Stuttgart - Nach der Heimniederlage gegen Freiburg schwört sich der VfB Stuttgart auf die kommenden Aufgaben ein. Fehlenden Realitätssinn wollen sie sich in Stuttgart dabei nicht nachsagen lassen:

"Noch 105 Tage Abstiegskampf!", hatte bereits die Stadionzeitung vor dem Spiel gegen den SC Freiburg getitelt. Auch Gratis-Fanschals mit dem entsprechenden Motto waren verteilt worden. Und da ein bisschen Optimismus im Kampf um den Klassenerhalt auch nicht schaden kann, erklang die Torhymne schon mal gleich eine Viertelstunde vor dem Anpfiff.

Torhymne live, aber ohne Anlass

Da die des VfB von der kalifornischen Band "Pennywise" stammt und die praktischerweise des Abends in dem Stuttgarter Szeneclub "LKA" aufspielte, gab es die "Bro-Hymn" ausnahmsweise ohne Anlass - dafür aber live gespielt. Vom Tonband ertönte der eingängige Song am Sonntag Nachmittag nicht - den einzigen Treffer des Tages erzielte Johannes Flum für den Gast aus Freiburg (24.). Deshalb sangen nach den 90 Minuten die Freiburger Fans davon, wie schön es sei, "die Nummer eins im Land" zu sein. Aus den Boxen erschall derweil das Lied "Steh auf, wenn du am Boden liegst". Die Toten Hosen spielt der VfB immer, wenn er zu Hause verloren hat.

Kurz zuvor hatte der eingewechselte Martin Harnik die größte Chance des VfB vergeben, als er freistehend aus zwei Metern Entfernung den Ball nicht im Tor unterbrachte (89.). Kurz zuvor war bereits der ebenfalls eingewechselte Sven Schipplock an SC-Keeper Oliver Baumann gescheitert. "Wir haben die erste verschlafen, und da war das Spiel verloren", ärgerte sich VfB-Trainer Bruno Labbadia nach dem Schlusspfiff, "aber auch die vergebenen Chancen nach der Pause tun weh." Und Christian Träsch assistierte: "Wir sind Tabellensiebzehnter. Dass wir da nicht vor Selbstvertrauen strotzen, ist klar. Wir haben die Freiburger einfach zu viel spielen lassen."

Dennoch hatte es der VfB geschafft, in der 2. Halbzeit wieder auf die Beine zu kommen. Nach dem schwachen ersten Durchgang war der VfB immerhin feldüberlegen, hinten ließ er ebenfalls nichts mehr anbrennen. Und dennoch: Die Verunsicherung war dem Team aber dennoch stets anzumerken. Ebenso wie Labaddia mahnte auch Manager Fredi Bobic nach der Partie zur Gelassenheit: "Wir wussten von Anfang an, dass wir in einer schwierigen Situation sind. Daran hätte auch ein Sieg wenig geändert. Es ist ein langer Weg, um da unten rauszukommen."

Zwei enorm wichtige Spiele

Da Borussia Mönchengladbach eine halbe Stunde, nachdem Bobic diese Aussage getätigt hatte, drei Punkte in Frankfurt holte und nun punktgleich mit dem VfB auf dem letzten Tabellenrang ist, will man aus den nächsten beiden Spielen am liebsten zwei Siege holen. Am kommenden Samstag muss der VfB zum Kellerduell nach Mönchengladbach, eine Woche später empfängt er den "Club" aus Nürnberg.

Spätestens dann soll auch Shinji Okazaki im Kader stehen. Der japanische Offensivallrounder unterschrieb am Sonntag einen Vertrag bis 2014. Und hatte gleich ein paar tröstende Worte parat: "Ich weiß über den VfB, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass er in der Champions League gespielt hat." Sprach's und entschwand gen Heimat. Seine Frau hatte dort gerade einen Sohn zur Welt gebracht.

Aus Stuttgart berichtet Christoph Ruf