Paderborn - Der SC Paderborn weist auch gegen den SC Freiburg nach, dass er das Zuig dazu hat, sich in der Bundesliga zu etablieren. Genervt zeigt man sich allerdings von der gestiegenen Erwartungshaltung.

Die Botschaft ist nicht zu übersehen: "Willkommen in der Bundesligastadt Paderborn" steht auf einem großen Schild an der Einfahrt zum Hauptbahnhof der westfälischen Bischofsstadt. Nur zur gerne würden die Anhänger des Aufsteigers den Reisenden diese Message auch noch im kommenden August präsentieren, wenn die Saison 2015/16 startet. Und so schlecht stehen die Chancen auf den Klassenerhalt ja auch gar nicht.

Bislang spielte der vermeintliche Absteiger Nummer eins schließlich sogar so gut, dass manche Medien sehr erstaunt taten, als der SCP am vorletzten Wochenende doch tatsächlich 0:4 in Bremen verlor. "Es ist schon interessant, welcher Paradigmenwechsel sich in unserer Medienlandschaft durch unseren guten Start in die Saison ergeben hat", schrieb Präsident Wilfried Finke deshalb in der Stadionzeitung. "Dabei wird gerne aus dem Auge verloren, dass wir zum erstenmal überhaupt in der Bundesliga mit dabei sind."

Ungewohnter Erwartungsdruck

Wie hoch mittlerweile der Erwartungsdruck ist, der auf der unerfahrenen Mannschaft lastet, registrieren sie in Paderborn mit einer Mischung aus Überraschung und Verärgerung. Und freuen sich umso mehr, dass das Publikum wie eine Eins hinter der Mannschaft steht. "Sensationell", fand Mario Vrancic die Unterstützung von den Rängen. Die war allerdings auch nötig. Schließlich erzielte Elias Kachunga erst in der 89. Minute den mehr als verdienten Ausgleich für seine Paderborner. Die hatten am Ende eine Quote von 65 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und 24 zu 4 Torschüssen.

"Wir waren über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft und haben nichts zugelassen", wunderte sich Alban Meha. "Und dann müssen wir am Ende froh sein, dass wir noch einen Punkt holen." Ins gleiche Horn stieß Patrick Ziegler: "Freiburg hat extrem defensiv gestanden. Da ist es selbst für Bayern München schwer, zwingende Chancen zu kreieren." Freiburg hingegen hatte genau eine Torchance: den Elfmeter, der zum 0:1 führte (18.).

Etablierter Aufsteiger

Man musste also kein Paderborn-Fan sein, um den Ausgleichstreffer überfällig zu finden. "Ich hätte sonst den Glauben an die Gerechtigkeit verloren", sagte Trainer Andre Breitenreiter. "Ich bin glücklich, dass wir für diesen hohen Aufwand belohnt worden sind." Tatsächlich war es beeindruckend zu sehen, mit welcher Energie der SCP auf den Ausgleich drängte. Die beiden Außenverteidiger, Daniel Brückner und Jens Wemmer, standen sehr hoch, die Innenverteidiger, Uwe Hünemeier und Christian Strohdiek bauten von hinten die Angriffe auf, die Mahir Saglik, Süleyman Koc und Alban Meha immer wieder tief in die gegnerische Hälfte trugen.

Kurzum: Paderborn präsentierte sich einmal mehr als gut organisierte, lauf- und kampfstarke Mannschaft. Und als Kollektiv, das längst gemerkt hat, dass die Chancen auf den Klassenerhalt weit größer sind als ihnen das vor der Saison zugetraut worden war. 17 Punkte hat der SCP aus den bisherigen 14 Saisonspielen geholt. Damit liegt man deutlich über dem Soll. Eines steht jetzt schon fest: in Paderborn haben sie an Sylvester allen Grund, zufrieden auf das Kalenderjahr 2014 zurückzublicken.

Aus Paderborn berichtet Christoph Ruf