Dortmund - Der BVB dominiert nach dem 2:0-Erfolg über den HSV weiter die Bundesliga. Sven Bender gibt sich trotzdem selbstkritisch - und Träume von der Meisterschaft bleiben tabu.

Dass der BVB die Tabelle anführt und gegen den Hamburger SV zum dritten Mal in Folge ohne Gegentreffer blieb, ist auch ein großer Verdienst von Sven Bender. Seit Wochen spielt der 21-Jährige in toller Form, räumt im Mittelfeld alles ab und setzt dazu Akzente in der Offensive. Im Gespräch mit bundesliga.de spricht Bender nach dem zehnten Saisonsieg über Zielstrebigkeit, Qualität und Ruhe, geile Stimmung im Stadion und eigene Ambitionen auf das Nationaltrikot.

bundesliga.de: Sven Bender, der 2:0-Erfolg gegen den HSV war souverän herausgespielt. Sie dürften sehr zufrieden sein?

Sven Bender: Wenn man selbst gegen eine Spitzenmannschaft wie den HSV einen Sieg vorlegt und dann die Beine hoch legen und in Ruhe gucken kann, was die anderen Teams machen - besser kann so ein Wochenende nicht beginnen. Ausschlaggebend war diesmal das erste Tor. Danach haben wir immer wieder Nadelstiche gesetzt. Der zweite Treffer hat uns dann endgültig in die Karten gespielt. Das war im übrigen großartig gemacht von Kevin Großkreutz, der den Ball ganz mannschaftsdienlich quer legt und nicht selbst aufs Tor schießt. Das war schon genial.

bundesliga.de: In der ersten Halbzeit haben sich beide Mannschaften noch weitgehend neutralisiert. Hat der BVB da bewusst etwas zurückhaltender agiert?

Bender: Das war eigentlich nicht unsere Absicht. Hamburg hat sehr kompakt gestanden, während wir uns ein bisschen schwer getan haben. Kämpferisch war alles in Ordnung. Wir haben auch in dieser Phase viel Ballbesitz gehabt, aber wir haben daraus zu wenig gemacht. Wir haben nicht zielstrebig genug nach vorne gespielt.

bundesliga.de: Warum lief es in der zweiten Hälfte besser?

Bender: Wir haben in der Pause klar angesprochen, dass der HSV bis zu diesem Zeitpunkt sehr diszipliniert gespielt hat und wir einfach mal diesen einen Moment brauchen, um in Führung zu gehen. Das Tor unmittelbar nach der Pause hat uns dann vieles erleichtert. Die Bewegung, die wir in der ersten Halbzeit auch schon hatten, war dann klarer und zielstrebiger Richtung Tor. Wir hatten dann auch die nötigen Räume, um unser Offensivspiel besser umzusetzen.

bundesliga.de: Der BVB hat über das gesamte Spiel sehr geduldig und abgeklärt gewirkt. Woher nimmt die Mannschaft diese Ruhe?

Bender (lacht): Das weiß ich selbst nicht so genau! Aber so ruhig sind wir auch gar nicht. Es waren wieder 80.000 Zuschauer da, es war eine enorm geile Stimmung, die uns nach vorne gepusht hat und die uns laufen lässt ohne Ende. Die nötige Ruhe in der einen oder anderen Situation kommt dann einfach irgendwie von selbst.

bundesliga.de: Obwohl der BVB eine so junge Mannschaft hat?

Bender: Die Mischung bei uns stimmt einfach. Wir haben jüngere und erfahrenere Spieler. Wir haben technisch starke Spieler und solche, die sich vor allem über die Zweikämpfe definieren. Und wir haben eben auch die Spieler, die eine enorme Ruhe am Ball haben. Das zeigt sich in so einer Partie besonders.

bundesliga.de: Beruhigt es auch zusätzlich, zu wissen, dass auf der Ersatzbank immer noch erstklassige Spieler wie Blaszczykowski oder Lewandowski sitzen?

Bender: Auf jeden Fall! Die Spieler, die wir im Moment frisch in die Partie bringen können, stehen für absolute Qualität. Es sind Spieler, die eine Partie entscheiden können. Es zahlt sich aus, dass wir einen so starken Kader haben. Und den brauchen wir auch für unsere Ziele.

bundesliga.de: Apropos Ziele: Nach der Partie sangen die Fans lautstark "Deutscher Meister wird nur der BVB" - und die Spieler haben kräftig mitgefeiert. Wollen Sie jetzt doch über die Meisterschale sprechen?

Bender: Die Saison ist doch noch so lang. Wir haben erst zwölf Spieltage absolviert. Natürlich sind wir mit der Momentaufnahme sehr zufrieden und auch sehr glücklich. 31 Punkte zu diesem Zeitpunkt sind eine sehr starke Leistung. Aber wir wissen das wirklich einzuordnen und einzuschätzen. Es kommen noch so viele Spiele und es kann noch so viel passieren.

bundesliga.de: Nach den vielen "englischen Wochen" steht jetzt eine achttägige Pause bis zum Spiel in Freiburg an. Sind Sie froh?

Bender (lacht): Einige Spieler sind mit der Nationalmannschaft unterwegs, da bleiben sie wenigstens im Rhythmus. Im Ernst: Die anderen Spieler können sich jetzt mal ein paar Tage ein wenig zurücklehnen. Und ganz ehrlich - das tut auch mal ganz gut!

bundesliga.de: Sie selbst zählen auch zu den Spielern, die sich ein wenig zurücklehnen können. Wäre es Ihnen lieber, wenn Sie auch mit zur Nationalmannschaft dürften?

Bender: Es ist allgemein bekannt, dass mich so etwas überhaupt nicht beschäftigt. Den Jungs, die jetzt dabei sind, gönne ich das absolut. Sie haben sich das mit ihren Leistungen verdient. Was mich betrifft, wird die Zukunft zeigen, was kommt. Da bin ich ganz ruhig und entspannt. Wenn man gute Leistungen in seinem Club bringt, wird der Weg für einige in die Nationalmannschaft führen. Sollte mein Name eines Tages dabei sein - sehr gerne!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte