Rudi Völler ist seit Januar 2005 wieder Sportdirektor bei Bayer 04 Leverkusen
Rudi Völler ist seit Januar 2005 wieder Sportdirektor bei Bayer 04 Leverkusen
Bundesliga

"Es gibt noch einen Tick Hoffnung"

Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat eine ordentliche Hinrunde auf Platz 3 abgeschlossen. Doch obwohl die "Werkself" nur zwei Punkte weniger holte als in der vergangenen Saison, als Leverkusen Herbstmeister wurde, ist die Tabellenspitze weit entfernt.

Satte zehn Punkte beträgt der Rückstand auf Borussia Dortmund. Dennoch blickt Bayer-Sportchef Rudi Völler zufrieden auf die Hinserie zurück.

Frage: Rudi Völler, Bayer Leverkusen schließt die Vorrunde auf dem 3. Platz ab. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Rudi Völler: Es ist nicht entscheidend, ob wir nach der Hinrunde 2. oder 3. sind. Wir sind in unserer Gruppe in der Europa League Erster geworden. In der Meisterschaft sind wir vorne dran, nahe dran an den Champions-League-Plätzen. Das wollen wir am Ende der Saison erreichen. Und dafür sind wir auf einem guten Weg. Wir können mit der Vorrunde im Großen und Ganzen sehr gut leben. Vor allem wenn man bedenkt, dass uns sehr viele verletzte Spieler in der Hinrunde gefehlt haben. Es sieht ganz manierlich aus.

Frage: Bayer hat in der Hinrunde auswärts überragend gepunktet, aber nur drei von neun Heimspielen gewonnen. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Völler: Wir haben Zuhause zu wenig Punkte geholt, das stimmt. Aber diese Entwicklung betrifft ja in dieser Saison nicht nur uns. Auch die Mainzer und die Dortmunder holen auswärts mehr Punkte als Zuhause. Eine komische Entwicklung. Es liegt sicher daran, dass man auswärts nicht immer das Spiel machen muss und mehr Räume zum Kontern da sind.

Frage: Jupp Heynckes lässt trotz des Überangebots an Topstürmern im Kader häufig nur mit einer Spitze agieren. Ist das nicht manchmal gerade in Heimspielen zu wenig?

Völler: Am System liegt es nicht. Wir haben zuletzt in Hamburg mit dem System mit einer Spitze 4:2 gewonnen und vier Tore gemacht. Wir haben die zweitmeisten Tore in der Liga geschossen. Es kommt auf die Einstellung an. Wenn man bissiger ist, ist es egal, ob ein oder zwei Stürmer auf dem Platz stehen.

Frage: Im letzten Spiel hat es gegen den SC Freiburg nur zu einem 2:2-Unentschieden gereicht. Trübt das Remis die Bilanz ein wenig?

Völler: Wir hätten sicherlich gerne zum Abschluss einen "Dreier" mitgenommen. Aber man muss auch sagen, dass Freiburg es wie schon in der kompletten Vorrunde ordentlich gemacht hat. Sie haben sich den Punkt verdient. Wir waren nicht so griffig, wie wir das sonst sind. Das lag ein bisschen am schwer bespielbaren Platz, aber auch ein bisschen an der Grundeinstellung.

Frage: Damit hat Bayer die Chance vertan, den Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund auf acht Punkte zu reduzieren.

Völler: Alle haben gedacht, dass es gegen Freiburg irgendwie von alleine geht. Ging es aber nicht.

Frage: Glauben Sie, dass Bayer 04 in der Rückrunde noch den Herbstmeister Borussia Dortmund angreifen kann?

Völler: Wir wollen international spielen und wenn es geht in die Champions League. Was darüber hinaus geht, ist ein bisschen vermessen. Wir haben viele Vereine, die mit uns um die internationalen Plätze kämpfen wollten, schon relativ weit hinter uns gelassen. Das ist schon einmal ein schönes Pfund.

Frage: Glauben Sie denn, dass Borussia Dortmund der Titel nicht mehr zu nehmen ist?

Völler: Wenn Bayern München so viele Punkte Vorsprung hätte wie Borussia Dortmund, würden wir nicht mehr darüber diskutieren. Dann wäre für alle klar, dass das Ding durch ist. Bei allen anderen Mannschaften gibt es noch einen Tick Hoffnung.

Frage: Warum läuft Bayern München in dieser Saison der Spitze so weit hinterher?

Völler: Besser als die Bayern spielen, geht es ja nicht. Aber es gibt eine Einschränkung. Sie haben in der Hinrunde einfach zu oft das Tor nicht gemacht.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski