Borussia Mönchengladbach hat seine gesteckten Saisonziele erreicht. Eine stabile Spielzeit ohne Abstiegssorgen hatte die sportliche Führung gefordert. Mit 39 Punkten auf dem Konto und Platz 12 in der Endabrechnung konnte Trainer Michael Frontzeck die Vorgaben erfüllen.

Zu den herausragenden Borussia-Spielern der Saison zählte vor allem Roel Brouwers. Der 28-jährige Innenverteidiger absolvierte alle 34 Meisterschaftsspiele und avancierte mit seinen acht Saisontreffern zum torgefährlichsten Abwehrspieler der Bundesliga. Im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de zog der sympathische Niederländer eine Saisonbilanz.

bundesliga.de: Roel Brouwers, die Borussia beendet ihre zweite Saison nach dem Wiederaufstieg auf Platz 12. Wie bewerten Sie die Saison?

Roel Brouwers: Wir können mit der Saison ganz zufrieden sein. Wir haben unsere gesteckten Ziele erreicht und frühzeitig und ohne Abstiegssorgen drei Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt klar gemacht. Und auch die Art und Weise, wie wir Fußball gesielt haben, war gut. Wir haben uns spielerisch weiter entwickelt.

bundesliga.de: Woran machen Sie diese Weiterentwicklung fest?

Brouwers: Wir haben schon in der Saisonvorbereitung ein klares taktisches Konzept einstudiert. Wir wollten defensiv gut und kompakt stehen und bei Balleroberung mit zwei, drei Pässen eine schnelle Kontertaktik umsetzen. Gerade in den Heimspielen haben wir auch spielerisch überzeugt und viele Punkte geholt. Wir haben ein sehr gutes Training gemacht, das sehr gut aufgebaut war. Und wir hatten über die Saison keine größeren Verletzungen.

bundesliga.de: Für Sie persönlich ist es auch sehr gut gelaufen. Sie sind der torgefährlichste Abwehrspieler der abgelaufenen Saison. Worauf führen Sie das zurück?

Brouwers: Ich bin bei Standards immer vorne und habe so meine acht Tore gemacht. Das ist sicher kein schlechter Wert für einen Abwehrspieler und passiert nicht so oft. Ich bin mit meiner Saison insgesamt sehr zufrieden. Ich habe alle Spiele mitgemacht und meistens ganz gut gespielt. Das wird im kommenden Jahr schwer zu toppen sein.

bundesliga.de: Was hat den Unterschied zum Vorjahr ausgemacht, als bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt gezittert werden musste?

Brouwers: Wichtig war, dass wir im Vergleich zur letzten Saison einen guten Start erwischt hatten und in den ersten vier Spielen sieben Punkte geholt haben. Das gibt einem direkt Vertrauen. Wir haben aber auch in dieser Saison einen qualitativ besseren Kader und einige wichtige Neuzugänge. Es hat alles gut zusammengepasst. Der Trainer hat von Anfang an eine klare Taktik verfolgt und uns vorgegeben, wie wir arbeiten sollen.

bundesliga.de: Die Experten bescheinigen der Borussia-Innenverteidigung mit Ihnen und Dante große Klasse. Dennoch kassierte die Borussia mit 60 Gegentoren die drittmeisten der Bundesliga. Wie passt das zusammen?

Brouwers: Die 60 Gegentore waren sicherlich zu viel. Aber wir haben alleine in den Spielen in Hannover und gegen Hoffenheim und Wolfsburg 14 Tore bekommen. Ohne diese Spiele wäre der Wert okay. Wir müssen das in der nächsten Saison weiter verbessern. Wir haben aber auch in den Spielen gegen starke Gegner wie die Bayern, Schalke oder den HSV kaum Torchancen zugelassen.

bundesliga.de: Während die Borussia daheim tollen Fußball zeigt und viele Punkte eingefahren hat, belegt sie in der Auswärtstabelle den letzten Platz. Warum läuft in der Fremde nicht viel zusammen?

Brouwers: Wir wissen auch nicht, warum die Ausbeute auswärts nicht besser war. Wir haben oft gut gespielt, aber trotzdem nichts mitgenommen wie zum Beispiel in Wolfsburg. Oder in Hoffenheim oder Bochum, wo wir jeweils eine klare Führung aus der Hand gegeben haben. Das müssen wir besser machen.

bundesliga.de: Wer ist für Sie der "Borusse" der Saison?

Brouwers: Marco Reus hat sich super entwickelt. Er kam aus der 2. Bundesliga aus Ahlen, wurde bei uns direkt Stammspieler und hat in seiner ersten Saison acht Tore gemacht. Und die Krönung ist, dass er nun zur Nationalmannschaft eingeladen wurde. Er ist ein Spieler für die Zukunft.

bundesliga.de: Sie haben sich selbst Hoffnungen gemacht, in den WM-Kader der Niederlande berufen zu werden. Das hat nicht geklappt. Sind Sie sehr enttäuscht?

Brouwers: Ich wusste, dass meine Chance klein war. Aber positiv war allein schon die Tatsache, dass ich im Blickfeld war. Letztes Jahr war ich noch überhaupt kein Thema, durch diese gute Saison bin ich immerhin ins Blickfeld gekommen. Ich geben die Hoffnung nicht auf, dass ich nach der WM eine Chance bekomme.

bundesliga.de: Wie hat Ihnen die Saison 2009/10 insgesamt gefallen? Wie wird der deutsche Bundesliga-Fußball in Ihrer Heimat verfolgt?

Brouwers: Es war eine spannende Saison oben und unten und ein gutes Jahr für die Bundesliga. In den Niederlanden wird die Bundesliga sehr genau verfolgt. Zusammen mit der Premier League in England ist sie die größte Meisterschaft in Europa. Der Zuschauerschnitt ist extrem hoch, davon können andere Länder nur träumen. Die Bundesliga hat viel Qualität. Das konnte man ja auch am guten Abschneiden und am guten Fußball von Bayern München in der Champions League und vom HSV in der Europa League sehen. Die Bayern haben viele sehr gute Spieler wie Robben, Ribéry, Schweinsteiger oder van Bommel und eine richtig gute Mannschaft. Louis van Gaal hat das nach seiner schwierigen Anfangszeit richtig gut hingekriegt. Ich wusste, dass er Erfolg haben wird, wenn er die Zeit bekommt.

bundesliga.de: Welche Vereine haben Sie überrascht, positiv wie negativ?

Brouwers: Mich hat Eintracht Frankfurt über weite Strecken der Saison positiv überrascht. Die spielen auch eine gute Saison und hätten es fast in die Europa League geschafft. Negativ überrascht hat mich Hertha BSC. Ich hätte nicht gedacht, dass die Berliner ganz unten landen, nachdem sie in der letzten Saison noch um die Meisterschaft gespielt haben. Die Mannschaft hat eigentlich Qualität. Schade, jetzt wird es schwer für sie.

bundesliga.de: Welcher Spieler der Bundesliga war für Sie der beste?

Brouwers: Mein Spieler der Saison ist Arjen Robben. Er war ja nicht von Saisonbeginn an dabei, kam später dazu und hat sich direkt in die Mannschaft eingepasst und viele wichtige Tore geschossen. In der Meisterschaft, in der Champions League im Pokal-Halbfinale. Ganz stark.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski