Generell gelten die Spiele gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München als "leicht". Bei einem Sieg oder auch nur bei einem Unentschieden sind alle glücklich, eine Niederlage gegen das Starensemble ist fast schon einkalkuliert. Doch Thomas Tuchel und seine Mainzer standen am 3. Spieltag nach nur zwei Punkten aus den ersten beiden Partien, zahlreichen Verletzten und einer misslungenen Vorbereitung dennoch gehörig unter Druck. Trotzdem scheute sich Tuchel nicht, in diesem für ihn schwierigen Spiel mit einer taktischen Umstellung ein großes Risiko einzugehen - mit Erfolg!

"Ich bin normalerweise kein Freund davon, das eigene Spiel umzustellen. Da wir aber erst kurz zusammen sind und noch nicht die Systemsicherheit haben, entschieden wir, klare Verantwortlichkeiten und klare Zonen zu schaffen", erklärte der Mainzer Trainer seine Taktik nach dem 2:1-Erfolg.

Dies gelang dem 36-Jährigen mit der Umstellung auf ein defensiv ausgerichtetes 4-1-4-1-System, in dem überraschend der gelernte Innenverteidiger Bo Svensson den "Staubsauger" vor der Abwehr gab. Die Halbpositionen in der Viererkette im Mittelfeld bildeten Miroslav Karhan und Andreas Ivanschitz, die hinter der einzigen Spitze Aristide Bancé immer wieder in die Räume vor der FCB-Abwehr stießen und so für Verunsicherung sorgten. Auf den Außenbahn übten André Schürrle und Tim Hoogland mit ihren Flankenläufen Druck aus. Mit diesem Forechecking kamen die Münchener nur selten zurecht.

Außerdem ließ Tuchel in der Vorbereitung auf die Partie im Training ausgiebig scharfe Pässe von Schürrle auf Ivanschitz sowie Flanken von den Außen auf Bancé einüben - und so fielen dann auch die beiden Mainzer Treffer.

Um aus seinen Spielern das letzte Prozent Motivation herauszukitzeln, zeigte Tuchel ihnen vor dem Spiel eine Szene aus dem Film "An jedem verdammten Sonntag". Dabei geht es um ein von Al Pacino trainiertes amerikanisches Footballteam, das eigentlich keine Chance hat, aber gegen den übermächtigen Favoriten über sich hinaus wächst. Tuchel wählte die emotionale Kabinenansprache Pacinos vor dem entscheidenden Spiel aus und sagte hinterher seinen Spielern: "Ihr müsst mutig sein, braucht euch vor niemanden verstecken. Wenn die Bayern hier Punkte mitnehmen wollen, müssen sie eine blutige Nase haben."

So wurde der erste Mainzer Sieg über die Bayern seit 21 Jahren möglich, und 05-Präsident Harald Strutz wusste, wo der Schlüssel zum Erfolg lag: "Thomas Tuchel hat dem Team eine Handschrift gegeben. Die Spieler blühen auf, sie haben richtig Spaß. Jeder sieht jetzt, was die Mannschaft leisten kann."