Braunschweig - Die erste Pflichtaufgabe ist erfüllt. Nach dem souverän herausgespielten 3:0 in der 1. Runde des DFB-Pokals bei Eintracht Braunschweig stehen für den FC Bayern München zwar noch zahlreiche Pflichtspiele bis zum Champions-League-Finale am 19. Mai in der heimischen Allianz Arena auf dem Programm.

Für die nach Braunschweig gereisten Fans des FCB war der Gewinn des Triples in ihren Gesängen aber spätestens nach dem 2:0 durch Bastian Schweinsteiger, der an seinem 27. Geburtstag den zweiten Strafstoß verwandelte, ausgemachte Sache - auch wenn die Verantwortlichen und Spieler natürlich auf die Euphoriebremse treten.

"Wir haben das Spiel 90 Minuten dominiert", analysierte Toni Kroos gegenüber bundesliga.de, "aber da kommen im Laufe der Saison natürlich noch ganz andere Kaliber auf uns zu.

Bayern auch ohne "Robbery" stark

Dass der deutsche Rekordmeister auch ohne seine Weltstars Arjen Robben und Franck Ribery in der Lage ist, Gegnern jeglichen Kalibers Paroli zu bieten, hat er nicht nur am Montagabend beim Zweitliga-Tabellenführer gezeigt, sondern hält Jupp Heynckes sogar für selbstverständlich.

"Ein Verein wie der FC Bayern muss in der Lage sein, den Ausfall zweier Leistungsträger zu verkraften", stellte der Trainer klar. Es gebe keinen Grund, noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Anders sähe es vielleicht aus, "wenn vier oder fünf Leistungsträger ausfallen würden. Das kann kein Verein verkraften."

Müller in beeindruckender Frühform

Für die Partie in Braunschweig hatte der mit 66 Jahren älteste und erfahrenste Coach der Liga die bevorzugte 4-2-3-1-Aufstellung mit Mario Gomez als alleiniger Spitze ausgewählt. Die Rolle des verletzten Franck Ribery übernahm David Alaba. Für Arjen Robben beackerte Thomas Müller die rechte Außenbahn.

Und wie! Der WM-Torschützenkönig präsentierte sich zu Saisonbeginn in einer beeindruckenden Frühform und war von den "Blau-Gelben" nie zu stoppen. Müller holte die beiden Strafstöße zur 2:0-Führung durch Gomez und Schweinsteiger heraus und war bei seinem Treffer zum endgültigen K.o. für die Gastgeber gedanklich schneller als die gesamte Eintracht-Abwehr.

Die Neuen schlagen ein

Überhaupt war die rechte Seite auch ohne Superstar Robben das Glanzstück der Münchner. "Müller hat hervorragend gespielt", lobt Heynckes. "Was mich aber besonders gefreut hat, war das gute Zusammenspiel mit Rafinha auf der rechten Seite."

Der Brasilianer war nicht der einzige Neuzugang, der in Braunschweig von Beginn an auf dem Feld stand. Vor dem aus Schalke gekommenen Torwart Manuel Neuer, der sich mangels Arbeit nicht auszeichnen konnte, bildete Jerome Boateng mit Holger Badstuber das Innenverteidiger-Duo in der Münchner Viererkette.

"Unser Zusammenspiel klappt schon ganz gut. Wir haben so gut wie keine Chance zugelassen, uns schon beinah' blind verstanden", lobt Badstuber seinen erst vor zwei Wochen von Manchester City an die Isar gewechselten Partner, schränkt aber ein: "Wie es im Ernstfall aussehen wird, müssen wir abwarten. Braunschweig war in der Offensive kein besonderer Prüfstein."

Verlierer sind beeindruckt

Das ließ ein eiskalt auf Ball- und Spielbeherrschung bedachter Rekordmeister auch gar nicht zu. Durch die minutenlangen Ballstaffetten wurden Erinnerungen wach an die von Louis van Gaal gelehrte Philosophie des Ballbesitzes. Aber bei allem "Ballgeschiebe" waren die Süddeutschen jederzeit in der Lage, das Tempo anzuziehen und den Gegner unter Druck zu setzen - ohne Ausnahme. "Jeder", antwortete Norman Theuerkauf voller Anerkennung auf die Frage, welcher Bayern-Akteur ihm denn besonders beeindruckt habe.

"Wahnsinn, mit welch einem Tempo die auf einen zugekommen sind und kombiniert haben. Die können schon Fußball spielen", beschrieb Ken Reichel, der den Gästen mit seinem Foul an Müller bereits in der 9. Minute den Strafstoß, der zum frühen 1:0 führte, bescherte, den Gegner auf die Frage nach dem Klassenunterschied.

Und Mirko Boland, Verursacher des zweiten Elfmeters, war angesichts der Überlegenheit des Bundesligisten beinahe fassungslos. "Das hatte ich so nicht erwartet", beschrieb der Defensivspieler den Klassenunterschied und dachte noch eine Ebene höher: "Wie muss es erst sein, wenn man gegen den FC Barcelona spielt?"

Gegen Frankfurt Tabellenführung verteidigen

Die Frage wird der 24-Jährige so schnell wohl nicht beantwortet bekommen. Die Braunschweiger können sich nach dem Pokals-Aus nun ganz auf den Liga-Alltag konzentrieren. Da kommt es am Sonntag an der Hamburger Straße gegen den Top-Aufstiegsfavoriten Eintracht Frankfurt gleich zu einem weiteren Spitzenspiel für den aktuellen Tabellenführer. "Den Pokal werden wir abhaken und uns ganz schnell auf das Spiel konzentrieren", sagte Torsten Lieberknecht. Der Coach will "die Tabellenführung verteidigen, auch wenn uns klar ist, dass das nur eine Momentaufnahme ist".

"Gern wäre ich eine Runde weitergekommen", hatte sich der Eintracht-Coach, der am Spieltag 38. Jahre alt wurde, gewünscht. "Aber ich hatte im Vorfeld schon gesagt, dass es ein Wunder wäre, dies Spiel zu gewinnen." Das Wunder blieb aus. "Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, gegen die noch ganz andere, nicht nur in Deutschland, verlieren werden", tröstet sich Lieberknecht, der sich sehr darüber freute, "dass ich zu Herrn Heynckes jetzt Jupp sagen darf".

Lieberknechts optimistische Prognose können die Bayern erstmal mit dem Gewinn des nationalen Doubles erfüllen. Und im Idealfall folgt am 19. Mai als krönender Abschluss der Triumph in der "Königsklasse"...

Aus Braunschweig berichtet Jürgen Blöhs