Köln - Auch wenn die Fans von Dortmund und Mönchengladbach vielleicht widersprechen werden: Wer nach diesem 22. Bundesliga-Spieltag auf die Tabelle schaut, der wird feststellen, dass die beiden Borussias im Moment das Maß aller Dinge sind.

Spielte sich die Borussia aus dem Ruhrgebiet in den letzten Wochen mit spielerischer Leichtigkeit an die Tabellenspitze, waren an diesem Samstag in Berlin auf tiefem Boden andere Qualitäten gefragt. Exemplarisch dafür stand die Leistung des unermüdlichen Kevin Großkreutz, der mit seiner Laufleistung von 12,6 km zwar nicht zur Verbesserung der Rasenqualität, durch seinen sehenswerten Siegtreffer aber zur Erhöhung des Punktekontos beitrug. Doch er war nicht nur viel, sondern auch häufig in hohem Tempo unterwegs: 94 intensive Läufe sind der zweitbeste Wert des Spieltages. Nur Stuttgarts Shinji Okazaki verschärfte noch häufiger das Tempo (97 Mal).

Mönchengladbach mit Saisonrekord

Der Großkreutz der Borussia vom Niederrhein heißt Marco Reus: Der Nationalspieler war unter der Woche fraglich, lief aber wie aufgezogen durch das Fritz-Walter-Stadion. 43 Mal setzte der zukünftige Dortmunder zum Sprint an - der beste Wert des Spieltages. Darüber hinaus bereitete er das 2:0 durch Juan Arango sehenswert vor und legte 13,0 km zurück. Dieser Wert wurde nur von einem Teamkollegen übertroffen: Der für den grippekranken Mike Hanke ins Team gerutschte Igor de Camargo war sogar 13,5 km unterwegs.

Doch nicht nur Reus und de Camargo überzeugten bei Mönchengladbach läuferisch, auch der Rest des Teams war in Kaiserslautern fleißig. Das Resultat sind nicht nur drei Punkte im Kampf um die Tabellenspitze, sondern mit 130,2 zurückgelegten Kilometern auch die beste Laufleistung der gesamten Saison. Der 1. FC Kaiserslautern hielt tapfer dagegen und spulte mit 127,1 km das zweitgrößte Programm des Wochenendes ab.

Die Tabelle lügt nicht

Wer vor diesem Spieltag seine Tipps nur nach der Tabelle abgegeben hat, dürfte in seiner Tipprunde in der Spieltagswertung weit vorne liegen: Dortmund (1.) gewinnt bei Hertha BSC (15.), Mönchengladbach (3.) gewinnt in Kaiserslautern (16.), der Hamburger SV (10.) unterliegt Werder Bremen (5.), Bayer Leverkusen (6.) bezwingt den FC Augsburg (17.), der FC Schalke 04 (4.) lässt dem VfL Wolfsburg (8.) keine Chance und Hannover 96 (7.) schlägt den VfB Stuttgart (9.). Nur der 1. FC Nürnberg (14.) fiel mit seinem Sieg gegen den 1. FC Köln (12.) etwas aus dem Rahmen.

Schlüssel zum Erfolg der Franken war die enorme Sprintstärke: 228 Mal waren die Spieler des "Clubs" am Samstagnachmittag in vollem Tempo unterwegs. Häufiger als die Spieler der anderen Teams. Nach dem 2:1-Heimsieg haben die Nürnberger den FC in der Tabelle hinter sich gelassen, was eine alte Fußballerweisheit untermauert: Die Tabelle lügt nicht. Außer in Hoffenheim und Freiburg, wo das schlechter platzierte Team jeweils einen Zähler erringen konnte.

Bremer Sieg durch Umschaltspiel

Der FC Schalke 04 gewann souverän gegen den VfL Wolfsburg und konnte dabei sogar einige Körner für die kommenden englischen Wochen sparen: Die "Knappen" ließen Ball und Gegner laufen, waren selber aber nur 109,0 km unterwegs. Der niedrigste Wert des Spieltages.

Schlüssel zum Bremer Sieg im 96. Nordderby der Bundesliga-Geschichte war das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff. Die Mannschaft von Thomas Schaaf überließ weitestgehend dem Hamburger SV die Initiative und hatte lediglich 38,2 Prozent Ballbesitz. Nur der FC Augsburg war noch seltener am Ball. Sobald Werder am Ball war, ging es häufig schnell und erfolgreich nach Vorne. Immer wieder auch über Zlatko Junuzovic, der abermals läuferisch überzeugen konnte. Mit einer Laufleistung von 13,0 km teilt er sich den zweiten Platz der Spieltagswertung mit Marco Reus und ist der erste nicht-Borusse dieser Rangliste. Ist aber auch etwas unfair - schließlich gibt es zwei Borussias.

Florian Reinecke