München - Uli Hoeneß feiert am 5. Januar 2012 seinen 60. Geburtstag. Der Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München sprach über seine Wünsche, seine Zukunft, sein Image und seine Feinde. Inzwischen würde er sogar Christoph Daum wieder die Hand geben, sagte Hoeneß.

Groß zurückblicken wollte der langjährige Manager allerdings nicht. Er sei "kein großer Romantiker. Zurücklehnen kann man sich in diesem Geschäft nicht. Das ist Stillstand."

Frage: Erlauben Sie sich anlässlich Ihres runden Geburtstages einen Rückblick und wie fällt der aus?

Uli Hoeneß: Ich bin kein großer Romantiker, ich bin nach wie vor sehr in der Gegenwart verhaftet. Ich habe immer noch einen sehr engen Zeitplan. Da bleibt nicht viel Zeit, um zurückzublicken - und ich will das auch gar nicht. Zurücklehnen kann man sich in diesem Geschäft nicht. Das ist Stillstand. Selbst wenn man die Champions League gewinnt, muss man weiter mit vollem Einsatz bei der Sache sein.

Frage: Wie sehen Sie Ihren FC Bayern heute?

Hoeneß: Wie der Verein lebt, wie er pulsiert, wie er in der Gesellschaft angesehen ist - das ist eine tolle Sache. Das sind Dinge, worauf wir alle sehr stolz sein können. Das ist etwas ganz Besonderes.

Frage: Gibt es vom Visionär Hoeneß noch konkrete Vorstellungen für die Zukunft des FC Bayern?

Hoeneß: Wir sind im sportlichen Bereich sehr gut gerüstet. Wenn die UEFA das 'Financial Fairplay' in den nächsten Jahren wirklich konkret umsetzt, ist der deutsche Fußball, aber insbesondere der FC Bayern fantastisch darauf vorbereitet.

Frage: Wird es den Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß auch mit 65 noch geben?

Hoeneß: Meine Präsidentschaft läuft Ende nächsten Jahres aus, dann bin ich knapp 61. Sollte ich noch mal gewählt werden, wäre ich danach 64. Dann muss man einfach sehen, ob ich noch weitermache oder nicht.

Frage: Sie haben alles erreicht. Könnten Sie sich nicht vorstellen, jetzt schon kürzer - oder sogar zurückzutreten?

Hoeneß: Das ist doch genau der Fehler, den die Leute machen. Ich genieße mein Leben in vollen Zügen. Natürlich gibt es Situationen, in denen man denkt: Leck mich am Arsch. Aber am nächsten Tag ist dies wieder vergessen. Ich gehe gerne in die Arbeit. Ich kenne viele Freunde, die zwischen 60 und 70 sind, die Top-Manager waren, und die nichts mehr machen. Deren Alterungsprozess ist dramatisch.

Frage: Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Hoeneß: Angst nicht. Mein Problem ist, dass in meinem Umfeld die Einschläge näher kommen, dann zuckt man schon ganz schön.

Frage: Sie polarisieren sehr. Ist Ihnen eigentlich Ihr Image wichtig?"

Hoeneß: Ich bin keiner, der am Morgen aufsteht und sagt: Was muss ich tun, um heute gut auszusehen. Das habe ich noch nie gemacht.

Frage: Sie sind nie einer Konfrontation aus dem Weg gegangen. Bereuen Sie manchmal auch Dinge, die passiert sind?

Hoeneß: Manchmal bin ich übers Ziel hinausgeschossen. Ich bin aber auch immer bereit, mich zu entschuldigen. Und ich bin auch nicht sehr nachtragend.

Frage: Gibt es immer noch 'Feindschaften', die aus früheren Auseinandersetzungen herrühren?"

Hoeneß: Auf einer Strecke von rund 30 Jahren sind ein, zwei, drei Leute übriggeblieben. Mit Christoph Daum habe ich nichts mehr zu tun, aber ich würde ihm die Hand geben. Der einzige, der keine Ruhe gibt, ist komischerweise Willi Lemke, obwohl ich mit dem seit Jahren nichts mehr zu tun habe. Aber sonst? Es gibt wenige, die mir entgegentreten und von mir sagen: Das ist ein Riesen-Arschloch.

Frage: Hat ein Uli Hoeneß noch Wünsche oder Träume außerhalb des Fußballs?

Hoeneß: Wenn es so extreme Träume wären, würde ich sie mir erfüllen. Ich bin kein Gefangener meiner Arbeit. Ich kann mir schöne Dinge erlauben. Ich werde aber immer versuchen, die von Montag bis Freitag zu machen, damit ich am Samstag wieder beim Spiel sein kann.

Frage: Gab es eine Phase, in der Sie mit Ihrer Kraft am Ende waren?

Hoeneß: Es gab nur eine Phase, das war während der Daum-Affäre. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, ich weiß nicht mehr weiter. Ich hatte nicht einen Gegner, nicht zwei, sondern die ganze Welt. Ich hatte das total unterschätzt. Ich hatte das erste Mal das Gefühl: Ich habe die Situation nicht im Griff.

Frage: Was treibt Sie weiterhin an?

Hoeneß: Der FC Bayern hat sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis entwickelt. In Barcelona heißt es 'Mes que un club', dann würde ich sagen, dass Bayern auch mehr als ein Klub ist. Das ist eine Philosophie, eine Vision. Überall merkt man, wie dieser Verein emotionalisiert. Ich will mithelfen, dass dies auch so bleibt.

Frage: Sehen Sie darin ein Problem?

Hoeneß: Es ist die größte Aufgabe von uns allen, dass wir die nächsten fünf Jahre, die richtigen Entscheidungen treffen, unsere Arbeit in die richtigen Hände zu geben. Wir brauchen vier, fünf Leute. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Ich hatte 30 Jahre Zeit, in der sich der Umsatz von 12 Millionen Mark auf 350 Millionen Euro gesteigert hat. Aber jeder, der jetzt kommt, hat keine Zeit. Man wird sie ihm nicht geben.

Frage: Ist der FC Bayern ohne Uli Hoeneß überhaupt vorstellbar?

Hoeneß: Das sagen alle. Aber es geht immer wieder weiter.

Frage: Das heißt, dass man Sie Eins zu Eins ersetzen könnte?

Hoeneß: Ich hoffe, dass das keiner versuchen wird, du kannst keinen Menschen ersetzen. Die Arbeit ja, aber nicht sein Charisma. Es gibt auch andere Wege, einen Verein erfolgreich zu führen.

Frage: Haben Sie für 2012 eine Wunsch-Schlagzeile?

Hoeneß: Wenn ich das auf das Sportliche beziehe, wäre es natürlich schon ein Traum, wenn wir das Champions-League-Finale in München gewinnen könnten. Aber ich möchte den enormen Druck nicht noch weiter vergrößern. Viele fragen immer, was noch anders werden soll oder was ich für Ziele habe. Ich glaube, dass es das Wichtigste ist, sagen zu können: Man ist zufrieden. Immer höher, immer schneller, immer weiter - das geht nicht.