) und Dawda Bah (Aufbautraining) verzichten.



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Die Voraussetzungen für diese Partie sind auf beiden Seiten ähnlich: Sowohl der 1. FC Nürnberg als auch der 1. FC Köln möchten ihren zweiten "Dreier" in der Rückrunde einfahren und somit den Abstand auf die Abstiegsränge vergrößern. Die Zahlen sehen den "Club" eindeutig im Vorteil: Die letzten sieben Heimspiele gewannen die Franken gegen die "Geißböcke". FCN-Trainer Dieter Hecking warnt allerdings davor, das kommende Spiel als Selbstläufer zu betrachten, denn: "Kein Spiel ist von vornerein gewonnen." Trotzdem sieht er in seiner Mannschaft die "Qualität, um Köln zu schlagen". Eine Qualitätssteigerung erhofft sich der Coach durch Winter-Neuzugang Hanno Balitsch, der, "wenn nichts Unvorhergesehenes passiert", sein Debüt geben wird. Ansonsten schließt der "Club"-Coach nicht aus, wie auch im Spiel gegen Augsburg in der Aufstellung wieder für die eine oder andere Überraschung zu sorgen. Verzichten muss Hecking auf Almog Cohen (5. Gelbe Karte), Javier Pinola (Trainingsrückstand) und Per Nilsson (Lauftraining).

"Ich denke, wir haben eine gute Chance, am Samstag zu punkten", erklärt Kölns Trainer Stale Solbakken, wenngleich der Norweger vor der körperlichen Stärke des FCN warnt: "Nürnberg ist eine sehr robuste Mannschaft, die vor allem bei Standardsituationen für Gefahr sorgt." Daher fordert der FC-Coach von seinen Spielern die nötige Cleverness: "Wir müssen kontrolliert in die Zweikämpfe gehen und wenig Eckbälle sowie Freistöße in Tornähe zulassen." Als einzige Änderung im Vergleich zur knappen Heimniederlage gegen den Hamburger SV rückt Miso Brecko nach abgesessener Rotsperre wieder in den Kader. Der Slowene nimmt den Platz von Ammar Jemal ein, der aufgrund eines Muskelfaserrisses nicht mitwirken kann. Einsatzfähig ist dagegen Henrique Sereno. Der Portugiese musste zwar unter der Woche wegen Adduktorenproblemen pausieren, "für Samstag ist er aber klar", kündigte Solbakken an. Sicher ausfallen werden Adil Chihi (Kreuzbandriss), Lukas Podolski (Bänderanriss im Fuß), Petit (Trainingsrückstand), Christopher Buchtmann und Mark Uth (beide Schambeinentzündung)



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Eine lange Serie ohne eigenen Sieg ist für den 1. FC Kaiserslautern seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga keine völlig neue Situation. Auch in der letzten Saison schaffte die Elf von Cheftrainer Marco Kurz nach dem 2:0-Coup am zweiten Spieltag gegen Bayern München in den sieben folgenden Partien keinen Sieg. Dann kam Borussia Mönchengladbach ins Fritz-Walter-Stadion und die "Roten Teufel" gewannen mit 3:0. Diese Erfahrung sollte den Lauterern Mut machen. "Wir müssen unsere Qualität step by step über den Wettkampf erarbeiten. Dazu ist es nötig, mutig aufzutreten. Das ist der Schlüssel, um in die Partie zu finden," weiß Kurz. Dazu beitragen kann auf jeden Fall Jan Simunek. Der Tscheche hat die Woche nach überstandenen Adduktorenproblemen wieder voll trainiert. Ebenso zurück im Team ist Mittelfeldspieler Pierre De Wit. Dafür steht Kurz neben Alexander Bugera und Dorge Kouemaha (Trainingsrückstand nach Adduktoren-Bündelriss) auch Itay Shechter wegen einer leichten Muskelverhärtung nicht zur Verfügung.

Natürlich sind die "Fohlen" nach ihrem Gala-Auftritt gegen den FC Schalke 04 haushoher Favorit. Trotzdem dürften die Borussen nach den 0:1-Niederlagen bei den "Kellerkindern" Freiburg und Augsburg gewarnt sein. "Die Bundesliga ist nun mal sehr ausgeglichen und vor allem, wenn man auswärts spielt, ist es nie einfach", sagt Kapitän Filip Daems im bundesliga.de-Interview. "Kaiserslautern wird ein ganz anderes Spiel als zuletzt gegen Schalke 04. Das wird ein Kampfspiel, in dem wir erst einmal dagegenhalten und dann unser Spiel durchsetzen müssen." Auf Seiten der Gladbacher hat sich das Fragezeichen hinter einer ganz wichtigen Personalie in Luft aufgelöst. Marco Reus absolvierte das Abschlusstraining ohne Beschwerden und fuhr mit nach Kaiserslautern. "Ich fühle mich gut, habe keine Schmerzen mehr. Ich hoffe, dass es so bleibt. Daher gehe ich aktuell davon aus, dass ich auch spielen kann", prognostiziert der Nationalspieler. Der 22-Jährige hatte die gesamte Woche über mit Adduktorenproblemen zu kämpfen. Stürmer Mike Hanke trat die Reise in die Pfalz dagegen wegen eines grippalen Infekts nicht an. Auch Innenverteidiger Martin Stranzl (Kapselriss im Sprunggelenk) und Mittelfeldakteur Thorben Marx (Innenbanddehnung) sind gegen den Tabellensechzehnten nicht mit von der Partie.



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