Am 27. Spieltag reist Arminia Bielefeld zum brisanten Duell nach Cottbus. Vier Punkte trennen den Tabellenvierzehnten vom Vorletzten Energie. Im Interview spricht Arminias Abwehrspieler Nico Herzig über die Bedeutung der Partie und die notwendige Erfahrung im Abstiegskampf.

Frage: Wenn man die letzten drei Spiele vergleicht, hat Arminia Bielefeld gegen Wolfsburg und Schalke teilweise geglänzt, aber verloren, und in Karlsruhe mäßig gespielt, aber gewonnen. Ist das nicht irgendwie verwirrend?

Nico Herzig: Ja, aber was entspricht im Fußball schon logischen Gesetzen? Man braucht kein Prophet zu sein, um zu wissen, dass in diesem Sport immer alles möglich ist. Einmal spielt man nicht so gut, hat Glück und gewinnt, beim nächsten Mal versucht man alles, hat Chancen, auch gegen die Großen, und kriegt dann das 0:2 oder 0:3 und alles ist vorbei. Wer das Spiel nicht gesehen hat und nur das nackte Ergebnis von 0:3 sieht, denkt, wir wurden in Grund und Boden gespielt. Das entspricht nicht der Realität und ist deshalb sehr schade.

Frage: In Arminias aktueller Werbekampagne heißt es "Eier zeigen". Ist dieses Motto in Cottbus mehr denn je gefragt?

Herzig: Spiele gegen direkte Konkurrenten sind immer etwas Besonderes. Für beide Mannschaften geht es um viel, uns wird auf jeden Fall - wie eigentlich in jedem Spiel - alles abverlangt. Vor allem, weil Cottbus mit den gleichen Voraussetzungen wie wir ins Spiel geht. Außerdem verfügt Energie über dieselbe Spielweise und findet, genau wie Arminia, über Teamgeist und Kampf in die Partie. Wir werden in den nächsten Spielen alles daran setzen, unsere Chancen konsequent zu verwerten. Dann sehe ich das Ganze positiv.

Frage: Bei Energie spricht man vom kommenden Spiel als das ultimatives Finale. Auch Vlad Munteanu nahm das Wort schon in den Mund. Wie stehen Sie zu dem Begriff "Finale"?

Herzig: Finale ist ein blöder Begriff, weil danach noch immer viele Spiele warten und noch alles möglich ist. Schließlich haben wir auch schon Leverkusen geschlagen und können auch den FC Bayern schlagen. Deshalb ist es in dem Sinne kein Finale, sondern einfach ein extrem wichtiges Spiel, mit dem wir Cottbus auf Abstand halten oder ihn sogar vergrößern können. Deswegen wären für uns die drei Punkte genau richtig. Es bricht aber keine Welt zusammen, wenn wir die Punkte nicht holen.

Frage: Mit einem Sieg könnte man Energie bis auf sieben Punkte davonziehen. Ist der Begriff "Matchball" vielleicht eher angebracht?

Herzig: Ja, auf jeden Fall. Es ist eine Art Matchball-Spiel, eben ein enorm wichtiges Spiel. Wir werden alles daran legen, drei Punkte mitzunehmen.

Frage: Sie haben mit Alemannia Aachen einen Abstieg hautnah miterlebt. Was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt, was Dir oder Euch jetzt zugute kommen kann?

Herzig: Damals bei Aachen war es so, dass wir neun Spieltage vor Schluss einen derart großen Vorsprung hatten, dass wir dachten, es könnte nichts mehr anbrennen. Vielleicht war das der Fehler. Wir haben das Ganze zu leicht gesehen und manche Spiele dann noch unglücklich verloren. Aber dadurch, dass Arminia, wie auch in dieser Saison, immer im Abstiegskampf steckt und man sich zu jeder Zeit damit auseinandersetzen muss, würde zumindest mir das auf keinen Fall noch einmal passieren.