Lissabon - Noch lange nach Spielschluss stand Khalid Boulahrouz bei den Fans des VfB Stuttgart und diskutierte mit ihnen über das 1:2 gegen Benfica. Alle waren sich einig, dass diese Niederlage vermeidbar war.

Doch auch wenn sich Boulahrouz direkt nach dem Abpfiff verärgert die Haare raufte, so blickte er nach dem Duschen schon wieder positiv in die Zukunft. "Wir haben uns als Mannschaft präsentiert und sind nicht eingebrochen. Dadurch haben wir wieder Selbstvertrauen getankt", sagte er im bundesliga.de-Interview.

bundesliga.de: Herr Boulahrouz, Ihr Trainer hat vor dem Spiel gesagt, dass er mit einem knappen Ergebnis zufrieden wäre, wenn der VfB denn auch ein Tor schießt. Darf Stuttgart also mit dem 1:2 zufrieden sein?

Khalid Boulahrouz: Aufgrund des Spielverlaufs können wir das nicht sein. Wir haben Benfica in der ersten Halbzeit unter Druck gesetzt und waren die bessere Mannschaft. Dann kommen wir aus der Kabine und machen zu viele einfache Fehler. Das darf uns nicht passieren. Dass man dann irgendwann unter Druck gerät, ist die logische Konsequenz.

bundesliga.de: Spielte da vielleicht auch ein Stück weit Verunsicherung aus dem Liga-Alltag mit?

Boulahrouz: Nein. Wir haben in der zweiten Halbzeit einfach zu oft gegrätscht, anstatt auf den Beinen zu bleiben, um den Gegner zu stellen. Dadurch hatte Benfica immer häufiger eine Überzahlsituation und kam so besser ins Spiel. Dann wird es auch extrem schwierig, sich vernünftig aus der eigenen Hälfte zu befreien.

bundesliga.de: Sie hatten es mit einem der wohl offensivstärksten Linksverteidiger zu tun. Wie bewerten Sie das Duell gegen Fabio Coentrao?

Boulahrouz: Jeder Spieler hat seine Qualitäten. Er hat seine, ich meine. Es ist auf dem Rasen ja auch immer wie bei einem Boxkampf. Ein jeder möchte den Platz als Sieger verlassen. Da geht es hin und her. Ich war zwar von seiner Leistung beeindruckt, aber dennoch hatten wir unsere rechte Seite unter Kontrolle.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Chancen im Rückspiel in Stuttgart ein?

Boulahrouz: Wir müssen unbedingt ein Tor schießen - und gegen diese Mannschaft können wir auch ein Tor schießen. Benfica ist zwar sehr spielstark, aber wenn man sie unter Druck setzt, bekommen sie Probleme. Das hat man ja gesehen.

bundesliga.de: Und welche positiven Eindrücke nehmen Sie mit in das nächste Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen?

Boulahrouz: Wir haben uns als Mannschaft präsentiert und sind nicht eingebrochen. Dabei haben uns viele Spieler gefehlt. Wir haben bei einem starken Gegner Mentalität gezeigt. Dadurch haben wir wieder Selbstvertrauen getankt.

Aus Lissabon berichtet Michael Reis