Lothar Matthäus freut sich ganz besonders auf das Finale der Champions League in Madrid. Schließlich treffen mit dem FC Bayern und Inter Mailand (Sa., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) zwei seiner Ex-Clubs aufeinander, mit denen er große Erfolge gefeiert hat. So gewann er mit beiden Teams unter anderem je ein Mal den UEFA-Cup.

Vergleichen möchte er die Mannschaften von damals mit den aktuellen Teams aber nicht. "Der Fußball hat sich generell verändert. So hat Mourinho seine ganz eigene Philosophie nach Mailand mitgebracht", erklärt Matthäus im bundesliga.de-Interview den Wandel bei Inter.

Der deutsche Rekordnationalspieler wagt einen Ausblick auf das Finale, sagt, was er für entscheidend hält und gibt auch einen Tipp ab.

bundesliga.de: Herr Matthäus, hätten Sie vor Beginn der Champions League mit einem Endspiel FC Bayern München gegen Inter Mailand gerechnet?

Lothar Matthäus: Das war mein Wunschfinale. Ich hege für beide Clubs eine große Sympathie, weil ich mit beiden Vereinen große Erfolge gefeiert habe.

bundesliga.de: Beide Teams haben das "Triple" vor Augen. Sind die Spieler da gleich doppelt motiviert?

Matthäus: Sowohl Bayern als auch Inter haben das "Double" aus Meisterschaft und Pokal geholt und können mit dem Sieg in der Champions League eine erfolgreiche Saison krönen. Über Motivation muss man da glaube ich nicht sprechen. Wenn ein Spieler in einem Finale steht, vor allem in der "Königsklasse", dann will er das auch gewinnen. Es wird viele Emotionen zu sehen geben.

bundesliga.de: Werden wir in Madrid ein rauschendes Fußball-Fest erleben?

Matthäus: Es treffen zwei Teams mit unterschiedlichen taktischen Systemen aufeinander. Die Bayern versuchen, das Spiel zu kontrollieren, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und zu agieren. Inter ist eher ein Mannschaft, die reagiert - auch in der Champions League. Das hat man gegen den FC Barcelona und Chelsea gesehen, wo sie viel weniger Ballbesitz hatten.

bundesliga.de: Werden die Superstars wie Arjen Robben oder Samuel Eto´o dem Spiel ihren Stempel aufdrücken?

Matthäus: Es sind ja irgendwo immer Einzelaktionen, die ein Spiel entscheiden. Sei es der Torabschluss oder eine Standardsituation. Auf so einem hohen Niveau wird jeder kleinste Fehler sofort bestraft. Und das bedeutet zumeist, dass ein Team den Platz als Sieger verlässt.

bundesliga.de: Könnte die größere Erfahrung von Bayerns Coach Louis van Gaal den Unterschied ausmachen?

Matthäus: Beide Trainer arbeiten auf dem absolut höchsten Niveau. Sie haben mit unterschiedlichen Teams schon große Erfolge gefeiert. Von daher ist keiner der beiden im Vorteil.

bundesliga.de: Ist das Inter Mailand von heute noch mit der Mannschaft von vor 20 Jahren zu vergleichen?

Matthäus: Der Fußball hat sich generell verändert. So hat Mourinho seine ganz eigene Philosophie nach Mailand mitgebracht. Und die beinhaltet, dass das Team erst einmal defensiv sicher steht und dann mit den gefährlichen Spitzen wie Milito und Eto´o vorne zuschlägt.

bundesliga.de: Welche Taktik empfehlen Sie den Bayern gegen Inter?

Matthäus: Dem FC Bayern muss man nicht erklären, wie er zu spielen hat. Der Trainer wird das Team optimal einstellen. Es gibt in diesem Finale sowieso keine Geheimnisse. Beide Trainer sind sehr gut vorbereitet und wissen alles über den Gegner. Es kommt jetzt auf die psychische Stärke eines jeden Spielers an. Keiner darf sich eine Nachlässigkeit erlauben.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Tipp für das Finale?

Matthäus: Ich gönne grundsätzlich der Mannschaft den Sieg, die das Spiel bestimmt. Und deshalb gehe ich davon aus, dass Bayern mit einem knappen Ergebnis gewinnt.

Das Gespräch führte Michael Reis